Sicherungsarbeiten an Kölner U-Bahn-Baugrube gestartet

Von: dpa
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Kölner U-Bahnbau
Die Mängel beim Bau der Kölner U-Bahn sind noch weit schwerwiegender als bisher bekannt. Die Stadt Köln teilte am Donnerstagabend mit, dass in der innerstädtischen Baugrube Heumarkt zum Teil nur 17 Prozent der vorgesehenen Stahlbügel eingebaut wurden. Foto: dpa

Köln/Düsseldorf. Zum Schutz vor drohendem Hochwasser sind an einer gefährdeten U-Bahn-Baugrube in Köln die Sicherungsarbeiten angelaufen. Unterirdisch würden derzeit schwere Stahlplatten in der Baustelle angebracht, sagte ein Sprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), der Bauherrin der Milliardenprojekts, am Mittwoch.

Die Platten sollten wie ein Korsett von innen dafür sorgen, dass der Druck von außen durch steigende Wassermassen nicht zu hoch werde. Eine zweite Schutzmaßnahme soll eine Flutung der Grube für den Notfall bei Extrem-Hochwasser vorbereiten. Beides soll bis Ende der Woche beendet sein.

Immer neue Berichte über Pfusch an der Baugrube Heumarkt - und auch an zwei weiteten U-Bahn-Schächten in der Innenstadt - hatten Verwirrung und Sorge um die Sicherheit gebracht. An der Baustelle Heumarkt, die nahe am Rhein liegt, könnte bei Rhein-Hochwasser - und damit auch steigendem Grundwasserspiegel - ein Fluten der Grube zur Stabilität der Baukonstruktion nötig werden. Derzeit steht der Rhein- Pegel noch bei 2,70 Metern, er soll aber ab dem Wochenende steigen. Nach Prognosen könnte es zu einem Anwachsen auf bis zu acht Meter kommen. Die KVB arbeitet mit Hochdruck an den Sicherungsmaßnahmen, sieht aber keinen Wettlauf mit der Zeit.

Erkenntnisse über Baumängel und Spekulationen über organisierten Betrug beim U-Bahn-Bau hatten in den vergangene Wochen zugenommen. Demnach sollen für 28 unterirdische stabilisierende Schlitzwände falsche Vermessungsprotokolle angefertigt worden sein. Mindestens an der Baustelle Heumarkt fehlen bis zu 83 Prozent der erforderlichen Eisenbügel, bei den anderen beiden Baugruben wird noch untersucht, ob es auch hier Pfusch gab. Die Eisenbügel sollen an einen Schrotthändler verkauft worden sein.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit den Missständen mit dem U-Bahn-Bau inzwischen in drei parallelen Fällen gegen zwölf Personen. Direkt an einer der nun ins Visier geratenen Baustellen war das Stadtarchiv am 3. März 2009 eingestürzt, zwei Menschen starben. Hier laufen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt weiter.

Angesichts der Pfusch- und Betrugsvorwürfe soll das Thema nun auch auf die politische Agenda: Die NRW-Grünen wollen es am 4. März im Düsseldorfer Landtag auf die Tagesordnung setzen und verlangen von Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) Aufklärung zu den Missständen bei dem Kölner Großprojekt.

Lienenkämper hatte vor einigen Tagen von „offensichtlich hochkriminellen Vorgängen” gesprochen. Das Bauvorhaben umfasst nach derzeitigem Stand laut KVB eine Milliarde Euro. Das federführende Bauunternehmen Bilfinger Berger war wegen der Mängel in die Negativschlagzeilen geraten und hatte drei Mitarbeiter suspendiert. Die KVB prüft weiter, ob sie die Verträge mit den Baufirmen auflösen soll.

Nach den sich häufenden Vorwürfen in Köln werden nun auch die Baustellen der geplanten neuen Düsseldorfer U-Bahn näher unter die Lupe genommen. Wie ein Sprecher der Stadt am Mittwoch mitteilte, laufe die Prüfung aller Protokolle zu den bisher fertiggestellten Schlitzwänden auf Hochtouren. Rund 700 Protokolle, die alle Schritte bei der Herstellung der teilweise über 30 Meter in den Boden reichenden Wände dokumentieren, würden noch einmal kontrolliert. Auffälligkeiten hätten sich bisher nicht gezeigt, hieß es weiter.

Matthias Vollstedt, der Leiter des Verkehrsdezernats bei der Bezirksregierung Düsseldorf sagte auf Anfrage der Deutschen Presse- Agentur dpa am Abend: „In Köln gibt es ein Problem. In Düsseldorf gibt es nicht einmal Indizien für ein Problem.” Die Bodenverhältnisse seien in beiden Städten ähnlich. Zum Teil seien dieselben Unternehmen, teilweise auch dasselbe Personal auf den Baustellen im Einsatz. Damit es auch in Düsseldorf weiterhin kein Problem gibt, würden alle Erkenntnisse aus Köln ohne zeitliche Verzögerung weitergegeben.

In Düsseldorf könnten die notwendigen Prüfungen „mit aller Sorgfalt durchgeführt werden”, sagte Baudezernent Gregor Bonin laut einer Mitteilung. „Die Schlitzwände für die U-Bahn-Stationen liegen noch im Erdreich und der Tunnelausbau hat hier noch gar nicht begonnen.” Ein ausführlicher Bericht zu allen eingeleiteten Prüfungen wolle die Stadt am 24. Februar in einer öffentlichen Sitzung des Ordnungs- und Verkehrsausschusses geben. Bis dahin werde an der insgesamt 3,4 Kilometer langen Trasse weiter gearbeitet.

Die Düsseldorfer „Wehrhahn-Linie” soll 2015 den Betrieb aufnehmen. Die Baukosten werden derzeit auf 650,5 Millionen Euro beziffert.

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