Köln - Stammzellenforscher Hescheler kritisiert Meisner

Stammzellenforscher Hescheler kritisiert Meisner

Von: ddp-nrw
Letzte Aktualisierung:
Joachim Kardinal Meisner
Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat mit einem weiteren NS-Vergleich abermals Kritik auf sich gezogen.

Köln. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner muss sich nach seinem umstrittenen NS-Vergleich heftige Kritik der Wissenschaft gefallen lassen. Meisner hatte in seiner Predigt an Allerheiligen dem britischen Genetiker Richard Dawkins ein der Nazi-Ideologie vergleichbares Weltbild vorgeworfen.

Der Stammzellforscher Jürgen Hescheler wies dies am Montag zurück und sagte: „Wir versuchen alle, dass Wissenschaft und Kirche wieder näher zusammenkommen. Die Aussagen von Kardinal Joachim Meisner vertiefen die Gräben nun wieder.” In seiner Predigt hatte Meisner gesagt: „Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als Verpackung der allein wichtigen Gene, deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei.”

Ein Sprecher des Erzbistums Köln bestätigte, dass Meisner den Satz so gesagt hat. Die Bischofskonferenz in Bonn wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Äußerungen einzelner Bischöfe kommentiere die Bischofskonferenz grundsätzlich nicht, sagte ein Sprecher. Hescheler kritisierte: „Es darf nicht sein, dass solch ein tiefer Graben zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Theologie bestehen bleibt.” Die Erkenntnisse aus der modernen Molekularbiologie und Genetik müssten mit dem modernen Menschenbild, aber auch mit dem der Kirche in Einklang gebracht werden.

Wenn Wissenschaft und Kirche zusammenkommen wollten, müsse das von beiden Seiten ausgehen. Der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, bezeichnete Meisners Predigt als „Propaganda der übleren Sorte”. Er warf Meisner vor, die Positionen religionskritischer Wissenschaftler völlig entstellt zu haben. Als „demagogisch” wertete Schmidt-Salomon den Nazi-Vergleich, den Meisner bemühe, um konfessionsfreie Menschen zu diskreditieren.

Schließlich sei der Nationalsozialismus keineswegs atheistisch gewesen. Wenn man unbedingt einen Vergleich mit dem Nationalsozialismus ziehen wolle, müsse man festhalten, „dass es weit größere Parallelen zwischen Meisners Glauben und der Naziideologie gebe als zwischen religionskritischen Wissenschaftlern und dem Nationalsozialismus”, sagte Schmidt-Salomon. Die Giordano Bruno Stiftung versteht sich als „Stiftung zur Förderung des evolutionären Humanismus” und als „eine Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung”. Ihr gehören zahlreiche bekannte Wissenschaftler, Philosophen und Künstler an.

Der britische Evolutionstheoretiker Richard Dawkins gilt als einer der profiliertesten Religionskritiker. Der Bestsellerautor wurde in der Vergangenheit mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Meisner hat in der Vergangenheit mit Nazi-Vergleichen mehrfach Empörung ausgelöst. So zog er Parallelen zwischen Abtreibungen und dem Holocaust. Religionsferne Kultur nannte er „entartet”.
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