Spannende Aufgaben für junge Patres

Von: Ulrich Wilmes und Angela Delonge
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„Der mit dem Wolf tanzt“: Die Skulptur vor der Klosterkirche zeigt den heiligen Franziskus, der den Wolf zähmt. Sie ist nur eines von vielen Kunstwerken, die Bruder Laurentius Englisch für das Franziskanerkloster in Vossenack geschaffen hat. Foto: Schepp
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Kloser vossenack, Franziskustatue
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Kloser vossenack, Franziskustatue

Düsseldorf/Werl/Vossenack. Es ist einer der traditionsreichsten Standorte der Franziskaner in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland überhaupt gewesen: Das Kloster an der Immermannstraße in Düsseldorf unweit des Hauptbahnhofs. Inzwischen haben Handwerker die Kunst aus der alten Firminusklause in der Landeshauptstadt ausgebaut - Schicksal einer aufgegebenen Kirche. Noch in diesem Jahr rückt der Bagger an.

Düsseldorf ist ein Teil eines ganzen Bündels von Maßnahmen, mit denen der Franziskanerorden seine Kräfte in der Bundesrepublik konzentriert. Denn rund 200 der 350 Mitglieder sind inzwischen über 70 Jahre alt und 50 sogar schwer pflegebedürftig, wie Pater Cornelius Bohl betont. Er sorgt als Guardian und damit als oberster Franziskaner von München aus für seine Gemeinschaft. Der Orden stellt sich in NRW und in Deutschland neu auf, indem er einige Standorte aufgibt und Kräfte bündelt.

Düsseldorf und Vossenack

Düsseldorf hat noch Glück. Bruder Antonius, der dort für die Armenbewirtung der Franziskaner verantwortlich ist, blickt optimistisch in die Zukunft. Auch wenn das alte Klostergebäude abgerissen werden soll, hält die Münchner Ordensleitung an einem City-Konvent in der NRW-Landeshauptstadt fest. „Zu fünft bringen wir City- und Beichtpastoral, aber auch Gemeindearbeit, den Armentisch und die Fides-Glaubensberatung des Bistums voran“, sagt der 58-Jährige Kloster-Ökonom. Erst 2019 können sowohl die Ordensleute als auch der Armentisch in Bauten rund um das sanierungsbedürftige Areal der Citykirche Sankt Mariae Empfängnis einen endgültigen Platz finden. Jetzt sind erstmal Übergangslösungen gefragt.

Im Franziskanerkloster Vossenack im Kreis Düren ist von Umwälzungen keine Rede. Auch wenn es dort um den Nachwuchs ebenfalls nicht gut bestellt ist, sind die sieben Ordensbrüder gut beschäftigt. „Man versucht, das zu halten, was man halten kann“, sagt Bruder Wolfgang Mauritz. Und das ist das vom Orden 1967 gegründete Gymnasium _ über 600 Jungen und Mädchen werden dort zurzeit unterrichtet. Die Brüder mit Pater Wolfgang Mauritz an der Spitze wirken in der Schule, in der Internatsbetreuung und der Schulseelsorge. Zudem haben sich die sechs Ordensbrüder entschlossen, Asylanten in ihrem Haus aufzunehmen.

Sechs junge Männer wohnen zusammen mit 20 Schülern derzeit im angeschlossenen Internat. Demnächst sollen noch junge unbegleitete Flüchtlinge dazukommen. Teile des Klostergebäudes wurden vor wenigen Jahren aber auch seniorengerecht umgebaut, damit ältere Mitbrüder hier leben können. Darüber hinaus versteht sich das Kloster als spirituell-kulturelles Zentrum für Hürtgenwald und Umgebung. Mit den offenen „Klostersonntagen“ an jedem ersten Sonntag im Monat, den Taizé-Gebeten, aber auch Ausstellungen, Musik- und Puppenspieldarbietungen ist das Kloster zu einer festen Größe in der Region geworden.

Im westfälischen Werl, dem nach Altötting und Kevelaer drittgrößten Marienwallfahrtsort in Deutschland, sieht es dagegen ganz anders aus. Dort wollen die Franziskaner ihre Präsenz ganz aufgeben. Der zuständige Paderborner Erzbischof Franz-Josef Becker sucht nach neuen Lösungen. Er selbst trägt die Ordensentscheidung mit, ist aber berührt: „Die Werl-Wallfahrt zur Gottesmutter ist mir von Kindesbeinen an vertraut und wertvoll.“ Bis 2019 bleibt der Orden noch – und damit Zeit zur Suche einer Nachfolgeregelung.

Abschiede haben auch andere Orte zu verkraften. „2013 hat uns unser Provinzialkapitel aufgefordert, von 39 Häusern sechs in drei Jahren aufzugeben“, erklärt Pater Cornelius. So wurden bereits die Konvente im niederbayerischen Eggenfelden und im fränkischen Hammelburg geschlossen. Das dort 1649 im Geist des Franz von Assisi gegründete Altstadt-Kloster hatte eine so lange Tradition wie die Düsseldorfer Franziskaner. Überdies wurde im Januar die Gemeinschaft in Rastatt nahe Baden-Baden aufgelöst.

Das klingt wie eine Radikalkur. Doch Pater Cornelius versteht sich keineswegs als Abwickler. „Wo ist ein guter Ort für unseren franziskanischen Auftrag? Wo gibt es reizvolle Aufgaben für jüngere Patres von 40 bis 60? Wo können Ältere oder Pflegebedürftige trotz ihrer Gebrechen am Alltag der Gemeinschaften und ihres Stadtteils teilnehmen?“

Das sind seine Leitfragen. „Die Gemeinschaften dürfen nicht nur irgendwie überleben. Sie müssen Spiritualität und unseren Auftrag auch öffentlich leben können“, so der Guardian. Es gehe darum, weiterhin franziskanisches Profil lebendig zu halten.

In diesem Sinne machte der Orden bereits 2010 einen neuen Vierer-Konvent in Essen auf. Im problematischen Südostviertel bietet er neben Gemeindeseelsorge auch Sozialarbeit an. Dazu gehören besondere Hilfen für Obdachlose und Migranten.

Zurück nach Düsseldorf: Von Vereinen, Firmen und Schulklassen gesponsert, ist hier das Armenessen der Franziskaner seit 1996 auch ein Bürger-Anliegen. Bruder Antonius: „Die gut gemeinte Geste, Schmalzstullen an der Klosterpforte auszugeben, erschien uns Franziskanern und Bürgern irgendwann auch herablassend und lieblos.“ So entstand eine Bewirtung mit wöchentlich 1000 Portionen und eine kostenlose Duschmöglichkeit für . Eine Chance für mehr Würde – franziskanisch eben.

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