Spargel sprießt dank Fußbodenheizung

Von: Nicola Gottfroh
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Mit der Fußbodenheizung im Sp
Mit der Fußbodenheizung im Spargelfeld überlisten sie die Natur und ernten schon vier Wochen vor Saisonbeginn: Landwirt Roman Sauer (v. l.), RWE-Projektleiter Nils Redde und Landwirt Johannes Nagelschmitz.

Elsdorf. Landwirt Roman Sauer läuft mit großen Schritten über das zehn Hektar große Spargelfeld bei Widdendorf nahe Elsdorf. Und nicht nur an seiner Gangart wird klar: Der 27-Jährige ist anderen gerne einen Schritt voraus. Vor allem der Spargel-Konkurrenz.

Während bei den Wettbewerbern das königliche Gemüse noch tief in der Erde steckt und erst im April die ersten Stangen gestochen werden, liegen Sauers Mitarbeiter schon seit Tagen auf den Knien, um den Widdendorfer Spargel aus der Erde zu holen. „Und die Kunden reißen uns schon jetzt den Spargel förmlich aus der Hand”, sagt Sauer, während er selbst eine Spargelstange fachmännisch aus der Erde bugsiert.

Dass Roman Sauer und sein Kollege Johannes Nagelschmitz ihren Mitstreitern bei der Ernte rund vier Wochen voraus sind, liegt daran, dass sie es geschafft haben, die Natur zu überlisten. Denn möglich wurde das frühe Spargelstechen nur durch eine sogenannte Agrothermanlage. Vergleichbar ist diese mit einer Fußbodenheizung, die das rund zwölf Fußballfelder große Ackerland der beiden Landwirte auch im Winter erwärmt. Sauer und Nagelschmitz bieten ihrem Spargel dadurch ideale Wachstumsbedingungen.

„Abwärme heißt hier das Stichwort”, sagt Sauer und deutet mit dem Finger in Richtung des rund vier Kilometer entfernten RWE-Braunkohletagebaus Hambach. Gemeinsam mit Nils Redde von RWE entwickelten die Landwirte eine Möglichkeit, die Energie aus dem etwa 27 Grad warmen Sümpfungswasser - das ist das Grundwasser, das aus dem Tagebau abgepumpt wird, um die Grube des Abbaugebiets trocken zu halten - effizient für die regionale Landwirtschaft zu nutzen.

150 Kilometer Leitung verlegt

Das erdwarme Grundwasser wird aus dem Tagebau direkt in Schläuche unter dem Acker gepumpt. Dafür ließen Nagelschmitz und Sauer im vergangenen Jahr Leitungen mit einer Gesamtlänge von rund 150 Kilometern unter ihren Acker verlegen, den sie von Ute Strauß gepachtet haben. Das warme Wasser in den Leitungen der „Acker-Fußbodenheizung” sorgt dafür, dass sich die Erde früher erwärmt. So werde Sonnenwärme von unten simuliert, wenn oberhalb des Erdbodens noch Kälte herrscht.

Rund 600 000 Euro kostet das Projekt. RWE beteiligt sich an den Kosten - allerdings nicht allein aus Uneigennützigkeit: Von der Heizungsanlage profitieren nicht nur die beiden jungen Landwirte, sondern auch der Stromerzeuger. Denn das warme Sümpfungswasser habe das Unternehmen vor der Installation der Agrothermanlage direkt in die Erft geleitet, ohne es zuvor herunterzukühlen.

Das habe Veränderungen der Fischkulturen in dem Gewässer zur Folge gehabt, sagt Sauer. Auflagen zwingen das Unternehmen nun dazu, nur noch kälteres Wasser in die Erft einzuleiten. „Auf dem Feld wird das Wasser nun um etwa sechs Grad abgekühlt. Damit ziehen beide Seiten Nutzen aus dem Projekt”, erklärt Sauer, der auch die Umwelt als Gewinner ansieht. Jedes Kilo in der Region angebauter Spargel ersetze ein Kilo Peru-Spargel. Durch kürzere Transportwege werde jede Menge Kohlenstoffdioxid eingespart, sagt er.

Manchen Mitbewerber dürfte das Projekt allerdings fuchsig machen. Immerhin werden Sauer und Nagelschmitz allein in diesem ersten Jahr voraussichtlich 40.000 bis 50.000 Kilogramm Spargel ernten - und einen Großteil des Gemüses, das sie derzeit für 15 Euro je Kilogramm verkaufen, bereits vor Beginn der offiziellen Spargelsaison in die Küchen und auf die Teller der Region bringen. Da können die Konkurrenten nur hoffen, dass sich die Spargelfans rund um Elsdorf nicht schon vor dem offiziellen Saison-Start am zarten Gemüse satt gegessen haben.

„Wenn das Wetter so bleibt, geht in zwei, drei Wochen richtig die Post ab”, sagte Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Rheinland in Bonn. Dann hat die Frühlingssonne die zarten Stangen auch dort hervorgelockt, wo keine Heizung nachhilft. Der Deutsche Wetterdienst sagt dank des Hochdruckgebiets „Harry” bis Anfang der Woche im Westen des Landes konstante 18 Grad voraus. (dpa)
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