Stiftung soll zweite WZL-Halle finanzieren

Von: Thorsten Karbach
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Hat einen Ersatzarbeitsplatz am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie gefunden: WZL-Wissenschaftler Markus Erz. Seine Maschine stand in der abgebrannten Versuchshalle. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Normalerweise wäre das gesamte Direktorium in diesen Tagen auf einem großen Meeting in Paris. Doch was ist seit zwei Wochen schon normal am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen? In der Nacht zum 5. Februar ist die große Versuchshalle des WZL auf dem Campus der RWTH abgebrannt. Und so sitzen drei Viertel des Direktoriums, nur Professor Christian Brecher ist in Paris geblieben, in Aachen und blicken in die nahe Zukunft des WZL.

Die Ersatzhalle: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW und Gebäudemanagement der RWTH haben einen Plan für eine Ersatzhalle auf dem Fundament der abgebrannten Halle. Denkbar ist, dass diese bereits in 18 bis 24 Monaten bezogen wird. Statiker müssen noch prüfen, ob der weitestgehend unbeschädigte Teil des Gebäudes, zu dem die Versuchshalle zählte, stehen bleiben kann. Die neue Halle soll mit 4300 Quadratmetern etwas größer sein, als die abgebrannte. Der Bedarf ist allerdings mittlerweile gestiegen. „Die Maschinen standen in der alten Halle so dicht nebeneinander, das würde in einer neuen Halle so nicht mehr genehmigt werden“, erklärt Professor Günther Schuh, geschäftsführender WZL-Direktor. Noch dazu seien moderne Werkzeugmaschinen 20 bis 30 Prozent größer als die zerstörten. Deswegen werden die Planungen für eine zweite Halle forciert. Die soll über einen neue Stiftung finanziert werden. „Wir brauchen die Zusatzhalle, sonst müssen wir einzelne Forschergruppen in Frage stellen“, sagt Schuh.

Die Maschinen: 25 Großmaschinen braucht das WZL laut Professor Fritz Klocke, um die Arbeit wieder komplett aufnehmen zu können, Jede einzelne kostet zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Euro. Zwölf dieser 25 Maschinen wurden WZL-Direktor Klocke größtenteils als Dauerleihgaben zugesichert.

Die Ersatzflächen: Es gab Hilfsangebote aus aller Welt für 31 Ersatzflächen mit einer Gesamtgröße von mehr als 15.000 Quadratmetern. „Das war sehr berührend“, berichtet WZL-Direktor Professor Robert Schmitt. Nun werden 3900 Quadratmeter an zehn Standorten bezogen – alle im direkten WZL-Umfeld. Sie befinden sich in den benachbarten Fraunhofer-Instituten, in den Gebäuden der Campus-Cluster und den Hallen der RWTH-Institute für Kunststoffverarbeitung, für Textiltechnik und Kraftfahrzeuge.

Die Studienarbeiten: Von rund 500 studentischen Arbeiten, die am WZL und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik laufen, sind 37 betroffen. Darunter ist die von Benjamin Montavon, der seine Masterarbeit schreibt, und dessen Experimente in der Versuchshalle liefen. „Vor dem Brand hätte ich gesagt: In drei Wochen bin ich fertig“, berichtet er nun. Sein neuartiges Messsystem stand kurz vor der Patentierung. Nun bekommt er einen Ersatzplatz bei den Physikern. „Willen und Know-how sind noch da“, sagt er. Auch bei den anderen Betroffenen war es möglich, Termine oder auch Themen anzupassen.

Der Schaden wird auf rund 100 Millionen Euro beziffert: 30 Millionen Euro für das Gebäude, 60 Millionen Euro für die Beschaffung der Maschinen und zehn Millionen Euro für Übergangsmaßnahmen. Die Brandursache ist weiterhin ungeklärt.

Die Stiftung: Über eine solche Stiftung sei laut Günther Schuh schon länger nachgedacht worden – allerdings in kleineren Dimensionen. Nun steht die Gründung bevor, die vier WZL-Direktoren bringen ihre Anteile an der WZL Aachen GmbH, einer Transfer- und Beratungsgesellschaft, ein. Das entspricht einem Vermögen von zwei Millionen Euro. Mindestens sechs Millionen Euro werden aber gebraucht für die zweite Halle. Bis die Stiftung steht sammeln Klaus Essel und der Freundeskreis des WZL, ein gemeinnütziger Verein, Spenden für das Hallenprojekt (Freundeskreis des WZL der RWTH Aachen e.V., IBAN DE94 3907 0024 0203 8628 01).

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