Städte in der Region auf Alte nicht vorbereitet

Von: Annika Kasties
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Ansätze für eine „generationengerechte Stadt“ suchte die Konrad-Adenauer-Stiftung auf ihrem Kommunalkongress in Aachen.

Aachen. Es ist nicht nur der fehlende Aufzug auf dem Bahnsteig und die hohe Bordsteinkante. Hürden finden sich in der Gesellschaft an vielen Ecken. Manche sichtbar, manche weniger augenscheinlich. Die häufig beschworene Barrierefreiheit stellt die Städte vor Herausforderungen, die über bauliche Vorschriften hinausgehen.

Wie können Flüchtlinge in die Gesellschaft integriert werden? Wie gestaltet sich das Zusammenleben in einer alternden Gemeinschaft?

Ansätze für eine „generationengerechte Stadt“ suchte die Konrad-Adenauer-Stiftung auf ihrem Kommunalkongress in Aachen. Der übereinstimmende Tenor: Barrierefreiheit im ganzheitlichen Sinne betrifft alle. Eine tragende Rolle spielen dabei die Städte. „Der Zusammenhalt einer Gesellschaft passiert vor Ort oder gar nicht“, stellte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fest. Ob Flüchtlinge, Alte und Menschen mit Behinderung das Gefühl haben, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, das zeige sich im Alltag, bei der Arbeit, in der Nachbarschaft.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, fand beim Kommunalkongress deutliche Worte: Auf die Herausforderung einer alternden Gesellschaft sei Deutschland noch nicht vorbereitet. Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2030 auf rund 3,4 Millionen Menschen steigen. Zum Vergleich: 2013 waren es rund 2,6 Millionen.

Landsberg forderte deshalb eine Umstrukturierung der Städte und Gemeinden. Während in vergangenen Jahren das Auto der Maßstab aller Dinge gewesen sei, müsse nun eine „Demografieverträglichkeitsprüfung“ her. Nur so werde gewährleistet, dass die Menschen „möglichst lange selbstbestimmt leben“. Dabei sei das bürgerliche Engagement zentral. Landsberg: „Wir brauchen ein Umdenken von der Vaterstadt zur Bürgerstadt.“

Ähnlich sieht das auch der Gesundheitsminister. Er plädierte dafür, Mehrgenerationenhäuser zu stärken. Gleichzeitig kritisierte er die deutsche Tendenz, sich auf Probleme zu fixieren, statt Chancen zu sehen: „Wir singen das Lied der demografischen Entwicklung vor allem in Moll.“

Dass die Lebenserwartung steige, sei prinzipiell positiv. Zugleich leugne er nicht, dass die steigende Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen die Kommunen vor große Herausforderungen stelle. Gröhe kündigte deshalb ein weiteres Gesetz zur Stärkung der Pflege an. Die Vorarbeiten für ein „Kommunales Pflegestärkungsprojekt“ liefen. „Das Ziel ist eine bestmögliche Verzahnung der Pflegedienstleistung und der kommunalen Angebote vor Ort“, sagte der Gesundheitsminister.

Dass die Umsetzung einer „generationengerechten Stadt“ einer Herkulesaufgabe gleicht, weiß auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU): „Der Transfer von der Welt des Sollens in die Welt des Seins muss hart erarbeitet werden.“ Niemand könne bislang von sich behaupten, diese Aufgabe bereits umgesetzt zu haben – auch Aachen nicht. „Der Generationenaspekt spielt bei jedem Bauobjekt und bei jeder politischen Entscheidung mit. Wichtig ist in erster Linie, dass das Bewusstsein für das Thema wächst.“

Ganz konkret stehe in Aachen die Sanierung des Neuen Kurhauses an. Ein denkmalgeschütztes Gebäude, zu dessen Entstehungszeit niemand über das Thema Barrierefreiheit nachgedacht habe. „Das werden wir jetzt intensiv tun“, sagte Philipp stellvertretend für viele andere Kommunen, die sich der Herausforderung der „generationengerechten Stadt“ stellen müssen.

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