Düsseldorf - Sonderfonds für die Opfer der Loveparade

Sonderfonds für die Opfer der Loveparade

Von: Annika Müller, ddp
Letzte Aktualisierung:
ombuds
Der Ombudsmann der nordrhein-westfälischen Landesregierung für die Opfer der Loveparade, Wolfgang Riotte, in seinem Düsseldorfer Büro. Riotte ist eigentlich seit 2003 Pensionär. Doch die Bitte von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) konnte der frühere Innenstaatssekretär nicht ablehnen. Foto: ddp

Düsseldorf. Wolfgang Riotte ist eigentlich seit 2003 Pensionär. Doch die Bitte von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), als Ombudsmann für die Opfer der Loveparade-Katastrophe zur Verfügung zu stehen, konnte der frühere Innenstaatssekretär nicht ablehnen.

„Ich hatte die Chance, aktiv etwas tun zu können, zu helfen”, sagt er in seinem Büro im dritten Stock der Düsseldorfer Bezirksregierung. Nun ist er seit zwei Wochen verantwortlich für den möglichst reibungslosen Kontakt der Hilfebedürftigen zu den zahlreichen Behörden.

21 Menschen waren bei der Parade in Duisburg Ende Juli ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden teils schwer verletzt.

Doch was die Aufgabe eines Ombudsmanns ist, scheint manchen Anrufern der eingerichteten Hotline nicht ganz klar zu sein. „Es rufen auch Leute an, die haben einfach nur ihr Handy oder Portemonnaie verloren”, sagt Riotte, der zusammen mit zwei Mitarbeiterinnen am Telefon sitzt. Er lege aber nicht jedes einzelne Gespräch auf die Goldwaage und leite auch diese Anliegen an die zuständigen Stellen weiter. „Wichtig ist, dass überhaupt möglichst viele Menschen von dem Angebot wissen.”

Riotte ist vor allem für die Angehörigen der Todesopfer sowie die Schwerverletzten der erste Ansprechpartner. Diese können finanzielle Hilfe aus dem vom Land NRW eingerichteten Soforthilfefonds bekommen, den Ministerpräsidentin Kraft auf der Trauerfeier für die Opfer angekündigt hatte. ”Für Hinterbliebene sind das deutlich mehr als 10.000 Euro„, sagt er. Verletzte, die längere Zeit im Krankenhaus verbringen mussten, bekämen ”ein gut bemessenes Tagegeld”.

Dabei seien die Auszahlungen nicht immer leicht durchzuführen, bedauert Riotte. Manche Angehörigen lebten im Ausland, außerdem gebe es „ein sehr buntes Bild bei den Familienverhältnissen”. Bis alle Verwandten unter einen Hut gebracht seien, dauere es oft lange und gelinge manchmal nur mit Hilfe von Anwälten, sagt er. Zudem seien die Krankenhäuser nicht berechtigt, Patientendaten ohne deren Einstimmung weiterzuleiten. „Wir hoffen aber, in der nächsten Woche alle Schwerverletzten und Angehörigen erreicht zu haben”, sagt Riotte. Einige Familien hätten bereits Auszahlungen erhalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Riotte als Pensionär eine schwierige Aufgabe übernimmt. Ab 2003 war er für zwei Jahre als Beauftragter des NRW-Ministerpräsidenten für die Reform des öffentlichen Dienstes zuständig. Als 2008 das Kinderhilfswerk Unicef wegen Verschwendung von Spendengeldern in die Kritik geriet, sprang Riotte als Interims-Geschäftsführer ein. Der Jurist führte die Organisation über zwei Jahre in die Vertrauenswürdigkeit zurück.

Riotte sieht sich aber nicht als Mann fürs Grobe, als einer, der die Scherben wegräumt. Er helfe einfach gerne und habe Erfahrung mit heiklen Situationen, sagt er. Von 1987 bis 2003 war Riotte Staatssekretär im Innenministerium, erlebte dort den Brand des Düsseldorfer Flughafens 1996, bei dem 17 Menschen ums Leben kamen. „Die Nachbereitung des Unglücks damals war extrem wichtig”, erinnert er sich und lobt die Bemühungen von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD), bundesweit einheitliche Standards bei der Planung von Großveranstaltungen durchzusetzen.

Von dem Unglück bei der Loveparade ist Riotte nach wie vor tief erschüttert. „Wenn ich noch im aktiven Dienst gewesen wäre, hätte ich ja damit zu tun gehabt, mit der Planung und dem Polizeieinsatz”, sagt er. Er frage sich schon, was er gemacht hätte, ob eine „andere Planung möglich oder hartnäckigeres Nachfragen nötig” gewesen wäre.

Diese Fragen spielten bei den Anrufern der Hotline allerdings selten eine Rolle. Viele wollten einfach reden, das Erlebte loswerden, ohne die Frage nach der Schuld oder finanzielle Ansprüche im Kopf zu haben, sagt Riotte. Auch Anrufe von traumatisierten Menschen mit Angstzuständen seien nicht selten. „Wenn ich den Eindruck habe, einfach nur darüber reden und zuhören hilft nicht, dann rufe ich auch schon mal selbst das Gesundheitsamt an.”

Wann seine Arbeit beendet sein wird, könne er nicht abschätzen. „Die Hotline wird auf jeden Fall noch einige Wochen weiter bestehen, auch wenn die Nachfrage weniger wird”, versichert er.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert