Aachen/Düren - Skurrile Geiselnahme: Prozess wegen erpresserischen Menschenraubs

Skurrile Geiselnahme: Prozess wegen erpresserischen Menschenraubs

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Düren. Die vier jungen Männer im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, die sich seit Dienstag wegen erpresserischen Menschenraubes vor einer Großen Jugendkammer des Aachener Landgerichts verantworten müssen, waren am 3. September 2014 mit einem Peugeot 307 aus dem dänischen Aarhus angereist.

Am Ende dieses Septembertages beendete ein SEK-Kommando am Dürener Badesee eine Entführung, die einige Stunden zuvor mitten in Aachen begonnen hatte. Laut Anklageschrift wollten die vier Täter von einem Mann ägyptischer Herkunft Geld erpressen. Sie überraschten das Opfer laut Anklage in seiner Wohnung im Aachener Ostviertel, bedrohten ihn im Flur mit einem Messer und sagten, sie würden ihn töten, falls er nicht umgehend von seinem Onkel 10.000 Euro Lösegeld besorge.

Das Quartett zerrte den 52-Jährigen in den Fonds des Peugeot und düste in Richtung Düren ab. Am Badesee verschanzten sie sich in den Grünanlagen nahe eines gastronomischen Betriebes – es nutzte nichts, das Sondereinsatzkommando der Polizei befreite den Aachener.

Der Hintergrund der ungewöhnlichen Tatumstände bleibt bislang im Dunkeln. Zunächst wurde ein islamistischer Terrorhintergrund vermutet. Das liegt vor allem an der Person des 23-jährigen Michael C. aus Aarhus, der im Internet in seinem eigenen Blog martialische Bilder mit islamistischem Gewalthintergrund eingestellt hatte. Dort posiert er mit einem Sturmgewehr in der Hand und ließ sich jubelnd auf einem Flugabwehrgeschütz ablichten.

Bei der Befragung zur Person durch eine Dolmetscherin bestätigte der Angeklagte dem Gericht freimütig, in den vergangenen Jahren – zuletzt Ende 2013 – drei Mal in einem syrischen Camp der islamistischen Opposition gewesen zu sein, zunächst 14 Tage bei einem Schnupperkurs, dann sechs Wochen und am Ende des Jahres 2013 zwei Monate lang.

Er sei vor etwa sechs Jahren zum muslimischen Glauben übergetreten, erklärte Michael C. dem Gericht. Er habe aus „Sympathie für die Zivilbevölkerung“ gegen den syrischen Präsidenten kämpfen wollen

Zwei der dänischen Staatsbürger sind irakischer Herkunft, der 20-Jährige ist ein Jütländer, Michael C. stammt aus einer vietnamesischen Familie. Das auf 15 Verhandlungstage angesetzte Strafverfahren beschäftigt momentan acht Strafverteidiger, dazu eine kleine Kompanie von Wachbeamten. Der Prozess geht am Donnerstag weiter.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert