Stadthallen-Gelände: Der lange Weg zum neuen Hotel

Von: Thorsten Pracht
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Endlich Bewegung an der Bismarckstraße: So soll das neue Vier-Sterne-Hotel in Düren aussehen. Am Freitag steht der Spatenstich auf dem Gelände der ehemaligen Stadthalle an. Foto: Animation: F & S Concept
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Nicht nur der Schriftzug zeigte über Jahre, dass die alte Dürener Stadthalle ihre beste Zeit hinter sich hatte. Foto: Jörg Abels

Düren. Der Showdown steigt bei einem Euskirchener Notar. Männer sitzen in einem Besprechungsraum und feilschen um Grund und Boden. „Es wurde hart verhandelt“, erinnert sich Wolfgang Spelthahn. Der Landrat des Kreises Düren ist einer der Männer, die Ende 2014 bis in die Nacht am Tisch saßen.

„Es war das Finale“, sagt Spelthahn, an dem Abend sei „das Dickicht durchschlagen worden“. Mit „Dickicht“ meint Spelthahn die Besitzverhältnisse an der Dürener Stadthalle und dem sie umgebenden Grund, gelegen zwischen Innenstadt und Bahnhof. Gleichzeitig war die Zusammenkunft die Geburtsstunde des Dürener Vier-Sterne-Hotels auf jenem Gelände der ehemaligen, inzwischen abgerissenen Stadthalle. Am Freitag erfolgt der Spatenstich für das 120-Betten-Haus im neuen „Bismarck-Quartier“.

Diskothek, Schulzentrum, Job-Center: An Ideen für die Nutzung der einstigen Stadthalle mangelte es in den vergangenen Jahrzehnten nicht . Allerdings schreckte nicht nur eine marode, unter Denkmalschutz stehende Halle Investoren ab. Die Stadt Düren trug seit 2003 mit Fehlentscheidungen dazu bei, dass die Stadthalle zu einem Symbol des Stillstands in der Kreisstadt wurde.

Spätestens als sich das Rücktrittsrecht der Stadt von einem über 50 Jahre laufenden Erbbaurechtsvertrag mit einem potenziellen Investor als nicht gesetzeskonform erwies, rückte eine neue Nutzung in weite Ferne. Der Stadt als Grundstückseigentümerin drohte ein jahrelanger Rechtsstreit, um wieder über ihren eigenen Boden zu verfügen. „Völlig verfahren“ nennt Spelthahn die Ausgangslage und spricht von „diversen Rechteinhabern“: „Eigentümer kann man gar nicht sagen.“

Beim Thema Stadthalle spult Bernd Hahne aus dem Stehgreif die Chronologie der letzten Jahrzehnte ab. Der Vorsitzende der Dürener Geschichtswerkstatt und des Vereins „Stadtmuseum“ hat selbst mit einigen Mitstreitern nach Lösungen für die 1955 nach Plänen des Aachener Architekten Hans Mehrtens errichtete „gute Stube der Stadt“ gesucht. Allerdings fand die Gruppe „Stadthalle für alle“ vor rund zehn Jahren einfach kein Gehör mit ihren Vorschlägen. Nicht umsonst habe der Bau unter Denkmalschutz gestanden, schwärmt Hahne.

Und das architektonische Schmuckkästchen wurde von den Dürenern mit Leben gefüllt – vom Tanzkurs bis zur Karnevalssitzung, von der Billard-WM bis zum BAP-Konzert. Bis die Halle nach dem Bau des „Hauses der Stadt“, das 1991 eröffnet wurde, nicht mehr zeitgemäß war. Danach habe es „genug Ansätze“ gegeben, die Stadthalle zu retten, sagt Hahne. „Aber nicht alle haben alles versucht“, sagt er und meint die Stadt und Teile der Politik.

