Staatsanwalt empört über Bistumsleitung

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Aachener Staatsanwaltschaft schaltet sich in die Ermittlungen der Kindesmissbrauchs-Sonderkommission des Bistums unter Leitung des Krefelder Oberstudiendirektors Hans-Willi Winden ein. Das Gremium untersucht seit Monaten unter absoluter Geheimhaltung zwei Verdachtsfälle gegen Priester der Diözese, ohne die Strafverfolgungsbehörden zurate zu ziehen.

Oberstaatsanwalt Robert Deller kritisierte am Dienstag vehement, dass die Bistumsleitung Verdachtsmomente bei Kindesmissbrauch durch Geistliche auf eigene Faust zu klären versuche, indem man Beschuldigte und Opfer befrage. „Es kann doch nicht angehen, dass sich potenzielle Opfer Personen anvertrauen sollen, die quasi dem Lager möglicher Täter angehören”, sagte Deller. „Hier sind Gespräche mit dem Bistum und Herrn Winden überfällig. Ich hätte erwartet, dass man uns in solchen Fällen informiert.”

Staatsanwaltschaft und Polizei verfügen über Spezialisten, die Missbrauchssachverhalte professionell und sensibel ermitteln. „Diese Fachleute verfügen auch über die notwendige Erfahrung bei Befragungen und Vernehmungen.” Deller empfiehlt Opfern, Zeugen und Tätern, die Selbstanzeige erstatten wollen, sich direkt an die Anklagebehörde, das Kommissariat 12 der Aachener Polizei (0241/957731201) oder an Hilfsorganisationen wie die Psycho-Soziale Beratungsstelle „Basta” in Düren (0151/52571690) zu wenden.

Seit Wochen machen Missbrauchsverfahren in der katholischen Kirche bundesweit Schlagzeilen. Aus dem Bistum Aachen wartet Pfarrer K. in Südafrika auf seinen Prozess. Auch einem Lehrer, der in Mönchengladbach an einer Bischöflichen Schule unterrichtet hatte, wirft die Staatsanwaltschaft Kindesmissbrauch vor. Dazu kommen die zwei weiteren Verdachtsfälle gegen katholische Priester, deren Umstände der Bistumsbeauftragte verschweigt.

Oberstaatsanwalt Deller will sich nun umgehend mit der Aachener Diözese in Verbindung setzen - auch um von Amts wegen zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche derzeit im Zusammenhang mit den neuen Fällen einer akuten Gefahr durch mutmaßlich pädophile Priester ausgesetzt sind.
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