„Sie lügen, Herr Staatsanwalt!”: Große Gesten im Corvette-Prozess

Von: Wolfgang Schumacher
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Mercedes, Corvette und BMW: Gerhard H. muss sich wegen Untreue verantworten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Donnerstag kam Staatsanwalt Hanno Gläsker in schweres Fahrwasser. „Ich werde Sie in den Zeugenstand bringen. Sie lügen!”, herrschte Strafverteidiger Gottfried Reims den Vertreter der Anklagebehörde an.

Im sogenannten Corvette-Prozess vor dem Aachener Landgericht, bei dem sich der Ex-Geschäftsführer des DRK-Aachen Gerhard H., 58, wegen Untreue verantworten muss, geht es weiter hoch her. In dem Prozess soll unter anderem geklärt werden, ob H. zwischen 2002 und 2006 mehrere Luxusdienstwagen zu Recht oder zu Unrecht fuhr und außerdem Honorare an den damaligen Vorsitzenden des Aachener Kreisverbandes zahlte - damit dieser stillhielt.

Wo sind die Aktenordner?

Ebenso wie Anwalt Reims will inzwischen auch der Vorsitzende der 8. Großen Strafkammer, Richter Harald Brandt, selbstständig nach ent- oder belastenden Beweisen suchen, so löchrig scheint das vorliegende Ermittlungsergebnis zu sein. Vor unruhigem Publikum - der Richter musste sich mit einem Machtwort Gehör verschaffen - sah dann die Staatsanwaltschaft wie der damals ermittelnde Hauptkommissar, Walter Backes, nicht gut aus.

Hintergrund des Juristenkleinkrieges sind 300 fehlende Aktenordner, die vor zwei Jahren vom DRK-Düsseldorf gegen den Willen der Aachener „weggeschafft” (Reims) wurden, selbst körperliche Rangeleien soll es damals gegeben haben. „Ich will von Ihnen endlich wissen, Herr Zeuge”, machte der Anwalt mit großer Geste ein bisher dicht verschlossenes Fass auf, „wo die damals vom DRK-Landesverband konfiszierten 300 Aktenordner sind”.

Immer wieder geht es um diese verschwundenen Papierberge und um angeblich zerstörte Festplatten - der gegenseitige Verleumdungskrieg tobt noch bis heute. Was der Kommissar zur Aufklärung beitrug, war wenig. Die 300 Akten habe man eben nicht gebraucht, erklärte er, sie seien deshalb in Düsseldorf beim DRK-Landesverband verblieben. Dort seien sie von der Wirtschaftsprüfergesellschaft „Tasco”, die das DRK beauftragte, gesichtet worden. „Und sie haben es nicht für nötig befunden, selbst hineinzuschauen und sie zu den Ermittlungen hinzuzuziehen?”, fragte Reims hörbar atemlos. Nein, antwortete der Polizist, man sei mit dem ausgekommen, was man so hatte. Einiges stehe noch in einem Karton auf dem Revier.

Weitere Merkwürdigkeiten

Der Anwalt griff zur Feder und formulierte einen Antrag. Er will nun alle Akten einsehen, das geböten die Vorschriften für „ein faires Verfahren”. Richter Brandt hatte anfangs Schriftstücke mit bislang unbekanntem Inhalt an beide Parteien ausgehändigt. Gegen Mittag dann entließ er den Polizisten vorläufig mit neuen Beweisermittlungsanträgen, die entlasten könnten.

Doch auch weitere Merkwürdigkeiten kamen ans Licht. So fuhr H. neben seinen dienstlichen Chevrolet-Corvette-Sportwagen bislang unbekannterweise zusätzlich privat einen Mercedes-SLK-Zweisitzer mit teurem Tuning. Den Sprit dafür soll er ebenfalls auf DRK-Rechnung getankt haben, was jetzt Gegenstand eines weiteren Steuerstrafverfahrens ist. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.
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