Aachen - Spannende Geschichten aus der Region

Spannende Geschichten aus der Region

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Sie hat noch längst nicht alles erzählt: Regionsschreiberin Slavica Vlahovic (links) stellt Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin beim Zweckverband Region Aachen, ihre neuesten Beiträge vor. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Aachen. Sie radelt über das Gelände des Forschungszentrums Jülich, lässt sich in der Stadt zur heißen Crêpes eine Eiskugel servieren, genießt die meditative Ruhe auf dem Gelände der Abtei Steinfeld und trifft in Alt-Breinig einen Bäckermeister, der inzwischen als Aktiver beim „Senior Experten Service“ durch die Welt reist, sowie einen Mann aus Togo, der Lackier gelernt hat, aber aufgrund seiner Allergien die Lehmbautechniken seines Volkes entdeckt hat.

Wenn Slavica Vlahovic (56), für vier Monate Regionsschreiberin für Aachener Region und Eifel, erzählt, ist sie kaum noch zu stoppen. Gerade erst ist die Hälfte ihrer Zeit abgelaufen, in der sie mit einem monatlichen Stipendium in Höhe von 1000 Euro und dem Nutzungsrecht eines Appartements unterstützt wird. Rund zwölf Beiträge und zwei Videos gibt es von ihr inzwischen im Internet, wo sich alle zehn NRW-Regionen mit ihren Schreiberinnen und Schreibern unter der Adresse www.stadt-land-text.de präsentieren.

Am kommenden Donnerstag, 31. August, 19 Uhr, werden sie im „Depot Talstraße“, Talstraße 2, in Aachen zu einer öffentlichen Lesung zusammentreffen. Rund 9000 Leser hatte die Seite der Kulturregion Aachen im Internet bereits.

Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der „Regionalen Kulturpolitik“ gibt es – ausnahmsweise – NRW-weit Beobachter nach Aachener Vorbild. „Vorerst nur in diesem Jubiläumsjahr“, betont Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin beim Zweckverband Region Aachen und quasi Slavica Vlahovics Arbeitgeberin. Sie ist stolz darauf, dass die Region Aachen seit 2014 regelmäßig die Position eines Schreibers oder einer Schreiberin vergibt. 200 Bewerber gab es allein in diesem Jahr.

„Ziel ist es dabei, unsere Region besser erlebbar zu machen, Kulturarbeit soll sichtbar werden, wir wollen, dass uns die Schreiber aus ihrer Perspektive mitteilen, wie sich diese Region entwickelt“, sagt sie. Die größte Herausforderung ist dabei die Freiheit, die man den Stipendiaten lässt. „Wir haben Vertrauen, liefern keine Vorgaben, stellen keine Bedingungen“, versichert sie. „Wir wurde dabei nie enttäuscht.“

Und so hat auch Slavica Vlahovic die Wahl bei der Gestaltung ihrer Recherchen. Belinda Petri, die das NRW-Projekt und dessen Teilnehmer betreut, liefert ihr höchstens hier und da organisatorische Hilfestellung. So wird das Appartement im Aachener Ludwig Forum zurzeit für Künstler aus Kuba gebraucht. „Da haben wir beschlossen, dass Slavica auf Reisen geht“, sagt sie gelassen. Und das sorgt für neue Eindrücke – zum Beispiel im Gästehaus des Forschungszentrums Jülich oder eben in klösterlicher Ruhe.

Ein Wunsch

Für die bosnische Journalistin und Autorin, die in Köln lebt, hat sich mit der Tätigkeit als Regionsschreiberin ein Wunsch erfüllt: Endlich einmal journalistisch und literarisch zugleich arbeiten, mit einer Wohnmöglichkeit und einem sicheren Honorar versorgt sein, Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen mit ihren Schicksalen, Leidenschaften, Freuden und Nöten treffen, Zeit haben. „Ich denke, meine Bereitschaft zum Zuhören ist spürbar“, meint sie. „Es kommt oft vor, dass ich angesprochen werde. Ich selbst bin eher zurückhaltende, aber ich nutze gern spontane Situationen.“

So traf sie in Alt-Breinig, wo sie staunend den denkmalgeschützten Straßenzug aus Blau- und Bruchsteinhäusern betrachtete, zwei junge Steinmetze, kam mit ihnen ins Gespräch. „Unglaublich, da waren schon die Römer und haben dort eine Straße gebaut, wo jetzt noch der Ort ist“, schwärmt sie. Hier, wo 2005 Dreharbeiten mit Götz George zu „Schimanski: Sünde“ und 2015 zu Urs Eggers Historienfilm „Gotthard“ stattfanden, lernte sie den weltreisenden Bäckermeister von und den erfolgreichen Lehmbau-Konstrukteur aus Togo kennen. „Diese Region ist für mich sehr beeindruckend“, zieht sie einen kleine Zwischenbilanz. „Von Aachen und seiner Geschichte wusste ich natürlich, aber rundum gibt es noch so viel mehr Historisches.“

In Jülich hat sie die gewaltige Zitadelle tief beeindruckt, sowie die Geschichte der Herzöge und Grafen. „Besonders natürlich Maximilian IV., ein fortschrittlicher Herrscher, das hatte ich alles gar nicht vermutet.“ Und sie stellt zusammenhänge her. „Jülich, das ist Zukunft durch das Forschungszentrum, eine große Vergangenheit und zugleich eine berührende Gegenwart.“

Als sie in der Eisdiele dort Crêpes und Eis bestellt hat, kam sie mit einer alten Dame in Kontakt, von der sie amüsiert beobachtet wurde. Waltraud, in der ehemaligen DDR zur Elektromechanikerin ausgebildet, die Ende der 50er Jahre nach Westberlin zog und bemerkte, dass es Frauen in einem Männerberuf nicht leicht haben. Mit ihrem Mann ging sie später nach Jülich, wo er erfolgreich in der Kernforschung arbeitete.

Wieder ein Schicksal, eine Geschichte, die Slavica Vlahovic erzählt und damit Aufnahme in das „NRW-Lesebuch“ finden wird, das nach Abschluss des Projektes am Jahresende erscheint.

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