Simon Rolfes: Student, Unternehmer und TV-Fußballexperte

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Simon Rolfes
Firmeninhaber und Student: Simon Rolfes studiert und hat ein Unternehmen gegründet. Der ehemalige Leverkusener und Aachener Fußballprofi ist in unserer Region geblieben. Foto: Christoph Pauli
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Der Student im Gespräch mit Studenten: Simon Rolfes und die FH-Interviewer in seinem Eschweiler Büro. Die wollten wissen, welche Noten er schreibt. „Ganz gute“, lautete die Antwort. Foto: MCD
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Eine Szene, die an wirklich gute Alemannia-Zeiten erinnert: Simon Rolfes im Aachener Trikot in einem der legendären Uefa-Cup-Spiele. Foto: Imago
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Jubel mit Bayer Leverkusen: Beim Bundesligisten war Simon Rolfes lange Mannschaftskapitän. Foto: Imago
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Fußballexperte im Fernsehen: Simon Rolfes analysiert wichtige Spiele fürs ZDF. Foto: dpa

Aachen. Er kam 2004 von Werder Bremen zu Alemannia Aachen, wurde auf Anhieb Stammspieler und war hier überragender Zweitliga-Spieler. 2005 wechselte er zu Bayer Leverkusen. Dort wurde Simon Rolfes 26-facher Nationalspieler und später Mannschaftskapitän. Seine aktive Karriere beendete er 2015. Schon 2012 gründete er mit Markus Elsässer die „Rolfes & Elsässer – The Career Company“.

Wie sieht Dein Tagesablauf nach der aktiven Karriere aus?

Simon Rolfes: Ganz unterschiedlich. Es gibt den klassischen Bürotag von neun bis fünf, aber Fußball findet am Wochenende oder abends statt, so dass ich auch mal morgens oder am Nachmittag frei habe und abends Termine wahrnehme und unterwegs bin. Jede Woche ist anders. Diese Abwechslung mag ich sehr.

Wie gelingt die Umstellung von der „Wohlfühloase“ Profitum in den „normalen“ Berufsalltag?

Rolfes: In manchen Bereichen ist es natürlich eine Wohlfühloase, in anderen ist Fußball aber natürlich auch hart. Das darf man nicht unterschätzen. Man muss viel investieren, um da oben immer mitmachen zu können. Der Leistungsdruck ist enorm. Am Anfang war es zunächst sehr angenehm, ihn nicht mehr zu haben. Vorher habe ich im Gegensatz zu heute fast nur körperlich gearbeitet – ein Riesenunterschied! Die Umstellung für den Körper ist groß. Vor diesem großen Schritt hatte ich Respekt und mir selbst gesagt „Okay, du musst dir vielleicht ein Jahr geben, damit sich viele Sachen einspielen.“ Und da bin ich schon recht weit.

Du bist – genau wie wir auch – Studierender. Was und wo studierst Du?

Rolfes: Ich absolviere zwei Studien, einmal an der FH Koblenz in Remagen mit dem Master of Business Administration (MBA) im Sportmanagement. Das ist ein Fernstudium, da bin ich jetzt im 3,5. oder genauer 3,2. Semester angekommen. Außerdem strebe ich bei der UEFA einen internationalen Master im Sportmanagement an. Da muss man regelmäßig eine Woche präsent sein, immer an unterschiedlichen Standorten. Wir hatten im November Seminare in Genf bei der UEFA und beim IOC. Dort ging es unter anderem um die Verbandsstruktur und ihren Aufbau. Und dann gab es im Januar Seminare in Paris, im März London, dann in München, immer zu unterschiedlichen Themen. Das ist sehr interessant und dauert bis zum nächsten Frühjahr. Weitere Seminare sind in New York mit dem Schwerpunkt US-Sport. Und dann steht das Abschlussprojekt an.

Und welche Noten schreibt der Student Rolfes?

Rolfes: (lacht) Ganz gute.

Kannst Du Quereinsteigern ein Fernstudium empfehlen?

Rolfes: Auf jeden Fall. Wenn man das gut organisiert und beim Lernen effizient ist, kann man das wunderbar neben einem Beruf machen. Man bildet sich weiter, man kann auch in andere Bereiche gehen – selbst wenn man einen Beruf hat, kann man über den Tellerrand hinaus wirklich Fortschritte machen. Dafür ist ein Fernstudium super.

Welche Perspektiven siehst Du für dich selbst?

Rolfes: (lacht) Ich bin Optimist. Es ist natürlich ungewöhnlich, dass man erst einmal 15 Jahre lang Fußball spielt. Der Fußballbereich ist extrem vielseitig geworden, es gibt unglaublich viele Aktionsmöglichkeiten – viel mehr als vor 15, 20 Jahren. Fußball ist ein riesiges Business geworden. Da kann jeder seinen Platz finden und ich habe den Vorteil, dass ich dieses Fußballgeschäft sehr gut von Innen kenne.

