Staatsanwalt sieht brutale Tat aus Mordlust und Habgier

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Simmerath. Aus reiner Mordlust und aus Habgier, das hat am Mittwoch Staatsanwalt Oliver d‘Avis in der Anklageverlesung erklärt, habe der mutmaßliche Täter Stephan B. (26) am 10. Februar dieses Jahres in Simmerath sein Opfer getötet.

Dem 26-Jährigen wird seit Mittwoch vor dem ­Aachener Schwurgericht eine unglaublich brutale Tat an der 62-jährigen Frau des Ortsvorstehers von Simmerath-Kesternich vorgeworfen, die im Haus der Tochter auf ihre zwei Enkelkinder aufpasste.

Bloße Freundlichkeit sei es gewesen, so wie es in der Eifel eben üblich sei, beschrieb d‘Avis den Ausgangspunkt der Tat, die die Frau dazu veranlasste, dem stämmigen jungen Mann gegen 19 Uhr die Tür aufzumachen. Als dieser darum bat, auf die Toilette gehen zu dürfen, ließ sie ihn herein und erfüllte ebenfalls seinen Wunsch nach einer Tasse Tee.

In dem Moment habe der psychisch gestörte und an einer Psychose erkrankte Angeklagte den Entschluss gefasst herauszufinden, „wie es ist, einen Menschen zu töten“, versuchte der Staatsanwalt eines der möglichen Mordmotive zu beschreiben. In dem auf fünf Verhandlungstage angesetzten Prozess (Vorsitz Richter Arno Bormann) wird es auch darum gehen, ob und inwieweit der in Brasilien geborene Deutsche überhaupt schuldfähig ist. Momentan ist er in der Essener Psychiatrie untergebracht.

Der brutale Tathergang stellt sich der Staatsanwaltschaft wie folgt dar: Als der mutmaßliche Täter von der Toilette kam, habe er einen Laptop gesehen, den er haben wollte. Er habe der ahnungslosen Frau mit einer sogenannten Fingerhantel – das sind starke Federklammern zum Trainieren der Handmuskulatur – „mit großer Wucht“ auf den Kopf geschlagen. Sie habe sich trotzdem noch ins Wohnzimmer retten können, wo sie auf dem Sofa zusammenbrach, heißt es in der Anklageschrift.

Weiter eingeschlagen

Auch dort habe er weiter auf ihren Kopf eingeschlagen, bis sie sich nicht mehr rührte. Als er dann von ihr abließ und später doch noch Leben im Körper vermutete, habe er zusätzlich auf sie eingetreten. Das Opfer starb wenig später an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas, den Laptop im Wert von rund 630 Euro nahm der Täter mit.

Angeklagt ist ein Mord in Tateinheit mit Raubmord. Der Angeklagte lebte zur Tatzeit in einem Wohnheim in Simmerath-Strauch. Tragisch in diesem Fall auch: Der 26-Jährige wurde aufgrund von DNA-Spuren erst am 21. Februar festgenommen. Zuvor verdächtigte die Polizei das 32-jährige Patenkind des Opfers, das festgenommen worden war.

Nach dem Verlesen der Anklage und dem Feststellen der Personalien kündigte Verteidiger Fritz Kampmann (Aachen) für den kommenden Verhandlungstag (24. Juni, 9 Uhr) eine Erklärung seines Mandanten zur Person und zu den Vorwürfen an: „Ich habe festgestellt“, erklärte er, „dass eine eigenständige Einlassung meines Mandanten nicht möglich sein wird.“ Der 26-Jährige saß in einem dunklen Sweatshirt auf der Bank und hatte leise und zaghaft auf die Fragen nach seinen persönlichen Daten geantwortet.

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