Aachen - Statt Dienstwagen aufs Fahrrad schwingen

Statt Dienstwagen aufs Fahrrad schwingen

Von: Berthold Strauch
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Ist sein eigener Chauffeur: Baesweilers Bürgermeister Willi Linkens. Seinen Dienstwagen nutzen auch andere Mitarbeiter. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die „Dienstwagen-Affäre” der aus Aachen stammenden Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), deren Dienstlimousine im Spanien-Urlaub gestohlen wurde, sorgt auch in der Region für Diskussion. Doch die Rathäuser und Kreisverwaltungen liefern nicht unbedingt Stoff für solch handfeste Aufregungen.

Kurz entschlossen sorgte Baesweilers Verwaltungschef Willi Linkens (CDU) bereits 1985 für klare Verhältnisse, als er sein Amt als Stadtdirektor angetreten hatte: Der Job des Cheffahrers wurde abgeschafft - seitdem fährt der Chef selbst. Im Moment steht dem jetzigen Bürgermeister ein Mercedes der E-Klasse zur Verfügung.

Büro im Auto

Oft verlagert Linkens sein Büro hinters Steuer: „Ich fahre mit Freisprechanlage, kann unterwegs telefonieren.” Doch ab und an spannt er Ehefrau Maria ein - etwa wenn es dienstlich zur Dorfkirmes geht und nach ein, zwei Bierchen die Heimfahrt kein Problem werden soll: dann natürlich im privaten Auto! Linkens steht der Dienstwagen nicht exklusiv zur Verfügung. Genauso nutzen ihn Mitarbeiter vom Ordnungs- und vom Hauptamt. Regelmäßig transportiert auch der Hausmeister Akten ins Aachener Kreishaus.

Selbst ist der Mann, sagt ebenso Alsdorfs Bürgermeister Helmut Klein (parteilos). Nur am Wochenende rückt er ab und an von seiner Regel ab - und auf den Beifahrersitz, so letzten Samstag, als er in offizieller Mission das Schützen- und Volksfest im Stadtteil Warden besuchte. „Man will ja nicht den ganzen Abend auf Wasser sitzen”, genehmigt er sich dann ein Bier.

Auch in Alsdorf gilt die Regel: kein Dienstwagen des Bürgermeisters, sondern der gesamten Verwaltung - wenn er frei ist. Private Nutzung, geschweige eine Fahrt in den Urlaub, schließt Klein für sich kategorisch aus. Zwar dürfte er mit dem „preisgünstigsten E-Klasse-Modell” - wie andernorts ein Leasingfahrzeug - sehr wohl nebst Gattin zum Einkaufen fahren, „aber die steuer- und dienstrechtlichen Regelungen sind mir einfach zu kompliziert”, sagt er.

Wenn´s möglich ist, schwingt sich Dürens Bürgermeister Paul Larue aufs Fahrrad, um dienstliche Verpflichtungen zu erfüllen. Auch die Rurtalbahn nutzt der CDU-Politiker gern. Sonst greift er im Dienst auf den städtischen Mercedes samt Fahrer zurück. Diesen Job macht Arno Drehsen seit fast 20 Jahren. Larue nutzt dann die Zeit, „um zu telefonieren oder mich auf die Veranstaltungen vorzubereiten”. Er stecke in einem „engen Terminkorsett”. Fahrten zu Parteiveranstaltungen seien allerdings tabu. Larue führt ein Fahrtenbuch, das vom städtischen Rechnungsprüfungsamt streng überwacht werde. Ein Zubehör versüßt Fahrer Drehsen die Wartezeit: „Im Winter kann ich eine Standheizung einschalten.”

Wolfgang Spelthahn (CDU), Landrat des Kreises Düren, eigentlich ein „leidenschaftlicher Fahrer”, steht ein BMW der Fünferreihe plus Chauffeur zur Verfügung. Dieses „große Privileg” sorge für eine „hervorragende Arbeitserleichterung”, schwärmt er. Auch Spelthahn versichert, dass kein einziger Kilometer im Dienstwagen privat oder für die Partei gefahren werde.

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