Duisburg/Köln - Stadt Duisburg führt ein Alkoholverbot ein

Stadt Duisburg führt ein Alkoholverbot ein

Von: Madeleine Gullert
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Trinker und Obdachlose gehören zum Bild jeder Innenstadt: In Duisburg will man mit dem Alkoholverbot im Zentrum das „Einkaufserlebnis“ attraktiver machen. Foto: Imago/Henning Scheffen

Duisburg/Köln. In beinahe jeder größeren Stadt gibt es auch eine Trinkerszene, die mitunter durch Pöbeleien auffällt. Nach Herne setzt jetzt auch Duisburg als zweite Stadt in Nordrhein-Westfalen im Kampf gegen die Trinker- und Drogenszene auf Verbotszonen – doch Kritiker bemängeln, dass damit nur eine unliebsame Klientel aus dem Blickfeld verschwinden solle.

Ab kommender Woche gilt in der Duisburger Innenstadt ein Alkoholverbot. Das beschloss der Stadtrat am Montagnachmittag. Das Verbot soll zunächst sechs Monate lang gelten – auf öffentlichen Plätzen und in Einkaufsstraßen im Zentrum. Eine entsprechende Beschlussvorlage hatte die CDU eingebracht, die SPD als Mehrheitsfraktion hatte das Vorhaben aber unterstützt. Eine „Steigerung der Attraktivität und des Einkaufserlebnisses“ sei das Ziel, wie es in der Vorlage hieß. Und: Das subjektive Sicherheitsgefühl von Kunden, Besuchern und Einzelhändlern „erheblich negativ beeinträchtigt“.

Auf die Trinker zugehen

„In der Vergangenheit haben sich etliche Geschäftsleute über die Zustände beschwert“, sagte Peter Hilbrands, Sprecher der Stadt Duisburg, unserer Zeitung. Es gehe dabei um Ruhestörungen, Sachbeschädigungen, aber auch um öffentliches Urinieren. Die Verwaltung habe den Vorschlag der Politik geprüft und nun werde man es versuchen. Flankierend dazu gebe es Maßnahmen, um die mitunter Alkoholkranken und drogenabhängigen Menschen zu unterstützen, erklärt Hilbrands. „Diese Menschen sind uns nicht egal. Sie sind Teil der Gesellschaft, um die wir uns kümmern wollen.“

Wenn das Verbot ab dem 16.Mai greift, werde den Trinkern beim ersten Verstoß auch nicht direkt das Bier abgenommen, erklärte Hilbrands weiter. Vielmehr wolle man mit den Betroffenen sprechen. Erst wenn das nicht mehr helfe, werde das Ordnungsamt Platzverweise aussprechen und den Menschen den Alkohol auch abnehmen. „

In Herne, wo es seit beinahe einem Jahr ein entsprechendes Verbot gilt, sieht die Stadt Erfolge. Seit das Alkoholverbot in Fußgängerzonen, auf öffentlichen Plätzen und in Parks angewendet werde, sei die Trinkerszene nicht mehr aufgefallen, so ein erstes Fazit des Ordnungsamts.

Das Diakoniewerk Duisburg hatte sich kritisch über das geplante Alkoholverbot geäußert. Geschäftsführer Sieghard Schilling sprach von „Vertreibungspolitik“ und einer „diskriminierenden Maßnahme“, die sich „gegen eine verschwindend kleine Gruppe von Menschen richtet, die suchterkrankt sind und die heile Welt einiger Politiker stören“.

Verdrängen hilft nicht, glaubt man in Köln. Die Stadt geht deshalb einen anderen Weg. „Wir hatten am Rheinboulevard in Deutz ähnliche Probleme“, sagte Inge Schürmann, Sprecherin der Stadt Köln. Anstatt aber ein generelles Alkoholverbot auszusprechen, konzentriere man sich auf die wenigen Störenfriede. „Wer in Ruhe drei Kölsch trinkt, darf das gern an öffentlichen Orten machen. Aber sobald er pöbelt und andere stört, greifen wir ein“, sagte sie. Ein generelles Verbot bringe niemanden weiter. dann suche sich die Klientel lediglich einen neuen Ort, an dem sie legal trinken könne.

Köln sei eine offene, liberale Stadt, betonte Schürmann. Im Dezember hatte es deshalb auch schnell Diskussionen gegeben, als das Wort Alkoholverbot die Runde gemacht hatte. Viele sahen schon das Ende des Wegbiers, das Ende des Kölschs, das man auf dem Weg vom Büdchen zur Party trinkt. Ja, erklärte Schürmann, es gebe in der Stadtordnung ein Alkoholverbot. Das beziehe sich allerdings lediglich auf den Bereich um Schulen und Kindergärten. Drogenabhängige und Dealer würden genau dort Akquise betreiben, worüber sich Eltern und Lehrer regelmäßig beschwerten. Um eine Handhabe dagegen zu haben, sei der entsprechende Passus in der Stadtordnung aufgenommen worden.

„Es ist ein Testlauf“

Weil zunächst von einem 100-Meter-Radius um Schulen die Rede war und es in einer Millionenstadt wie Köln ziemlich viele Schulen gibt, hätte das einen Großteil der Innenstadt abgedeckt. „Wir haben nichts gegen das Wegbier. Darum geht es gar nicht“, sagte Schürmann. Nun werde in der Stadtordnung präzisiert, dass es sich um den Eingangsbereich von Kindergärten und Schulen handele.

In Duisburg muss sich noch zeigen, ob das Konzept der Stadt Erfolg hat. Es ist ein Testlauf“, sagte Stadtsprecher Hilbrands ganz offen. „Wir werden in den kommenden Wochen evaluieren, ob diese Maßnahme etwas bringt.“

Dass solche Verdrängungsmaßnahmen manchmal eine ganz andere Wirkung erzielen, zeigte sich Anfang des Jahres in Hamburg gezeigt. Dort war ein Mäuerchen am Bahnhof mit einem Metallgitter ummantelt worden. Auch mit dem Ziel, Obdachlose zu vertreiben. Im Sozialen Netzwerk Facebook rief eine Gruppe deshalb dazu auf, aus dem Zaun einen Gabenzaun für Obdachlose zu machen. Das funktioniert bis heute. Bürger hängen dort Plastiktüten mit Anziehsachen, Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für Bedürftige dort auf.

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