Aachen - Soerser Sonntag: Das Motto ist sehen und gesehen werden

Soerser Sonntag: Das Motto ist sehen und gesehen werden

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
5741027.jpg
Mehr als 30 Mal zieht Toni Gries am Soerser Sonntag seine Runden über Gelände des ALRV und nimmt dabei in seiner Aachen-Burtscheider Pferdeeisenbahn Hunderte von Besuchern mit. Brav und gleichmütig ziehen die beiden Kaltblüter Othello (l.) und Bronco die Tram. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wer am Sonntag einen Regenschirm dabei hatte, war ganz klar im Vorteil. Denn auch die Tatsache, dass es regnet, hat beim Aufgalopp zum Reitturnier in der Aachener Soers und während des CHIO sowieso schon Tradition.

Das Nass von oben aber beeindruckt die Aachener nicht sonderlich, sie kommen in Massen, sie fühlen sich dem Weltereignis in inniger Herzlichkeit verbunden. Und pilgern deshalb gerade zum Soerser Sonntag, dem Tag der Offenen Tür, an dem auch kein Eintritt bezahlt werden muss. Sehen und gesehen werden ist die Devise, ob mit oder ohne Schirm, ob mit Regen oder Sonne, die verzagt hinter dunklen Wolken hervorguckt.

Die hartgesottenen Besucher, die, die keinen Soerser Sonntag links liegen lassen, treffen sich am so genannten Rundoxer, der zentralen Theke gleich schräg gegenüber dem Abreiteplatz, um auf das kommende Wimbledon des Reitsports mit mindestens einem Bier anzustoßen. Um sich darauf die gesamte Anlage angucken zu können oder den Interviews auf der Bühne des Zeitungsverlages zu lauschen, die mit prominenten und weniger prominenten Zeitgenossen am Sonntag von unseren Redakteuren Martina Feldhaus, Achim Kaiser und Manfred Kutsch geführt werden.

Massen von Menschen

Durch die Zeltstadt, das Dorf der Läden, wälzen sich Massen von Menschen, sie wollen schauen, teilweise auch schon kaufen. Alles rund ums Pferd wird angeboten, Reitgerten und Lederstiefel beispielsweise, aber auch Kosmetika und Informationen zum Stromsparen.

Wahnsinnig beliebt ist die Aachen-Burtscheider Pferdeeisenbahn, die von Toni Gries quer durchs Gelände und mitten durch die Menschenmassen gelenkt wird. Gries muss dabei das eine oder andere Mal mit der Tramglocke warnend läuten, denn die Bahn wird von den beiden Kaltblütern Othello (elf Jahre alt) und dem 22-jährigen Bronco gezogen. Wie Gries selbst sind die zwei massigen Pferde die Ruhe selbst. Bei Ruhepausen lassen sie sich die Stirn streicheln, auch Kleinkinder, die zaghaft und dann mutiger mit ihren Händchen auf die Stirn patschen, werden gleichmütig von den Gries’schen Prachtrössern geduldet.

„Mehr als 30 Mal“, ist Gries’ Antwort auf die Frage, wie oft er denn seine Runden auf dem CHIO-Gelände dreht. Seine Passagiere wollen nach einem Abschnitt gar nicht mehr aussteigen, aber da bleibt der Kutscher hart: „Andere wollen auch mal mitfahren“, sagt er, ohne Widerspruch zu dulden. „Eine Rundfahrt ist nicht vorgesehen, immer nur einen Halt weiter“, erklärt Toni Gries die Regeln, die seit Jahren gelten. Seine Aachen-Burtscheider Pferdeeisenbahn ist zweifellos immer noch die größte Attraktion am Soerser Sonntag.

Nur wenig nach stehen dieser Attraktion der Showschlepp mit Meute der Rheinischen-Westfälischen Schleppjäger (eine toll anzusehene Hundemeute) und die Vorführung einiger Aachener und belgischer Höfe, die therapeutisches Reiten anbieten. Mit sonorer Stimme erklärt Moderator Volker Raulf, warum therapeutisches Reiten so wichtig ist.

Auch die Präsentation verschiedener Pferderassen, beispielsweise Shire Horse, Dülmener Wildpferd, Kaltblüter, Warmblüter, Tinker, Camargue-Pferde, Haflinger, Fjordpferde, Knapstrupper, Welsh Ponies und selbstverständlich die Vollblüter stehen dabei in der Gunst der insgesamt 27.000 Besucher.

Ein wenig enttäuscht war so mancher beim ökumenischen Gottesdienst: Diesmal waren „nur“ die Hundemeute und Pferde mit von der Partie. Keine anderen Tiere, keine Greifvögel, keine Kuh, keine Ziege, kein Hamster, keine Maus. Der Gottesdienst, geleitet vom katholischen Pfarrer Claus Wolf und seinem evangelischen Amtsbruder Olaf Popien, endete tragisch. Ein 18-jähriges Reitpferd brach nach dem Schlusssegen tot unter seinem Reiter zusammen. Die Menschen waren erschüttert.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert