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Sicherheitskonzept zur Tour: Düsseldorf schweigt

Von: Frank Christiansen
Letzte Aktualisierung:
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Soll sicher durch Deutschland fahren: der Tour-Sieger von 2007 und 2009, Alberto Contador. Foto: dpa

Düsseldorf. Das Sicherheitskonzept umfasst mehrere Hundert Seiten und ist streng vertraulich. Wenn zum Auftakt der 104. Tour de France am 1. Juli rund eine Million Besucher nach Düsseldorf kommen, wollen die Sicherheitskräfte nichts dem Zufall überlassen. Seit Monaten stehen die Verantwortlichen unter Hochspannung. „Die heiße Phase hat begonnen“, sagt ein Sprecher der Stadt.

Aus dem umfangreichen Sicherheitskonzept soll indes kein Detail an die Öffentlichkeit geraten. Etwaige Attentäter sollen sich nicht auf das einstellen können, was ihnen die Sicherheitsbehörden beim Grand Départ entgegensetzen.

Ob in Düsseldorf die Eliteeinheit GSG 9 zum Einsatz kommt wie im Jahr zuvor das französische Pendant bei der Tour in Frankreich, wird nicht verraten. Andererseits ist kaum vorstellbar, dass sich keine Spezialeinheiten der Polizei bereithalten, wenn neben Sportprominenz möglicherweise auch noch Staatschefs in die Landeshauptstadt kommen.

Die Polizei bereitet sich auf einen enormen Großeinsatz vor, sagt offiziell aber nichts dazu. Obwohl seit Monaten fast täglich Pressemitteilungen zum Tour-Auftakt in Deutschland auf die Redaktionen einprasseln, hüllen sich die Verantwortlichen zu Sicherheitsfragen in kollektives Schweigen.

Es wird in der Düsseldorfer Innenstadt zu umfangreichen Sperrungen kommen, die den Bürgern einige Langmut abverlangen werden, so viel ist bekannt. Als Konsequenz aus den Attentaten von Berlin und Nizza durch islamistische Terroristen waren bereits bei den letzten Großveranstaltungen in Düsseldorf an neuralgischen Punkten massive Sperren aufgestellt worden, die Lastwagen als Waffe stoppen sollen. Doch auch dazu: keine Auskunft.

Nicht nur die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor, auch Sicherheitsunternehmen und mehr als 2500 freiwillige Helfer sind im Einsatz. Seit Monaten werden die Beteiligten von Sicherheitsbehörden durchleuchtet und überprüft: „Das nimmt kein Ende“, sagt ein Mitarbeiter der Organisation: „Wenn jetzt auch noch Emmanuel Macron kommt ...“.

In Frankreich war die Tour im vergangenen Jahr von 23 000 Polizisten entlang der 3500 Kilometer Strecke geschützt worden. So viele werden es für den Deutschland-Auftakt nicht, die Strecke ist vergleichsweise überschaubar. Trotzdem treibt die deutschen Verantwortlichen nicht nur die latente Terrorgefahr um, sondern auch die Erinnerung an die Loveparade-Katastrophe in Duisburg. Wo sich eine Million Menschen drängen, muss Platz geschaffen, müssen Engpässe vermieden werden.

Wie leicht in nervösen Zeiten eine Massenpanik ausbrechen kann, hat unlängst das Public Viewing beim Champions-League-Finale in Turin gezeigt, als mehr als 1500 Menschen verletzt wurden.

Beim Japan-Tag 2016 in Düsseldorf, zu dem nach offiziellen Angaben 750 000 Menschen kamen, war es Augenzeugen zufolge zu gefährlichem Gedränge gekommen, das zum Teil durch fliegende Händler ohne Genehmigung verursacht wurde. Mit Argusaugen hatten die Organisatoren in diesem Jahr darauf geachtet, dass sich das nicht wiederholt.

„Mit Großveranstaltungen haben wir ja reichlich Erfahrung“, sagt ein Sprecher der Stadt. Ob Karneval, Rheinkirmes oder Japan-Tag, wenn die Rheinländer feiern, treten sie gerne in sechs- oder siebenstelliger Zahl auf. „Wir sind alle nicht naiv, die Zeiten haben sich geändert“, hat auch Tour-Chef Christian Prudhomme gesagt.

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