„So geht es nicht weiter“: Maastrichts Bürgermeisterin zu Europa

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Maastrichts Bürgermeisterin Annemarie Penn-te Strake, hier mit Theo Bovens, Governeur der Provinz Limburg. Foto: Jonathan Vos

Maastricht. Annemarie Penn-te Strake ist stolz darauf, Bürgermeisterin einer so lebendigen und internationalen Stadt wie Maastricht zu sein. Im Gespräch mit Katharina Menne erklärt sie ihre persönliche Beziehung zu Europa, wie sie mit der Verantwortung umgeht, die auf Maastricht lastet - und was sich in Europa ändern muss.

Was bedeutet Europa für Sie?

Annemarie Penn-te Strake: In erster Linie ist Europa der Kontinent, auf dem ich lebe. Aber es ist ein Kontinent, deren Einzelstaaten als Europäische Union versuchen, zusammenarbeiten und sich zu unterstützen. Natürlich sehe ich neben all den Vorteilen auch die Probleme, die dabei entstehen. Aber ich bin davon überzeugt, dass man seine Ziele nicht erreichen kann, ohne ein Fenster zu öffnen und nach draußen zu schauen.

Wie hat sich Maastricht seit der Vertragsunterzeichnung 1992 verändert?

Penn-te Strake: Seit ich Anfang der 80er Jahre hergezogen bin hat sich Maastricht von einer verschlafenen Kleinstadt in eine lebendige Stadt mit internationalem Flair entwickelt. Das lässt sich zwar nicht eindeutig am Einfluss des Maastrichter Vertrags festmachen, aber der hat sicherlich dazu beigetragen. Heute leben über 30 Prozent Nicht-Niederländer hier, knapp die Hälfte der Studenten kommt aus dem Ausland – man hört so viele unterschiedliche Sprachen auf der Straße, doch es funktioniert.

Was wird nach den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum des Maastrichter Vertrags bleiben?

Penn-te Strake: Anstatt des Begriffs „Feierlichkeiten“ sagen wir hier lieber „Erinnerung“ – denn was gibt es gerade wirklich zu feiern? Überall in Europa werden Zweifel laut und negative Stimmungen kommen hoch. Uns geht es deshalb mehr darum, die Idee eines geeinten Europas wieder aufleben zu lassen und zu vertiefen. Wir müssen die Debatte darüber neu anstoßen und die Leute zusammenbringen – die Befürworter und die Kritiker. Und was passt da besser, als das in Maastricht zu tun, der Geburtsstadt der Europäischen Union? Das Beste wäre natürlich, das gelänge uns auch über das Jubiläumsjahr hinaus.

Wie, glauben Sie, schaut die Jugend auf Europa?

Penn-te Strake: Das kann ich natürlich nur schwer beurteilen, aber ich sehe viele, die sich einsetzen. Auch der bisherige Zuspruch zum YO!-Fest lässt hoffen. Ich versuche den jungen Leuten immer wieder zu vermitteln, wie wichtig sie und ihr Einsatz für den Fortbestand der EU sind. Es ist ihre Zukunft und deshalb sollten sie sich einbringen mit ihren Ideen und Forderungen. Und sie sollten wertschätzen, was in der Vergangenheit geschafft wurde.

Wie blicken Sie selbst bei den aktuellen Turbulenzen in die Zukunft der EU?

Penn-te Strake: Es ist wahrscheinlich einfach mein Charakter, aber ich bin sehr positiv und hoffnungsvoll, dass wir die Spannungen überwinden. Die meisten Menschen wollen doch gerne zusammenarbeiten und miteinander in Kontakt stehen. Ich denke, dass wir in ein paar Jahren zurückschauen und uns sagen: Wir hatten stürmische Zeiten, aber wir haben es geschafft. Trotzdem denke ich, dass es nicht funktionieren wird, wenn sich nichts ändert. So wie es gerade ist, geht es nicht weiter. Wir müssen uns vor allem über zwei Dinge bewusst werden: Dass im Vertrag auch eine Unionsbürgerschaft festgeschrieben steht, über die nie gesprochen wird, und dass eine funktionierende Sozialpolitik mindestens genauso wichtig ist, wie eine prosperierende Wirtschaft. Wir müssen Europa wieder zum Funkeln bringen.

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