Sie kommen in Deutschland einfach gut an, die lockeren Holländer

Von: Christoph Driessen
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Sylvie van der Vaart hat die M
Sylvie van der Vaart hat die Moderation von „Lets Dance” übernommen. Auch sie gilt als prototypische Vertreterin der lockeren holländischen Art, vor die Kamera zu treten. Das kommt hierzulande gut an. Foto: dpa

Köln. Was haben die Deutschen nur mit den Holländern? Sylvie van der Vaart (32) moderiert jetzt die RTL-Show „Lets Dance”. Zuerst war sie nur „die Frau von...”, nämlich von Fußballspieler Rafael van der Vaart, nun ist er eher „der Mann von...”.

Damit tritt Sylvie in die Fußstapfen von Lou van Burg, Rudi Carrell, Marijke Amado („Mini Playback Show”), Harry Wijnvoord („Der Preis ist heiß”) und Linda de Mol („Traumhochzeit”).

Eigentlich kann man sogar noch weiter zurückgehen. Der erste, der die Deutschen mit der sanften holländischen Aussprache vertraut gemacht hat, war Johannes Heesters: „Ich knupfte manche ssarte Bande...” Dieser Akzent scheint auch schon eine der Hauptursachen des Erfolges zu sein. Wir mögen vielleicht nicht das gurgelnde Holländisch selbst, wohl aber das vom holländischen Akzent weichgespülte Deutsch. Ein Holländer kann vermutlich nicht „Stillgestanden!” rufen, und das gefällt uns.

Rudi Carrell (1934-2006) wusste das sehr genau und hat deshalb nie richtig Deutsch gelernt, obwohl er 40 Jahre in Deutschland gewohnt hat. Sylvie van der Vaart muss sich in dieser Hinsicht auch keine Sorgen machen. Sie erhöht ihren Drolligkeitsfaktor durch Sätze wie: „Das war ein Party!”

Der zweite Trumpf der Holländer im deutschen Fernsehen ist die ihnen nachgesagte Lockerheit. Vermutlich rührt diese Vorstellung im Ursprung daher, dass jeder Deutsche mal einen Holländer auf dem Campingplatz getroffen hat, der sich gleich mit Vornamen vorstellte und fragte: „Hast du mal etwas Milch voor meine koffie?” Und ist es nicht auch so, dass die holländische Königin mit dem Fahrrad zum Einkaufen fährt? Nein, das ist nicht so. Aber wenn es so wäre, würde es die Deutschen nicht überraschen.

Was Carrell etwa auszeichnete, war auch eine gewisse Courage, die in Deutschland zunächst als „Flapsigkeit” ausgelegt wurde. In den 60er Jahren, als die deutsche Fernsehunterhaltung noch eine Mischung aus Bildungsbürger-Quiz und buntem Abend war, wagte der Schlaks mit dem Überbiss und dem zerknautschten Gesicht als erster auch mal einen zynischen Witz.

1987 löste er mit einem Spot über Ajatollah Khomeini in „Rudis Tagesshow” eine diplomatische Krise und Demonstrationen in Teheran aus.

An die lockeren Sitten der holländischen Gastarbeiter haben sich die Deutschen anfangs erst gewöhnen müssen, das war kein leichter Auftakt. Lou van Burg (1917-1986) musste 1967 die Moderation der sensationell erfolgreichen ZDF-Show „Der Goldene Schuß” abgeben, nachdem bekanntgeworden war, dass seine TV-Assistentin Marianne ein Kind von ihm erwartete. Für Onkel Lou bedeutete das die Höchststrafe - neun Jahre Butterfahrten.

Der Fußball-Trainer Louis van Gaal hat das in der deutschen Öffentlichkeit fest gefügte Bild von der Lockerheit des tapferen kleinen Volkes hinter den Deichen wohl stärker erschüttert als alle Rechtspopulisten von Pim Fortuyn bis Geert Wilders. Nachdem der Bayern-Trainer in einem Interview erwähnt hatte, dass ihn seine Kinder siezen müssten, bekam der Berliner Korrespondent einer holländischen Zeitung privat zum ersten Mal negative Reaktionen zu seiner Nationalität.

Aber nun ist ja bald alles wieder in Ordnung: Louis geht, Sylvie ist da. Und dann stimmt das Klischee wieder.

Carrell war nicht immer gut drauf

Was viele gar nicht wissen: Gerade Rudi Carrell war bei der Arbeit und auch außerhalb alles andere als locker. Er war ein Perfektionist, der zu seinen besten Zeiten einen Wutanfall bekam, wenn die anderen nicht genauso gut vorbereitet waren wie er. Sein scheinbar entspanntes Auftreten vor der Kamera beruhte auf extrem guter Vorbereitung.
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