„Spamalot”: Wo Deutsche über englische Franzosen-Witze lachen

Von: Christoph Driessen, dpa
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Moderator Alfred Biolek mit den Darstellern Amber Schoop (Schöne aus dem Schilf) und Michael Flöth (King Arthur) und anderen vom Musical „Spamalot” im Musical Dome in Köln. 250.000 Besucher haben das Spektakel besucht, das im Januar Premiere hatte. Foto: dpa

Köln. Ein Papst ist Marcel Reich-Ranicki schon lange, doch in der deutschen Fassung des Monty-Python-Musicals „Spamalot” tritt er nun als Herrgott höchstselbst in Erscheinung. Mit donnernder Lispelstimme schickt er König Artus auf die Suche nach dem Heiligen Gral.

Von solchen auf das deutsche Publikum zugeschnittenen Gags hätte es ruhig noch ein paar mehr geben können. Dennoch wurde die Deutschlandpremiere am Sonntagabend in Köln mit viel Beifall aufgenommen.

Von ihren Plätzen erhoben sich die 1700 Zuschauer im Musical Dome, als die stimmgewaltige Amber Schoop zum Schlussapplaus auf die Bühne kam. Sie verkörpert die „Schöne aus dem Schilf”, die mitten im Stück plötzlich vor den Vorhang tritt und sich darüber beschwert, dass ihre Rolle nur so klein ist. Das ist das Besondere an „Spamalot”.

Einerseits ist es ein echtes Musical mit vielen Ohrwürmern, großem Aufwand und einem Publikum, das vielleicht eine Spur zu gut geföhnt und einen Tick zu stark dekolletiert ist. Andererseits treibt „Spamalot” mit dem Genre seinen Spott, etwa mit jüdischen Broadway- Produzenten. Nach langem Nachdenken ist diese Szene etwas abgeschwächt auch in der deutschen Fassung enthalten.

Zur Premiere war alles erschienen, was an Kölner Prominenz noch nicht nach Berlin abgewandert ist. Man stand mit Mutter Beimer an der Theke und mit Vater Beimer in der Herrentoilette. „Spamalot” dürfte davon profitieren, dass es heutzutage kaum noch einen Deutschen gibt, der nicht beteuert, wie sehr er den englischen Humor schätzt. Das zeigte sich deutlich in den Pausengesprächen.

Wer etwas anzumerken hatte, sagte höchstens Sätze wie: „Die Londoner Fassung hat mir doch noch besser gefallen.” Oder: „Die Übersetzung ist sehr gut, aber man kann einfach nicht alle Nuancen rüberbringen.”

Ist „Spamalot” nun so gut, dass man dafür 25, 60, 90 Euro ausgeben sollte? Es gibt eine einfache Faustregel: Wer Monty Python gut findet, wer gar zu jenen gehört, die sich nur kurze Satzanfänge zuwerfen müssen, um dann vereint in brüllendes Gelächter auszubrechen, der kann sofort buchen.

Wer sich bei Monty Python dagegen immer schon heimlich gefragt hat, was der ganze unzusammenhängende Quatsch eigentlich soll, der darf bloß nicht meinen, das Musical wäre anders oder besser: Es gibt entgegen den Beteuerungen von „Spamalot”-Autor Eric Idle im Grunde keine Handlung.

Das Ganze ist eine Ansammlung von Sketchen aus „Die Ritter der Kokosnuss”, wobei auch Elemente aus anderen Monty-Python-Filmen einfließen, so der Mitsing-Hit „Always Look on the Bright Side of Life” aus der Jesus-Persiflage „Das Leben des Brian”.

Prominentester Darsteller ist Alfred Biolek, der die Monty-Python- Truppe Anfang der 70er Jahre in Deutschland bekanntmachte und nun mit 74 Jahren voller Zufriedenheit auf sein Lebenswerk zurückblickt. Er hat - so sagt er im dpa-Gespräch - doch einigen Anteil daran, dass die Deutschen heute so sind, wie sie sind: Wohlvertraut mit der feineren ausländischen Küche, weit gereist, der englischsprachige Popmusik zugetan.

Und nun gehen sie auch noch in ein Stück, das mit seinen Witzen über Franzosen und Klassenunterschieden ursprünglich auf ein rein englisches Publikum abzielte. Ob das nun dafür spricht, dass die Deutschen heute sehr weltoffen oder aber ein wenig abgedreht sind, hängt ganz vom Standpunkt des Betrachters ab. Vielleicht sind sie ja beides.
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