Starker Mann von Roermond unter Korruptionsverdacht

Von: Heiner Hautermans
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Roermond. In einem aufsehenerregenden Korruptionsprozess in den Niederlanden steht derzeit der einflussreiche Politiker Jos van Rey aus Roermond vor einem Rotterdamer Gericht.

Ihm wird vorgeworfen, von einem befreundeten Projektentwickler Schmiergelder angenommen zu haben. Bei beiden hat die Staatsanwaltschaft jetzt zwei Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Außerdem soll van Rey drei Jahre lang keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden dürfen.

Dem 71-Jährigen wird ferner Geldwäsche in Höhe von 175.000 Euro und der Verrat von Amtsgeheimnissen vorgeworfen, außerdem soll er Wählerstimmen manipuliert haben. Gegen einen weiteren Angeklagten, einen ehemaligen Beigeordneten in Roermond, der dem Firmengeflecht um den Projektentwickler ebenfalls unrechtmäßig große öffentliche Aufträge zugeschanzt haben soll, ist eine Strafforderung von 180 Sozialstunden erhoben worden.

Van Rey war über viele Jahre der starke Mann in Roermond, ohne den in der Bauwelt nichts lief. Er saß für die rechtsliberale VVD auch in der ersten und zweiten Kammer des Parlaments, war Beigeordneter in Roermond und gründete eine eigene Beratungsfirma. Ein weiteres PR-Unternehmen unterhielten seine Kinder, allerdings sind die Ankläger überzeugt, dass der 71-Jährige darin die Fäden zog.

Über dieses Unternehmen sollen Spenden an van Rey geflossen sein, der dafür keine Steuern zahlte – allein knapp 100.000 Euro von dem Immobilienmagnaten Piet van Pol, aber auch von einem Bau- und einem Sicherheitsunternehmen.

Außerdem unternahmen die beiden Freunde teure Reisen an die französische Mittelmeerküste oder zu Spielen der Fußball-EM, der Baulöwe bezahlte teure Ausflüge und Hotelübernachtungen etwa beim Besuch von Immobilienbörsen. Im Gegenzug soll er vertrauliche Informationen erhalten haben und bei Aufträgen im Wert von einigen hundert Millionen Euro bevorzugt worden sein.

Bis zu 7,4 Millionen Euro soll durch dieses Vorgehen allein die Stadt Roermond zu viel für den Bau von zwei Gebäuden gezahlt haben, schätzt die Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre für die Vorbereitung der umfangreichen Anklageschrift benötigt hatte. Das Haus von Jos van Rey war im Oktober 2012 in einer aufsehenerregenden Aktion durchsucht worden, auch war sein Telefon abgehört worden. Staatsanwältin Bettina Schnier bezeichnete dieses Verhalten für einen erfahrenen Politiker als empörend und unwürdig. Er wolle selbst bestimmen, welche Gesetze für ihn gelten sollten.

Van Rey bestreitet jedoch alle Vorwürfe, auch das Überlassen von vertraulichen Informationen bei der Bürgermeisterwahl in Roermond an Parteifreunde aus der VVD sei eigentlich ein normaler Vorgang. Das dem nicht so ist, hatte an einem früheren Verhandlungstag ein leibhaftiger Minister ausgesagt, Innenminister Ronald Plasterk.

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