Wie meisterst Du Krisenzeiten?

Rolfes: Krisen gibt es immer, überall. An den guten Sachen weiter festhalten und weiter machen, dann kommt man da raus. Das war auch im Sport immer so. Man muss am Tag nach der Niederlage genau das Gleiche tun wie am Tag nach einem Sieg. Du darfst dich nicht herunterziehen lassen.

Woher kommt Dein Antrieb, und was ist Deine Motivationsquelle?

Rolfes: Ich möchte gerne erfolgreich sein. Und ich bin recht kreativ, ich habe viele Ideen. Es macht Spaß, sie umzusetzen. Mein Motto lautet: Versuche, mehr Erfolge als Misserfolge zu haben!

Was reizt Dich am Rheinland?

Rolfes: Dass ich hier so verankert bin, hat meine Frau zu verantworten. Was reizt mich? Zuerst meine Frau! Das Rheinland war mir zuvor überhaupt nicht vertraut, ich hatte gar keine Beziehungen hierher und hatte dann eine super Zeit in Aachen, habe neue Freunde kennengelernt – einfach schön, auch die Mentalität der Leute gefällt mir sehr.

Wer war Dein größtes Idol in deiner Kindheit?

Rolfes: Andreas Herzog von Werder Bremen. Kennt Ihr den noch? Wahrscheinlich nicht. Das war mein Idol. Maradona natürlich auch, aber Herzog war mein Vorbild. Ich war immer Werder-Fan.

Wie ist Dein Engagement beim ZDF als TV-Experte zustande gekommen?

Rolfes: Als bekannt wurde, dass ich als Profi aufhöre, gab es ziemlich viele Anfragen, auch von anderen Sendern. Das ZDF hat sich dann entschlossen, diese Sportreportage als neues Format zu entwickeln, um damit sein Portfolio zu erweitern. Das ZDF hat für die Champions League eine Stammbesetzung mit Olli Kahn und mich hat es gefragt, ob ich mir vorstellen kann, ergänzend bei Länderspielen oder Champions League dabei zu sein – und das ist hochinteressant.

Wie beurteilst Du die Marktsituation als Spielerberater? In England werden immer höhere Gehälter gezahlt…

Rolfes: Das ist eine Herausforderung, weil die Engländer wesentlich mehr Geld haben. In diesem Sommer wird es wirklich spannend, weil sie zum ersten Mal damit richtig wuchern können. Die Bayern haben das clever gemacht, mit drei oder vier Spielern vor drei, vier Monaten zu verlängern. Ich bin mal gespannt, was jetzt passiert, und ob da große Transfers aus der Bundesliga funktionieren; denn zurzeit sind die Bundesliga-Spieler sehr günstig zu bekommen.

Das ist doch für einen Spielerberater, der einen Spieler nach England vermittelt, das gemachte Nest!

Rolfes: Die Expansion der Gehälter führt dazu, dass die Spielerberater mehr verdienen. Aber so einfach ist das nicht. Man muss genau darauf achten, ob der Spieler überhaupt nach England passt. Die Spielweise ist völlig anders als in Spanien oder in Deutschland.

Und dann gibt es „Wunder“ wie die Meisterschaft von Leicester City. Wie ist das möglich?

Rolfes: Durch eine Schwäche der Engländer. Sie haben massenhaft Geld, aber sie investieren es extrem schlecht. Sie kaufen unglaublich teure Spieler ein, die aber nicht unbedingt nach England passen. Das ist in Deutschland so nicht der Fall. Die meisten Vereine haben hier nicht so viel Geld, die müssen beachten, dass ein Transfer wirklich passt. Das ist in England nicht so wichtig und das führt zu Schwächen etwa bei Manchester City, Manchester United, Chelsea, Liverpool. Und deswegen hat ein Team wie Leicester eine Chance - mit einer exakten Strategie: Passend zur Mannschaft stellen sie sich hinten rein, spielen lange Bälle und forcieren den Kampf. Das passt hundertprozentig, da greift alles ineinander. Das wäre in der Bundesliga so nicht möglich – Leicester würde in der Bundesliga nie Meister werden, weil Dortmund und Bayern einfach viel besser sind. Und das sieht man auch international, da spielen die Engländer kaum eine Rolle – nur Liverpool in der Europa League. Die Dortmunder haben immer noch Alpträume, weil sie viel besser als Liverpool waren. Sie haben das wegen der Emotion hergegeben, nicht wegen der Qualität.

