Aachen - Slotcar-Racing: Mit „Moby Dick“ brachial um die Kurve

Slotcar-Racing: Mit „Moby Dick“ brachial um die Kurve

Von: Thomas Vogel
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Wird in Köln das Werkzeug der Wahl sein: Der weiße Porsche 935 „Moby Dick“ im Maßstab 1 zu 32 vor seinem Besitzer und Teamchef Günter Rüben. Mitte April wird er gemeinsam mit zwei Anfängern – einer davon blutiger Beginner (ich) – in der Stadt am Rhein zu einem offiziellen Rennen gegen andere Teams antreten.
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Spannung in der Rennsituation: In Bardenberg beim SCR können vier Fahrer gleichzeitig auf der 28 Meter langen Bahn trainieren.

Aachen. Meine Mutter hat es oft erzählt. Mit drei Jahren konnte ich das Modell jedes Jaguars oder Mercedes, der vorbeifuhr, genau bestimmen. Meine Sammlung Matchboxautos war in meiner Kindergartengruppe legendär. Kaum über zehn Jahre alt, habe ich mir Bücher zum Geburtstag gewünscht – über die Geschichte der Marke Porsche oder exotische Sportwagen, die kaum jemand je zu Gesicht bekommen hatte.

Hat es einen Motor, dann ist es mein Ding – bis zum heutigen Tag hat sich daran nichts geändert. Günter Rüben aus Stolberg muss das geahnt haben. Für unsere Volontärs-Serie „Wir unterwegs“ hat er mich nominiert, um Slotcar-Racing auszuprobieren.

Nun ist Begeisterung für eine Sache aber nicht mit Talent gleichzusetzen. Das gilt auch für die Rennen, die auf Bahnen von Carrera und anderen Herstellern gefahren werden. Ob durch meine Adern tatsächlich Rennfahrerblut strömt, wird sich noch herausstellen müssen. Denn: Mitte April findet in Köln ein Rennen statt, zu dem etliche Teams anreisen. Teil dieser Teams sollen Anfänger im Slotcar-Rennsport sein. Anfänger wie ich. Günter hat uns mit einem weiteren Fahrer angemeldet. Um ein Gefühl für Fahrzeuge und Fahrbahn zu bekommen, trainiere ich ab sofort beim SCR Bardenberg. Das Slotcar-Rennteam betreibt eine eigene Strecke im Ortsteil von Würselen.

28 Meter, vier Spuren – und alles in einer kleinen Garage. Doch als die Metalltür aufschwingt, sind es weder die raumfüllende Bahn noch die liebevollen Details rund um die Strecke, die mir auffallen. Es ist der Klang der kleinen Elektromotoren, der wie eine Armee in den Gehörgang einmarschiert, um ihn zu besetzen. Die Motoren klingen nicht nur nach Zahnarzt-Bohrer, sie sind irgendwie auch genauso fies. Drückt man den Knopf zum Beschleunigen herunter, ist es, als drücke man den Abzug einer Waffe. Wie eine Pistolenkugel schießt das unter 100 Gramm schwere Rennwagen-Modell nach vorne.

In einem Drittel der Zeit, die ich eigentlich geschätzt hatte, erreicht er die erste Haarnadel-Kurve. Meine Augen stecken zu diesem Zeitpunkt noch auf halber Strecke im Beschleunigungsvorgang. Unweigerlich rast das Auto über die Bahn und kracht in die Leitplanke. Ein Außenspiegel, vielleicht fünf Millimeter lang, liegt am Streckenrand. Man versichert mir, das sei kein Problem. Puhhh, daran muss sich die Wahrnehmung erst einmal gewöhnen. Am besten schnell, bevor ich den Wagen, den „Team Günter“ im Kölner Rennen einsetzen will, beim Training komplett zerlege.

Günter nimmt den Rennwagen vom „Slot“ – dem Schlitz in der Fahrbahn, in den das Auto eingehängt ist. Über ihn bekommt das Auto seine Richtung vorgegeben und wird mit Strom versorgt. Der 58-Jährige nimmt Klebeband und rollt die Reifen darüber, um sie nach dem Crash von Schmutz zu befreien. Zu viel Dreck am Pneu, und der Grip geht verloren. Dann hat man in den Kurven erst recht keine Chance.

„Wenn du den Daumen komplett vom Drücker nimmst, bremst das Auto“, erklärt Günter. Ich probiere es vor der nächsten Kurve aus. Das Modell des Porsche 935, der seinerzeit wegen Form und Farbe den Spitznamen „Moby Dick“ verpasst bekam, braucht vielleicht zehn bis 15 Zentimeter und steht wie festgetackert. In mir keimt eine Idee davon, wie schwierig es sein wird, in dieser Mission nicht als Klotz am Bein des Rennteams zu enden.

Vielleicht gibt es gar keinen Grund, so pessimistisch zu sein. Die Rundenzeiten jedenfalls fallen, während die Zahl auf dem Rundenzähler steigt. Nach etwa 50 Runden ist der Eindruck noch immer aufwühlend. Gleich hinter einer engen Rechtskurve drücke ich den Daumen mit Macht auf den Drücker – Hahn auf, die Kiste schnalzt brachial nach vorne.

Was das Tempo angeht, täuscht man sich schnell: Zwar erreichen die Autos nur rund 25 Stundenkilometer. Weil sie aber so winzig sind, entsteht der Eindruck viel höherer Geschwindigkeiten. Ob mein Talent und ein wenig Training ausreichen, den Speed zu kontrollieren: Köln wird es zeigen.

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