So rollt die Tour 2017 durch unsere Region

Von: Christoph Pauli
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Bürgermeister und Landräte mit großer Vorfreude: In Düsseldorf stellten die Verwaltungschefs gestern Details der Tour-Etappe vor, die am 2. Juli durch die Region führen wird. Foto: Christoph Pauli
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Der Tour-Organisator für den deutschen Teil der Strecke, Sven Teutenberg (links), und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. Teutenberg stellte unter anderem das Aachener Teilstück für die 2. Etappe vor. Foto: Stadt Aachen/Büttgens

Düsseldorf/Aachen. Vor 25 Jahren stand Wolfgang Spelthahn am Straßenrand, als die Kolonne der Tour de France letztmals durch die Region huschte. „Das ging alles sehr schnell“, erinnert er sich. Am 2. Juli nächsten Jahres wird Spelthahn wieder am Straßenrand stehen, aus ihm ist inzwischen der Landrat des Kreises Düren geworden, der immer noch ein großer Anhänger des Radsports ist.

An diesem Sonntag im Juli rast der Tour-Tross stundenlang noch einmal durch die Region. Die zweite Etappe der Tour 2017 führt von Düsseldorf nach Lüttich, und die Fahrradprofis lernen Teile des Kreises Heinsberg, des Kreises Düren und natürlich die Städteregion und den Aachener Marktplatz kennen. Vermutlich haben sie bei der Arbeit wenig Muße, sich die Attraktionen am Wegesrand anzuschauen. Da bietet sich eine TV-Aufnahme für ruhigere Zeiten an. Die Etappe werden in 100 Ländern geschätzte 50 Millionen Zuschauer verfolgen, mehr Werbezeit gab es selten für die Region. „Die Tour ist das größte Sportereignis im nächsten Jahr, und wir sind dabei“, sagt Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel mit erkennbarer Zufriedenheit.

Der Verwaltungschef hatte gestern seine Amtskollegen aus den beteiligten deutschen Städten zum „Tour-Gipfel“ in den Düsseldorfer Schlossturm geladen. Am Rhein startet die Tour am 1. Juli. Nach 30 Jahren beginnt wieder einmal eine Frankreich-Rundfahrt in Deutschland. „Grand départ“ heißt der Auftakt bei den Marketingleuten, „knackiges Zeitfahren“, bei den Athleten. „Wir haben eine großartige Chance, die Region positiv zu präsentieren“, sagt Geisel und erntet beifälliges Nicken der Kollegen. „Wir stehen einen kurzen Moment im weltweiten Rampenlicht.“ Noch ist unklar, ob die ARD zu den übertragenden Sendeanstalten gehören wird, die Verhandlungen laufen, die Nachfrage in diesem Sommer blieb deutlich hinter den Erwartungen der Fernsehmacher zurück.

Startschuss am Rhein

Die Vorfreude wird dadurch nicht getrübt, diese Tour-Tage sind bereits in den Kalendern der Kommunen dick markiert. Der Besuch der Pedaleure wird in das wohl größte Straßen- und Volksfest der letzten Jahrzehnte in der Region eingebettet.

Die zweite Etappe beginnt am Tonhallenufer in Düsseldorf, wo sich die Fahrer langsam einrollen. Durch das Neandertal bis hinauf nach Mettmann führt der Kurs, der eine Schleife zurück in die Landeshauptstadt vorsieht. Später geht es nach Mönchengladbach, wo die erste Sprintwertung vorgesehen ist. Die Athleten erreichen den Kreis Heinsberg, vorbei am Tagebau Garzweiler, machen sich auf in den Norden des Kreises Düren, wo die Fahrer mit viel Wind und kaum Bergen rechnen müssen. „Die höchste schattenspendende Erhebung bei uns ist die Zuckerrübe“, grinst Spelthahn. Weiter geht es in die historische Stadt Jülich, die von 1794 bis 1814 zum französischen Staatsgebiet im Department de la Roer gehört. „Das Wahrzeichen, die Zitadelle, wird weltweit zu sehen sein“, freut sich Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs, der ein „französisches Fest“ ankündigt.

Sein Kollege Arno Nelles aus Würselen will das gesamte Wochenende Werbung für den Radsport machen. „Wir sind eine radsportbegeisterte Region, aber natürlich hat auch der Breitensport durch die Geschehnisse der letzten Jahre gelitten“, sagt Nelles. „Wir möchten tausende Menschen auf die Straße bekommen.“ Über Haaren erreicht der Tross schließlich Aachen, über Jülicher- und Peterstraße geht es hinauf auf das Kopfsteinpflaster am Markt. „Das gibt grandiose Bilder“, vermutet Oberbürgermeister Marcel Philipp schon heute. „Das ist allerbestes Stadtmarketing.“ Die großen Städte beteiligen sich mit 50 000 Euro an den Kosten, abgedeckt durch Sponsoren. Am Tag zuvor findet in Aachen das Rennen „Rund um Dom und Rathaus“ statt, ehe dann die Profis für ein paar Minuten auftauchen auf ihrem Weg nach Lüttich. Am Markt und Katschhof ist ein zweitägiges Fest geplant, das in schwierigen Zeiten auch ein Symbol für die grenzüberschreitende Freundschaft sein soll. „Für das erste Tour-Wochenende wäre ein Hotelplatz in Aachen für auswärtige Radsportfans ideal“, sagt Philipp im Werbeblock der Veranstaltung.

Sportlich verspricht diese Etappe schon am zweiten Tag Aufregung, vermutet Sven Teutenberg. Der Ex-Profi organisiert die deutschen Etappen und ist die Strecke schon abgefahren. „Bei so viel Aufmerksamkeit wird attackiert werden. Es wird die ersten Ausreißversuche geben“, vermutet Teutenberg, der aber von einem Massensprint am Ende des Tages in Lüttich ausgeht. Experten-Prognose: „Wenn Tony Martin am ersten Tourtag das Gelbe Trikot übernimmt, kann er es sicher verteidigen.“

Inzwischen tagen die Arbeitsgruppen für das Spektakel. „Die Umsetzung ist ein gutes Beispiel für regionale Zusammenarbeit“, sagt Philipp. Bei seinem Kollegen Spelthahn in Düren ist schon die erste Anfrage einer Schule eingegangen, die um „dienstfrei“ für diesen speziellen Tag gebeten hat. Der Landrat hat gerne zugestimmt, auch wenn das vielleicht seine Befugnis ein wenig überschreitet. Der Radfeiertag in der Region ist ohnehin ein Sonntag...

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