Sportplatzüberfall: „Aus heiterem Himmel war der Teufel los“

Von: Wolfgang Schumacher
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Welldorf-Güsten Prozess Gericht Schläger Sportplatzüberfall verpixelt
Im Prozess um den Sportplatzüberfall wurde den Zeugen das am Dienstag von der vereinseigenen Videokamera aufgezeichnete Bildmaterial vorgespielt (Archivbild). Foto: Guido Jansen

Aachen/Jülich. Im Prozess um den spektakulären Sportplatzüberfall beim Fußballspiel von Grün-Weiß Welldorf-Güsten vom 6. November 2016 sagten am Mittwoch erste Zeugen vor dem Aachener Landgericht aus. Ihnen wurde das von der vereinseigenen Videokamera aufgezeichnete Bildmaterial vorgespielt, die erst wenige Wochen vor dem Überfall installiert worden war.

Wie ein Zeuge es vor der 4. Großen Strafkammer beschrieb, hatte in der 70. Spielminute „eine Horde“ von türkischstämmigen und überwiegend in Düren lebenden Männern im Alter zwischen 21 und 42 Jahren das Feld gestürmt. Die Angreifer begannen, eine Gruppe von Spielern libanesischer Abstammung aus beiden Mannschaften zu verprügeln.

In der Verhandlung berichtete ein 62-jähriger Zeuge, wie er zusammen mit seiner Frau vom Spielfeldrand aus beobachtet habe, wie urplötzlich der Teufel auf dem Feld los war, wo auch sein Sohn spielte. „Ich habe das nicht glauben können, ich bekam Angst um unseren Sohn“, schilderte er die Situation.

Er habe seine Frau davon abhalten müssen, dem Nachwuchs im Kampfgetümmel zur Hilfe zu eilen. „Ich bin aber hingelaufen, um ihnen zu sagen, dass das mit den Knüppeln absolut nicht geht“, schilderte er dem vorsitzenden Richter Norbert Gatzke. Dabei geriet er zwischen die Kämpfenden, bekam einen Schlag aufs Ohr, fiel hin, rappelte sich wieder auf.

Das Video zeigte in der Tat, wie der besorgte Vater quer über den Platz lief und verprügelt wurde. Die Verteidiger der acht Angeklagten wollten dem erstaunten Zeugen nach flüchtigem Ansehen des Beweisvideos andichten, er selbst habe quasi Gewalt gegen die Schläger ausgeübt. Doch der 62-Jährige ließ sich nicht beirren: „Ich habe mit den Leuten sprechen wollen – und kassierte dafür Hiebe.“

Er habe das Ganze recht gut weggesteckt, sagte er dem Gericht. Doch seine Frau leide noch heute psychisch unter dem Vorfall. Sein Sohn spiele wieder Fußball.

Alle sieben Angeklagten entschuldigten sich brav bei dem Zeugen, es tue ihnen leid. Der achte Angeklagte schweigt weiter, weil er laut Angaben seiner Verteidiger nicht auf dem Sportplatz gewesen sein will.

Ein weiterer Zeuge, ein 28-jähriger Student aus Titz, berichtete, auch er habe erst nicht glauben wollte, dass die Schläger wirklich ernst machen würden. Er habe gedacht, sie zeigten – warum auch immer – lediglich Präsenz auf dem Spielfeld, aber losschlagen?

Als er jedoch einen guten Bekannten und Mitspieler hilflos auf dem Boden liegen sah, rannte auch er los, um dem Freund zu helfen. Das war fatal, auch er bekam Schläge auf den Kopf. „Ich habe zuerst gar nichts gemerkt. Aber in der Woche danach bekam ich rasende Kopfschmerzen“, erinnert er sich. Der Schlag habe anscheinend auch bewirkt, dass er an das Geschehen erhebliche Erinnerungslücken habe. Den Bekannten und Spieler habe es ebenfalls schwer getroffen: Ihm wurde das Sprunggelenk gebrochen.

Die Beweisaufnahme vor der Strafkammer wird nun Stück für Stück weitergeführt. Die Videoaufnahmen geben, durch die von der Polizei eingesetzte Zoom-Technik, trotz recht mangelhafter Bildqualität immer wieder recht genaue Einblicke in das Tatgeschehen.

Der Prozess wird in der kommenden Woche am 19. Und 20. April jeweils ab 9 Uhr im Aachener Landgericht (Saal A.020) fortgesetzt.

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