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Steil-Niederlassung: Nach Warnstreik rückt Security-Firma an

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Die Niederlassung ist geschlossen: Vor dem eigentlich angekündigten Aus zum 31. März wurden die Steil-Mitarbeiter in Eschweiler vor die Tür gesetzt. Selbst die Gewerkschaft erhält keine Reaktion der Firmenleitung in Trier. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Die Vorgehensweise der Theo-Steil-Geschäftsführung macht selbst einen eingefleischten Gewerkschaftssekretär wie Ralf Radmacher von der IG Metall Stolberg/Eschweiler fassungslos.

Das Unternehmen, das sich auf die Schrottverwertung und -sammlung spezialisiert hat, hatte den 34 Mitarbeitern der Eschweiler Niederlassung erklärt, dass der Standort zum 31. März geschlossen werde. Ein nicht ungewöhnlicher Vorgang. Allerdings riss danach der Kommunikationsfaden völlig ab.

Keine Reaktion

Die in Trier ansässige Firmenleitung war nicht zu Stellungnahmen zu bewegen. Anfragen der Gewerkschaft, von Politikern und von Mitarbeitern liefen ins Leere. Auch schriftliche und mündliche Anfragen unserer Redaktion ließ die Firmenleitung in Trier unbeantwortet. Auf den Warnstreik der Mitarbeiter im Eschweiler Ortsteil Aue in der vergangenen Woche, zu dem die IG Metall aufgerufen hatte, folgte allerdings eine Reaktion: Am Montag ließ man das Gelände räumen, tauschte die Schlösser aus und entfernte alle Firmenschilder. Die Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt. Seitdem prangen Schilder am Eisentor in Eschweiler-Aue: „Die Niederlassung ist geschlossen!“ Eine Sicherheitsfirma patrouilliert seitdem auf dem Gelände.

„So etwas habe ich noch nie erlebt, auch meine Kollegen kennen keinen vergleichbaren Vorgang“, beschreibt Gewerkschafter Radmacher die Situation. Das Problem: Da in der Eschweiler Niederlassung keine Arbeitnehmervertretung tätig war, befindet sich die Unternehmensleitung rechtlich auf der sicheren Seite. „Sie ist nicht gezwungen, mit uns zu sprechen“, gesteht Radmacher. Aber er bringt die menschliche Komponente ins Spiel: Viele der Angestellten seien mit den Nerven am Ende. Die geschassten Mitarbeiter nennen die Handlungsweise „menschenunwürdig“ und „skrupellos“.

Die IG Metall will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Am 18. März will sich ein Tross aus Eschweiler nach Trier aufmachen, um dort vor dem Hauptsitz zu demonstrieren. Zudem will sie auch weitere Steil-Mitarbeiter aus den anderen Standorten gewinnen. Der bisherige Technische Leiter in Eschweiler, Manoli Nikolaidis, setzt auf die Solidarität der Kollegen: „Was heute mit uns passiert, kann bald schon andere treffen.“ Zudem werden sich einige Politiker dem Protest anschließen. Auch die IG Metall in Trier will sich beteiligen.

Elf Standorte, 700 Mitarbeiter

Auf der Internetseite der Steil-Unternehmensgruppe ist zu lesen: „Wir sammeln all das, was zum Entsorgen zu schade ist – wir haben besseres damit vor.“ Sie unterhält nach eigenen Angaben Niederlassungen an elf Standorten in Deutschland mit insgesamt etwa 700 Mitarbeitern – unter anderem auch in Köln. Eschweiler Mitarbeitern habe man allerdings eine Stelle im mehr als 200 Kilometer entfernten Trier angeboten, sagt Nikolaidis. Als er schriftlich um eine konkrete Stellenbeschreibung gebeten und nach Fahrtkostenerstattung gefragt habe, sei nichts mehr passiert.

Radmacher nennt den Vorschlag ohnehin ein „Scheinangebot“, das unannehmbar sei. „Ich kenne die Löhne der Mitarbeiter, da würde das meiste Geld für Sprit ausgegeben werden“, sagt er. Die wahre Haltung der Steil-Führung sei für ihn bei den ersten Güteterminen mit den Eschweiler Mitarbeitern deutlich geworden: „Man denkt nicht daran, Fahrtkosten zu erstatten oder gar Abfindungen zu zahlen.“ Die Verfahren werden also vor dem Arbeitsgericht weitergehen.

Den Wiederverwertungshof in Eschweiler-Aue hat die Steil-Gruppe von der Firma Hoffmann im Jahr 1997 übernommen. Dort wurden von den 34 Mitarbeitern Fahrzeuge zerlegt und geschreddert. Eine Sortiermaschine trennte die Wertstoffe. Das Material wurde anschließend zu Industrieunternehmen gebracht. In Aue waren Elektriker, Industriemechaniker, aber auch angelernte Angestellte tätig. Sie haben auf dem Arbeitsmarkt erfahrungsgemäß schlechte Karten bei der Jobsuche.

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