Softball: Mit Tempo von Base zu Base

Von: Leandra Kubiak
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Hat der Schlagmann, auch „Batter“ genannt, den Ball ins Feld geschlagen, muss er so schnell wie möglich zur ersten Base laufen (Foto links). David Schroeter (Foto rechts) von den Aixplosives Aachen hat mir einen Crashkurs in den Disziplinen des Softball gegeben. Fotos (3): Leandra Kubiak Foto: Leandra Kubiak
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Hat der Schlagmann, auch „Batter“ genannt, den Ball ins Feld geschlagen, muss er so schnell wie möglich zur ersten Base laufen (Foto links). David Schroeter (Foto rechts) von den Aixplosives Aachen hat mir einen Crashkurs in den Disziplinen des Softball gegeben. Fotos (3): Leandra Kubiak Foto: Leandra Kubiak

Aachen. 18 Meter sind es bis zur Base, einem weiß-orangefarbenen Polster, das auf dem Rasen liegt. Ich schlage den Ball ins Spielfeld und versuche, die Plattform so schnell wie möglich zu erreichen. Die Verteidigung ist schneller – ich bin „out“. Ein kleiner Erfolg war es trotzdem: „Du hast deinen ersten Run gemacht“, ruft mir ein Spieler zu. Er konnte durch den Schlag seine Runde um alle Bases komplett machen und der Mannschaft damit einen Punkt holen.

Treffsicher den Ball schlagen, Fangen, Werfen, schnell Laufen und die Spielsituation überblicken und entsprechend reagieren – das alles muss man beherrschen, wenn man sich im Softball behaupten möchte. Gerade in den USA äußerst beliebt und ein Volkssport, zählt Softball in Deutschland immer noch zu den Randsportarten.

In einem Selbstversuch habe ich mich an den Sport gewagt und eine Trainingseinheit der Aixplosives, der Softballmannschaft des Hochschulsports Aachen, besucht. Zweimal in der Woche trifft sich die Gruppe, die mit den Aachen Greyhounds kooperiert, auf dem Sportplatz Brander Feld.

Gespielt wird – genau wie beim Baseball auch – auf einem Feld, das die Form eines Viertelkreises besitzt. Im Unterschied zum Baseball ist das Feld allerdings um einiges kleiner. Auch Regeln und Spielablauf ähneln denen beim Baseball. Der Softballschläger ist jedoch etwas anders geformt als der Baseballschläger und der Ball ist fast doppelt so groß.

Neun Spieler treten pro Team gegeneinander an. Ziel der Offensive, die nacheinander je einen Schlagmann stellt, ist es, den Ball möglichst weit ins Spielfeld hinein zu schlagen und, solange der Ball im Spielfeld ist, von Base zu Base zu laufen. Gelingt es einem Spieler, die erste Base, eine Art Plattform, zu erreichen, ist er „safe“. Er darf also weiter im Spiel bleiben und – sofern es ihm gelingt – auch die zweite und dritte Base umlaufen und zur Homeplate zurückkehren.

Das defensive Team, das auf dem Spielfeld verteilt ist, versucht hingegen, den Ball schnellstmöglich aufzunehmen und zur richtigen Base zurückzuwerfen oder einen gegnerischen Spieler mit dem Ball zu berühren, bevor dieser die Base erreicht hat und sicher ist. Dass sich das Spiel jedoch kaum in wenigen Sätzen fassen lässt, wird mir schnell bewusst, als ich einem Spielablauf folge.

„Mitbringen muss man eigentlich nur eine gewisse Grundfitness“, sagt mir David Schroeter (27), Übungsleiter der Gruppe. „Alles andere kann man bei uns lernen.“ Ich ziehe mir einen der großen Lederhandschuhe an, gegenseitig werfen wir uns einige Bälle zu. Den linken Arm soll ich dabei anwinkeln, den Handschuh nach vorne öffnen und die Bälle mittig vor meinem Körper fangen.

„Ein Fehler, den am Anfang viele machen, ist, nach dem Ball zu greifen“, erklärt David. So geht es auch mir. Reflexartig greife ich mit dem Handschuh zu, als ein Ball auf mich zufliegt. „Wenn der Ball richtig im Handschuh landet, schließt sich der Handschuh von alleine.“ Ein paar weitere Versuche, langsam klappt es.

Auch beim Werfen kommt es auf die Technik an: Den Ball soll ich mit vier Fingern umschließen, die oberen Finger über die C-förmige Naht des Balls legen und diesen möglichst schleudern. „So bekommt der Ball die richtige Rotation“, sagt David. Während die anderen sich Warmwerfen, geht es für mich an die nächste Lektion: Das Schlagen. Ich soll mich seitlich zum Ball stellen, den Schläger möglichst nah am Körper vorbei führen und erst im letzten Moment mit den Armen Richtung Ball schwingen. „Am besten stellst du dich dabei leicht auf die Fußballen und drehst das hintere Bein in der Schlagbewegung mit nach vorne“, leitet mich David an. Das Treffen funktioniert – an der Flugbahn des Balls hapert es noch ein wenig.

Auch in Japan ist der Sport beliebt

Trainer der Aixplosives ist Matthäus-Hyo Schmidt (23). „In Japan ist Softball ein sehr beliebter Sport“, erzählt er. „Da ich selbst japanische Wurzeln habe, habe ich schon in meiner Kindheit oft Softball gespielt.“ In der Mannschaft hat er die Position des Catchers. Er steht also hinter dem Schlagmann und fängt die Bälle, die dieser nicht spielt.

Darüber hinaus kommt ihm aber auch eine wichtige taktische Funktion zu. „Pitcher (also der Werfer) und Catcher spielen eng zusammen“, erklärt Schmidt. Er könne dem Pitcher zum Beispiel Zeichen geben, wie er den Ball werfen soll. David ist einer der Pitcher des Teams. Auch das ist eine besondere Position, es bedarf einer besonderen Technik, den Ball korrekt zum Schlagmann zu werfen. Anders als beim Baseball muss der Ball beim Softball nämlich unterhalb der Hüfte geworfen werden.

Zum Ende des Trainings teilt sich die Gruppe auf: Es wird ein richtiger Spielablauf trainiert. Die Variante, die die Aixplosives spielen, nennt sich Mixed Fastpitch Softball. Männer und Frauen spielen hier also gemeinsam. Fastpitch heißt die Variante deshalb, weil der Ball des Pitchers auf dem direkten Wege geworfen werden darf. Beim Slowpitch Softball muss der Ball im wörtlichen Sinne im hohen Bogen fliegen: Er muss in der Flugbahn eine Höhe von 1,80 Meter erreichen.

Zum Schluss bekomme ich dann auch noch einmal die Chance, mich auf dem Spielfeld zu beweisen. Beim dritten Versuch gelingt nach dem Schlag sogar die Rettung auf die erste Base – ich bin „safe“. „Fürs erste Mal war es schon ganz gut“, findet David Schroeter.

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