Sorge vor belgischen Rissreaktoren: Jodtabletten im Frühjahr 2017?

Von: Madeleine Gullert
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Jod Jodtabletten Tabletten Symbol Symbolbild: dpa/Emily Wabitsch
Das Konzept der Kommunen steht: NRW hat die direkte Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung erteilt. Das Land muss die Notfallschutzpläne aber noch Pläne abnicken. Symbolbild: dpa

Aachen. Die Verteilung der Jodtabletten an die Bevölkerung in den Kommunen unserer Region rückt näher. Wahrscheinlich ist eine Abgabe an die Bevölkerung im Frühjahr 2017. Im Mai hatte das Land NRW, das die Tabletten zentral lagert, eine direkte und präventive Abgabe in den Kommunen vor dem Hintergrund der Sorge um die belgischen Rissreaktoren Tihange 2 und Doel 3 grundsätzlich erlaubt.

Die regionale Koordinierungsgruppe von Stadt und Städteregion Aachen und den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen hat dem Land vergangene Woche ihr Konzept für einen Notfallschutzplan für einen Reaktorunfall und eine Verteilung der Tabletten zukommen lassen. Jodtabletten sollen bei einem atomaren Ernstfall gegen eine Krebsart helfen.

Land bietet Gesprächstermin an

Die Stadt Aachen hatte am Dienstagmorgen in einer Pressemitteilung die Hoffnung geäußert, dass die Tabletten noch in diesem Jahr verteilt werden könnten. Weil es aber noch viele offene Fragen beispielsweise zur Art und Weise der Verteilung der Tabletten gibt, ist das wohl unrealistisch. Das musste auch die Stadt Aachen auf Anfrage unserer Zeitung einräumen. „Frühjahr 2017 ist wohl wahrscheinlicher“, sagte Markus Kremer, Beigeordneter der Stadt Aachen und der Leiter der regionalen Koordinierungsstelle.

Man werde den Kommunen in den kommenden Tagen einen Gesprächstermin anbieten, sagte Jörg Rademacher, ein Sprecher des nordrhein-westfälisches Innenministeriums, auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Auslieferung der Jodtabletten an die Kommunen wird dann im November beginnen“, sagte Rademacher.

Bevor die Tabletten an die Bevölkerung ausgegeben werden können, muss aber noch geklärt werden, wo sie verteilt werden. Wahrscheinlich sei eine Abgabe durch die Apotheken, wie Kremer erklärte. Verträge über den Transport der Tabletten könne aber beispielsweise nur das Land NRW schließen. Das Land müsse sich nun die Vorschläge der Kommunen ansehen und Entscheidungen treffen, wo es zuständig ist. Kremer: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Eine weitere solche Frage ist, ob die Kommunen Berechtigungsscheine angelehnt an Wahlscheine herausgeben. „Das wäre eine sehr teure Variante“, sagte Kremer. Günstiger sei es, wenn jeder Berechtigte mit Vorzeigen des Personalausweises sein Blister mit sechs Jodtabletten ausgehändigt bekäme. „Natürlich besteht bei der Methode die Gefahr, dass sich Menschen mehrfach Tabletten holen.“

Umdenken im Mai

Bislang werden die Jodtabletten des Landes zentral gelagert. Anlass für das Umdenken in Nordrhein-Westfalen war, dass Belgien im Mai eine direkte Verteilung in einem Radius von 100 Kilometern statt zuvor 20 Kilometern beschlossen hatte. Aber auch Aachen liegt nur 60, Düren 90 Kilometer Luftlinie von dem umstrittenen belgischen Atommeiler Tihange 2 entfernt. In NRW bestehen erhebliche Zweifel an der Sicherheit der Atommeiler Doel 3 in der Nähe von Antwerpen und Tihange 2. In deren Reaktordruckbehältern befinden sich Tausende Haarrisse oder Wasserstoffflocken.

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