Gab es eine ähnliche Konstellation wie bei Leicester City in Deiner Zeit als Spieler bei Alemannia Aachen im UEFA-Cup?

Rolfes: Ein bisschen kann man uns mit Leicester vergleichen. Die anderen haben uns unterschätzt. Die damalige Alemannia war sehr effizient zusammengestellt. Unser Manager Jörg Schmadtke hat das fantastisch gemacht, es war eine sehr clevere Mannschaft. Ein paar Ältere mit Erstligaerfahrungen wie Erik Meijer und Stefan Blank und ein paar junge, das war eine gute Mischung. Und den Willi (Landgraf, Anm. d. Red.) darf man natürlich als Ikone nicht vergessen. Wir hatten eine tolle Stimmung, die Situation war tatsächlich sehr ähnlich im Vergleich zu Leicester.

Hast Du noch ein Trikot aus den Alemannia-Zeiten?

Rolfes: Klar, zu Hause. Alles verwahrt.

Du hast vor einigen Wochen Gespräche mit der Führungsspitze der Alemannia über ein mögliches Engagement bei Deinem alten Arbeitgeber geführt. Warum kam das nicht zustande?

Rolfes: Letztlich war es meine Entscheidung. So wie ich mir das vorgestellt hatte, war die Umsetzung nicht möglich. Die Gespräche waren in Ordnung, kein Problem, aber ich sah dann keine realistische Chance auf einen Erfolg.

Wurdest Du bei diesem Termin auch zur Personalie Alexander Klitzpera befragt?

Rolfes: Nein, überhaupt nicht, ich habe damit nichts zu tun.

Ist die Tür zur Alemannia nun zu?

Rolfes: Aktuell ja. Ich denke nicht, dass sich kurzfristig etwas daran ändert, möchte jedoch grundsätzlich nichts ausschließen.

Warum sind für einen Klub Spieler aus der eigenen Region wichtig und welche Grundsteine müsste ein Verein legen?

Rolfes: Extrem wichtig, man muss sehr genau schauen, welches Profil und welche Chancen man als Verein hat. Bayern München kann als internationaler Verein Spieler aus aller Welt zusammenkaufen. Aber sogar die Bayern versuchen immer noch, viele deutsche Spieler im Verein zu haben und es tut ihnen auch gut, dass darunter noch einige Münchener sind. Schweinsteiger war lange da, Müller, Lahm, Neuer ist auch fast eingebürgert, der FC Bayern hat immer noch Spieler aus der eigenen Jugend. Man kann die Identität zu einer Mannschaft extrem über Regionalität herstellen. Wenn wir es auf Aachen beziehen, dann ist die Erwartungshaltung eines Fans gegenüber einem Spieler, der aus Stolberg kommt oder bei Westwacht Aachen gespielt hat, deutlich toleranter und großzügiger. Bei einer Mannschaft, die einen sehr regionalen Charakter besitzt, ist die Identität viel höher. Dafür ist eine gute Jugendarbeit notwendig.

Kürzlich gab es die Meldung, dass das Unternehmen „Rolfes & Elsässer – The Career Company“ 50 Prozent des Würselener Unternehmens GoalControl GmbH übernommen habe. War der regionale Aspekt ausschlaggebend?

Rolfes: (lacht) Regional ist natürlich wunderbar. Es ist sogar vor der Haustür. Ich hatte schon vor längerer Zeit einen Artikel über die GoalControl GmbH gelesen und fand das einfach Interessant. GoalControl hat einen strategischen Investor aus dem Sport gesucht – ich wollte mich unternehmerisch im Sport engagieren. So passte das wunderbar zusammen.

Und welche Erwartung verbindest Du damit?

Rolfes: GoalControl weiter nach vorne zu bringen. Mein Know-how aus dem Sport einzubringen. Grundsätzlich glaube ich einfach, dass bei der digitalen Erfassung des Spiels noch viel passieren wird. Es hat eine große Zukunft und GoalControl ist top aufgestellt. Auch mit der RWTH Aachen im Hintergrund für den technischen Bereich – das kann eine sehr, sehr gute Synergie werden.

Welche Marktchancen siehst Du vor allem mit Blick auf die britische Konkurrenz, die das „Hawk Eye“ entwickelt hat, das zumindest in der Bundesliga den Zuschlag bekam?

Rolfes: In der Bundesliga wird bald neu ausgeschrieben. Es gibt mit „Hawk Eye“ einen Konkurrenten und da werden wir sehen, dass wir in anderen Punkten besser sind. Bei der Bildübertragung schafft GoalControl 500 Bilder pro Sekunde und „Hawk Eye“ nur 300. Die Exaktheit oder Datenmenge ist bei GoalControl deutlich höher, fast das Doppelte. Wir sind gut aufgestellt und überhaupt nicht bange.

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