Kohlscheid - Springreiten: Peter Winberg steht vor ersten „Bewährungsprobe“

Springreiten: Peter Winberg steht vor ersten „Bewährungsprobe“

Von: Helga Raue
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Der neue Chef geht voraus: Peter Weinberg schreitet am Sonntag beim Großen Preis von Antwerpen den Parcours ab, Pieter Devos (links), der in Lummen zum Team gehört, schaut aufmerksam zu. Foto: Dirk Caremans
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Fast auf den Tag 20 Jahre her: Peter Weinberg auf Polarkönig beim Turnier in Wiesbaden. Foto: imago/Alfred Harder

Kohlscheid. Dass er einmal Bundestrainer werden würde, ist nicht so ungewöhnlich. Immerhin hatte er seinerzeit schon Herbert Meyer assistiert, der ihn gerne in seinen Fußstapfen gesehen hätte. Schließlich gehörte Peter Weinberg 25 Jahre ununterbrochen dem deutschen A- oder B-Kader an und ritt 35 Nationenpreise für Deutschland.

Doch wenn am Freitag im belgischen Lummen der erste Nationenpreis der Saison geritten wird, hofft der frühere Springreiter auf einen Erfolg der Gastgeber: Seit Mitte Januar ist Peter Weinberg Bundestrainer der belgischen Springreiter, und als solcher will er seinem deutschen Amtskollegen Otto Becker das Leben schwer machen.

Für viele kam die Personalie überraschend, zumal zuletzt „große Namen“ mit im Topf waren. Dirk Demeersman, mit dem die belgische Equipe unter anderem 2015 das Nationenpreisfinale in Barcelona gewonnen hatte, wollte seinen Vertrag nach zwei Jahren nicht verlängern, um sich wieder mehr seiner eigenen Reiterei zu widmen.

Das hatte sich in der Szene schnell herumgesprochen, und so erreichten den belgischen Verband diverse Bewerbungen, darunter von Hans Hoorn, ehemaliger niederländischer bzw. schwedischer Bundestrainer, sowie Jean Marie Bonneau, der seine französischen Landsleute sowie die Brasilianer betreut hatte.

„Ganz ehrlich: Ich habe gedacht, es wird einer von diesen beiden, da sie schon viel Erfahrung in einem solchen Amt haben“, gibt Peter Weinberg, der für vier Jahre bis nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio unterschrieben hat, zu. Und war um so überraschter als Sportdirektorin Wendy Laeremans ihn anrief und sagte: „Wir haben uns für Dich entschieden.“

Beworben hatte der 64-Jährige sich um den Posten übrigens nicht. Irgendwann hatte Eugène Mathy, Vize-Präsident der belgischen Reitsport-Federation, angerufen: „Er fragte, ob ich mir das vorstellen könnte“, blickt Weinberg zurück. Er konnte, musste aber Rücksprache mit seinem Sohn Thomas halten. „Schließlich haben wir auch zu Hause in Kohlscheid einen eigenen Laden, der laufen muss, das ist das Wichtigste. Zudem wollte ich zuerst mit den belgischen Reitern reden, um zu hören, ob diese Wahl auch ihr Wunsch ist.“ Auch mit seinem Amtsvorgänger Demeersman, der Anfang 2015 dem Deutschen Kurt Gravemeier nachgefolgt war, suchte er vorher das Gespräch, „schließlich kenne und schätze ich Dirk seit Jahren“.

Auch der schätzt seinen Nachfolger: „Ich denke, Peter wird das gut machen. Er hat eine offene Art, die ankommt, und viel Erfahrung“, sagt Demeersman, der bei Weinberg selbst schon wieder mit auf der Rechnung steht: „Dirk steht kurz vor einem Teameinsatz, er hat wieder gute junge Pferde.“

Zwei Mal traf Weinberg sich mit den Aktiven, stellte seine Gedanken und Pläne vor – und machte gleich klar, was der von den Reitern erwartet: Nämlich, dass alle an einem Strang ziehen müssen, wenn der sofortige Wiederaufstieg aus der zweiten Nationenpreis-Divison gelingen soll. „Wir kommen aus der zweiten Division nur heraus, wenn wir gemeinsam dafür kämpfen. Mit der zweiten Garde können wir Großbritannien und die anderen Nationen nicht erschrecken“, sagt der 64-Jährige, der bekannt für seine direkte Art ist. Den Reitern schien das gefallen zu haben, sie unterstützten Weinbergs Wahl und versprachen mitzuziehen. „Wichtig ist, ein echtes Team zu bilden – ohne Rücksicht auf persönliche Interessen.“

In Lummen darf der belgische Gastgeber am Freitag zwar im Nationenpreis der ersten Division reiten, kann aber keine Punkte sammeln – dafür geht es um die Ehre. „Ich traue uns einen Platz unter den ersten Drei zu“, ist Weinberg vor seinem Nationenpreis-Debüt optimistisch. Mit Karel Cox, Pieter Devos, Jérome Guéry, Olivier Philippaerts und Constant van Paesschen bringt er ein schlagkräftiges Team an den Start, obwohl zeitgleich das Global-Champions-Turnier in Shanghai stattfindet, wo sich die Elite tummelt.

„Ich habe mich an meinem Freund Otto Becker orientiert, mit ihm darüber geredet, wie viele Leute er betreut, und mit Dirk, ich denke, ich bin gut vorbereitet. Und ich habe schon einen konkreten Plan bis Juni, in welcher Besetzung wir die Turniere besuchen“, so Weinberg. Aktuell sind „14, 15 Aktive im A- und B-Kader, inklusive Jos Lansink, wenn er wieder ganz fit ist“.

So wie der deutsche Bundestrainer Heinrich-Hermann Engemann an seiner Seite hat, wird Philippe Lejeune, Weltmeister von 2010, Weinberg unterstützen. Die Belgier müssen die Nationenpreise in Linz (Österreich), Drammen (Norwegen), Lissabon (Portugal), Uggerhalne (Dänemark), Sopot (Polen) und Roeser (Luxemburg) bestreiten. Die vier besten Ergebnisse zählen, die beiden besten Teams kämpfen beim Nationenpreisfinale in Barcelona um den Wiederaufstieg.

Daneben starten die belgischen Springreiter zudem beim CHIO Aachen (13. bis 23. Juli). „Wir haben eine persönliche Einladung bekommen“, freut sich Peter Weinberg, wobei seine guten Verbindungen sicher nicht geschadet haben: Seit 2006 ist er Mitglied im Aufsichtsrat des ausrichtenden Aachen-Laurensberger Rennvereins.

Einer der ersten Gratulanten war seinerzeit übrigens sein neuer Amtskollege Otto Becker: „Zusammen haben wir einige Schlachten im Parcours geschlagen und sind langjährige Freunde. Ich freue mich auf ihn als Bundestrainer-Kollegen, da Peter immer geradeheraus und ein Mann der klaren Worte ist“, sagt Becker vor dem ersten dienstlichen Aufeinandertreffen am Freitag. Und schmunzelnd fügt der deutsche Bundestrainer hinzu: „Es wird mir schwerfallen, aber am Freitag wird unsere Freundschaft in Lummen ruhen. Da wollen wir selbst gewinnen und Peters Team schlagen.“

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