Sportplatzüberfall: Acht Angreifer, ihre Selfies und die Videos

Von: Marlon Gego und Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Sportplatzüberfall in Jülich-Güsten: Nur noch einer der acht Angeklagten sitzt in Haft, der Prozess droht zu versanden. Foto: JZ/JN

Aachen/Jülich. Die Stimmung unter den acht Angeklagten ist nicht übermäßig angespannt, in Saal A 0.020 des Aachener Landgerichts wird gescherzt, gelacht und gute Laune verbreitet.

Und wenn wieder mal ein Angeklagter oder ein Verteidiger zu spät kommt und alle anderen eine Stunde lang warten müssen, bis es endlich losgehen kann, schütteln die Staatsanwälte mit dem Kopf, der Richter hebt den Zeigefinger und die Angeklagten amüsieren sich, jedenfalls sieht es so aus. Dass in diesem Prozess ein brutaler Überfall und seltener Tabubruch verhandelt werden soll, erschließt sich Außenstehenden frühestens auf den zweiten Blick.

Bis heute dienstunfähig

Der Prozess gegen acht türkischstämmige Männer, die am 6. November ein Bezirksligaspiel in Jülich-Güsten überfallen haben sollen, droht ein bisschen zu versanden, diese Woche musste ein weiterer Angeklagter aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Mittlerweile ist nicht einmal mehr sicher, ob Sebastian S. aus Düren überhaupt am Überfall beteiligt war. Ursprünglich saßen alle acht Männer in Untersuchungshaft, mittlerweile ist es nur noch einer.

Sebastian S. ist der Sohn des Mannes, der sechs Tage nach dem Güstener Sportplatzüberfall einen Mitarbeiter des Dürener Ordnungsamts mit dem Tod bedroht haben soll, er und seine Söhne, darunter Sebastian S., sollen hinzugerufene Polizisten angegriffen und einen 37 Jahre alten Beamten mit einem Radmutterschlüssel derart schwer verletzt haben, dass er seit fast einem halben Jahr dienstunfähig ist. Im Prozess um den Sportplatzüberfall darf das natürlich keine Rolle spielen.

Dass einige der insgesamt 24 Angreifer vom 6. November überhaupt identifiziert werden konnten, haben die Männer sich selbst zuzuschreiben. Sie haben vor, während und nach dem Überfall Selfies und Videos mit ihren Handys gemacht, die die Staatsanwaltschaft mit den – allerdings nicht übermäßig hoch auflösenden – Videobildern vergleichen konnten, die die Sportplatzkamera in Jülich-Güsten aufgezeichnet hatte.

Deswegen blieb sieben der acht Angeklagten nicht viel mehr übrig als zu gestehen, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein. Ein neues Video, das am Donnerstagnachmittag im Landgericht gezeigt wurde, legt nun die Vermutung nahe, dass ein Bruder von Sebastian S. beim Überfall dabei gewesen ist, nicht aber er selbst. Die Staatsanwälte Guido Schreiner und Jan Balthasar werden die neuen Erkenntnisse in ihre weiteren Ermittlungen einbeziehen; denn der Großteil der Angreifer des Überfalls ist nach wie vor nicht identifiziert.

Am Montag soll nun einer der Deutsch-Libanesen aussagen, die das Ziel des Angriffs am 6. November in Güsten waren. Ob der Mann eine Aussage machen wird, ist allerdings fraglich; denn gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Er hatte damals als Spieler auf dem Sportplatz gestanden und soll, schon in Erwartung eines Angriffs, eine Pistole in seinem Schienbeinschoner getragen haben.

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