Düsseldorf/Aachen - Siebt die RWTH Studienanfänger aus?

Siebt die RWTH Studienanfänger aus?

Von: abt/dpa
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Düsseldorf/Aachen. Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) sagt Hochschulen den Kampf an, die zu viele Studienanfänger durchfallen lassen. „Die Abbrecher-Quote soll zum Makel werden”, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Düsseldorf.

„Jetzt ist es ja teilweise ein heimlicher Elite-Beleg, wenn man es schafft, viele in den ersten Semestern herauszuprüfen.” Es gehe nicht darum, Qualitätsanforderungen zu senken. Die Universitäten müssten aber mehr Brückenkurse anbieten, um Absolventen der vielen verschiedenen Schulen auf den erforderlichen Stand zu bringen - was nach Angaben von RWTH-Professor Aloys Krieg aber bei weitem nicht ausreiche.

In der Tat, bestätigt der Prorektor für Lehre der RWTH Aachen, kommen in den Ingenieursstudiengängen nur „50 Prozent durch”. Das sei mehr oder weniger bei allen führenden Technischen Universitäten so und im übrigen seit Jahrzehnten der Fall. Damit sei man keinesfalls zufrieden. „Wir müssen dringend daran arbeiten”, sagt Krieg unumwunden.

Es reiche allerdings absolut nicht, einfach zu verlangen, die Hochschulen müssten die Studierenden nehmen wie sie sind und ihnen etwa mit Brückenkursen zu helfen. Solche Kurse in Mathematik biete man ja seit vielen Jahren an. „Aber wir brauchen unbedingt mehr Verbindlichkeit von den Teilnehmern.” In diesem Jahr seien zum Beispiel nur halb so viele Leute gekommen wie sonst. „Das große Problem ist die Heterogenität der Studienanfänger, die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen der Schulabgänger.” Lösungen des Problems kann sich der Aachener Prorektor durchaus vorstellen, zum Beispiel „Übergangssemester vor der Festlegung auf ein bestimmtes Fach”.

Damit könnte auch ihrem Ziel einen Schritt näher kommen: die Studienabbrecher-Quote um 20 Prozent zu senken. Derzeit liege sie in den Bachelor-Studiengängen bundesweit bei durchschnittlich 28 Prozent - 35 Prozent an Universitäten, 19 Prozent an Fachhochschulen, berichtete die Ministerin. Sie möchte zudem den Anteil der Studierenden, die eine Fachhochschule statt einer Universität besuchen, von derzeit 30 auf 40 Prozent steigern.

Obwohl der Bund bislang keine Zusage für die dringend notwendigen zusätzlichen Fördermittel gegeben habe, werde NRW den Ausbau der Studienplätze für den doppelten Abiturjahrgang 2013 bewältigen, versicherte Schulze. Prognosen zufolge kommen 2013 rund 123 000 Studienanfänger auf die Hochschulen in NRW zu. Das wären rund 3400 mehr als 2011. Allerdings seien diese Schätzungen der Kultusministerkonferenz zu niedrig. Bereits im vergangenen Jahr sei der Anstieg mit 38 500 zusätzlichen Erstsemestern mehr als doppelt so hoch ausgefallen wie prognostiziert.

Schulze lobte die Kreativität der Hochschulen beim Ausbau ihrer Kapazitäten. So habe etwa die Universität Duisburg/Essen ein Kino für Vorlesungen angemietet - „mit gepolsterten Sitzen” - und die Universität Paderborn einen benachbarten Baumarkt. Dortmunder Erstsemester werden inzwischen im Westfalenstadion begrüßt.

Die Ministerin ermutigte Studierende, sich nicht vom Numerus clausus (NC) abschrecken zu lassen. Zwar seien in NRW - neben bundesweitem NC, etwa auf Medizin - 45 Prozent der Studiengänge aus Kapazitätsgründen mit einem Orts-NC zulassungsbeschränkt. Allerdings kämen am Ende in vielen Fällen auch Bewerber mit deutlich schlechterem Schnitt zum Zuge.
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