Sprengstoff-Raub: Angeklagter bestreitet Mittäterschaft

Von: Wolfgang Schumacher
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Im Prozess um Dürener Millionen-Raub behauptet der Angeklagte, er sei nachweislich 170 Kilometer entfernt in Charleroi gewesen. Foto: Roeger
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Sprengstoff aus Militärbeständen soll das Loch in die Securloc-Außenwand gerissen haben. Foto: Berners
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Bei dem Überfall auf die Dürener Sicherheitsfirma Securlog hatten die Täter Geld und Schmuck im Wert von rund zwei Millionen Euro erbeutet. Foto: dpa

Aachen/Düren. Aus Charleroi in Belgien war die Familie des Angeklagten angereist. Schließlich stand Alain L. am Donnerstag nur einen Tag vor seinem 40. Geburtstag vor dem Aachener Schwurgericht. Den Geburtstag muss der gelernte Schweißer aus der Wallonie in einem gesondert gesicherten Teil der Kölner Haftanstalt verbringen, wie sein Anwalt Thomas Pohlhammer (Aachen) berichtete.

Denn ihm wird ein schweres Verbrechen mit paramilitärischen Zügen vorgeworfen. Angeklagt ist Alain L., als einer von fünf Tätern das hochgesicherte Gebäude des Dürener Werttransportunternehmens Securloc am 1. März 2012 gegen 6.18 Uhr in der Frühe aufgesprengt und dort verwahrtes Geld sowie wertvollen Schmuck gestohlen zu haben.

Staatsanwalt Sebastian Muhl beziffert die Beute auf 1,5 Millionen Euro Bargeld, dazu sollen die mit Militärsprengstoff und Schnellfeuerwaffen ausgestatteten Gangster für 250.000 Euro Schmuck erbeutet haben, sie flüchteten in einem schwarzen Pkw.

Versuchter Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat, dazu schwerer Raub, besonders schwere Brandstiftung, Herbeiführung einer Explosion und gefährliche Körperverletzung sind in diesem Prozess angeklagt, Vorwürfe, die schwer wiegen und die bei einer Verurteilung Strafen bis zu 15 Jahren Freiheitsentzug nach sich ziehen.

Die Bande war an jenem März-Morgen in Rambo-Manier vor dem Unternehmen Securloc im Dürener Gewerbegebiet „Im großen Tal“ vorgefahren. Die Männer brachten an der Außenwand des Tresorraumes eine Sprengladung an, die ein großes Loch in das Gemäuer riss. Dann sollen sie mit den Schnellfeuergewehren hineingestürmt und die dort befindlichen Securitykräfte in Dauersalven beschossen haben. Einer von ihnen war schwer am Arm durch Splitter verletzt worden, allen gelang aber die Flucht.

Alain D. nun sagte in einer Verteidigererklärung, er habe so zeitnah zu dem Überfall am 1. März seine Kinder gemeinsam mit seiner Frau gegen acht Uhr morgens zur Schule gebracht, so dass er unmöglich an der Tat habe beteiligt sein können. Direkt im Anschluss ging er zum Arzt in Charleroi, er leide unter Bandscheibenbeschwerden und Asthma, die 171 Kilometer seien in dieser Zeit einfach nicht zu schaffen, erläuterte der Verteidiger.

Die Polizei hatte an einer Tasche am Tatort DNA-Spuren von L. analysiert, er wurde daraufhin 2013 verhaftet. Doch dafür gebe es eine einfache Erklärung. Er habe, so Verteidiger Pohlhammer, verschieden Sachen für den Drahtzieher gekauft und in diese Tasche gepackt. Das sollen Klebeband, eine Batterie und Kunststoffschienen gewesen sein, die er im Auftrag in einem Baumarkt gekauft habe.

Dabei müsse er letztlich die Spuren hinterlassen haben. Von seinen mutmaßlichen Komplizen fehlt bis heute jede Spur, auch eine Aktenzeichen XY-Fahndung änderte daran nichts. Der Drahtzieher, für den die Sachen bestimmt waren, sei inzwischen tot, berichtet der Anwalt. Er sei beim Hantieren mit Sprengstoff in die Luft geflogen.

Der Prozess geht am 18. März weiter.

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