Die übergaben dem Dürener Hermann Josef Schneider das Erbbaurecht, um ein Hotel zu bauen – unter Erhalt der Stadthalle. Schnell kamen Zweifel an der Seriosität des Investors auf. „Da hätten alle Alarmglocken angehen müssen. Das war ein Abenteuer und wahrlich kein Ruhmesblatt“, kritisiert Hahne rückblickend. Durch die schlecht formulierte Klausel mit dem Rücktrittsrecht, falls Schneider nicht baut, verlor die Stadt den Zugriff auf eines der attraktivsten Grundstücke der Stadt. Im Jahr 2013 erwarb die Ten-Brinke-Gruppe von Schneiders Gesellschaft das Erbbaurecht und die Immobilie. An der Situation – die Stadthalle war mittlerweile zur Ruine verkommen – änderte sich trotzdem nichts.

Dass nun am Freitag tatsächlich mit dem Bau eines Hotels begonnen wird, dafür hat Spelthahn gesorgt. Jahrelang hat er aus seinem Büro im Kreishaus auf die Stadthallen-Ruine geblickt und ist dadurch „beinahe depressiv“ geworden. „Wenn ein solches Premium-Grundstück, egal in welcher Stadt der Welt, brach liegt und verfällt, dann ist das immer ein schlechtes Zeichen“, sagt der CDU-Politiker. Mit dem Showdown beim Notar (Spelthahn: „Alle haben sich bewegt“) wurde das Grundstück endlich von allen Lasten befreit.

Das war die Voraussetzung für den Einstieg des neuen Investors. Mit Georg Schmiedel und seinem Unternehmen „F & S Concept“ aus Euskirchen hat der Kreis Düren bereits beim Solarpark in Inden zusammengearbeitet. Schmiedel baut das Hotel und hat es für 20 Jahre an die Neue Dorint GmbH vermietet. Zusätzlich baut F & S Penthousewohnungen sowie Büros und Praxen. Der Kreis Düren errichtet mit seiner Tochter, der Gesellschaft für Infrastrukturvermögen (GIS) ein multifunktionales Konferenzzentrum.

Konferenzen, Meetings und Seminare des Kreises finden also zukünftig gegenüber im Dorint-Hotel statt. Außerdem vermarktet das Hotelmanagement im Auftrag des Kreises die vielseitig nutzbaren Räume. Das Geschäftsmodell hat der Kreistag einstimmig verabschiedet. Beteiligt sind viele hiesige Unternehmen, die Finanzierung hat die Sparkasse Düren übernommen. Die Luftschlösser der Vergangenheit sind greifbaren Ergebnissen gewichen. Im September 2018 soll das Hotel seinen Betrieb aufnehmen.

Spelthahn spricht von einem „Aufbruchprojekt“, das eine Lücke zwischen Köln und Aachen im Segment der Business-Hotels schließt. Zudem sei die Nachfrage nach Wohnungen und Büroflächen riesig. Knapp 40 Millionen Euro stecken Investor Schmiedel und GIS in das neue Quartier. Die Neue Dorint GmbH schreibt in der Einladung zum Spatenstich bereits von der „Europaregion Düren“. Es könnte sein, dass am Freitag nicht genügend Spaten für alle da sind, die mit aufs Foto wollen, scherzt Spelthahn. Die Lorbeeren, das Problem gelöst zu haben, will der Landrat allerdings nicht allein ernten. „Viele haben ihren Beitrag dazu geleistet“, sagt er.

Der Ur-Dürener Bernd Hahne nennt den Verlust der Stadthalle immer noch „eine offene Wunde“. Für das Stadtmuseum hat sich Hahne immerhin den alten Schriftzug der Stadthalle gesichert, der mit seinem herunterhängenden „A“ lange ein Symbol des Verfalls des ehemaligen Denkmals war. Der Abriss war nach Jahren des Verrottens nicht mehr zu verhindern, das Aufheben des Denkmalschutzes nurmehr ein formaler Akt. Bei aller Wehmut findet Hahne positive Worte für das neue Bismarck-Quartier: „Wir sind uns alle einig, dass Düren so etwas brauchen kann.“

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