Sepp Herberger weist im Sportmuseum Köln den Weg

Von: Martin Thull
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Da geht’s lang: Sepp Herberger, der Trainer der Weltmeister-Elf von 1954, wird im Sportmuseum in Köln auf diese Weise geehrt. Foto: Martin Thull
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Eine besonders in Aachen bekannte Sportart wird natürlich auch gewürdigt: das Turmspringen. Foto: Martin Thull

Köln. Sepp Herberger hockt als lebensgroße Foto-Silhouette am Eingang und weist den Besuchern des Deutschen Sport- und Olympiamuseums in Köln den Weg. Gleich hinter ihm parkt der Formel-1-Rennwagen, in dem Michael Schumacher seinen zweiten Weltmeistertitel eingefahren hatte. Die Unterschiede könnten kaum größer sein.

Hier der Trainer der Weltmeistermannschaft von 1954 im schlichten Trainingsdress, dort der über und über mit Sponsorenlogos beklebte Rennwagen. Die Fahrerkluft in der Vitrine zeigt ein ähnliches Bild.

Die Entwicklung des Sports und des olympischen Gedankens zeigt dieses privat geführte Museum am früheren Kölner Zollhafen – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schokoladenmuseum gelegen – an einer Vielzahl von Exponaten von der Antike im griechischen Olympia bis zu den Trendsportarten des 21. Jahrhunderts. Und das quer durch alle Disziplinen.

Im Grunde hat der organisierte Sport mit den alle vier Jahre in Griechenland stattfindenden olympischen Spielen begonnen. Eine überlebensgroße Nachbildung einer antiken Herkulesstatue stimmt ein in diese Frühzeit, in der ganz andere Regeln galten, auch wenn die Sportgeräte durchaus verwandt sind. Und die 5,7 Kilogramm schwere Diskusscheibe kann in der Nachbildung angehoben werden. Auch wenn es die Kopie einer dem Göttervater Zeus gewidmeten Sportgerätes ist – es ist ganz schön schwer. Erst recht, wenn man das Gerät möglichst weit schleudern muss.

Asklepiades hat das bei den Spielen im Jahr 241 nach Christi Geburt als Bester geschafft und wurde Olympiasieger im Fünfkampf, bekränzt mit einem Lorbeerkranz. Medaillen gab es erst später. Wie übrigens auch Sponsoren oder Geschenke. Das Kaffee-Service, das die deutschen Fußballerinnen nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1989 als „Prämie“ erhalten hatten, wirkt angesichts der heute aufgerufenen Geldsummen weniger lächerlich als peinlich.

Es sind immer wieder die Gedenkstücke, die Sportler zur Verfügung gestellt haben, bereits in der Eingangshalle sind etwa der Fingerring für die Schwergewichtsweltmeisterschaft von Max Schmeling oder die Handschuhe der Torfrau der deutschen Fußballnationalmannschaft, Silke Rottenberg, zu bewundern. Dort findet sich auch der in Bronze gegossene rechte Fuß von Pelé, den viele für den besten Fußballer aller Zeiten halten – bis jetzt jedenfalls.

Weltrekord auf dem Boden

Man wünscht sich die teils lehrreichen Erläuterungen zu den einzelnen „Fundstücken“ etwas besser lesbar. Aber darauf kommt es am Ende gar nicht an. Ein- drucksvoll, einzelne Sportgeräte in Originalgröße zu sehen. Oder auf dem Boden den Weitsprungweltrekord von 8,95 Metern, von Mike Powell (USA) 1991 aufgestellt, abzuschreiten. Am Aufzugsschacht ist die Weltrekordhöhe im Stabhochsprung von über sechs Metern angezeigt. Größenordnungen, die sich der sportbegeisterte Fernsehsportzuschauer kaum vorzustellen vermag.

So lüftet das Museum auch das eine oder andere Geheimnis: Etwa, warum Armin Hary bei seinem 100-Meter-Olympiasieg in Rom 1960 nicht die von Adidas eigens entwickelten Sprintschuhe „Roma 9,9“ getragen hat, sondern die der Konkurrenz von Puma. Erst bei der Siegerehrung trug er die Schuhe mit den drei Streifen. Es wird an der Vitrine mit dem Schuh berichtet, es sei dabei damals auch um finanzielle Unterstützung gegangen. Gerüchte, die nie bestätigt wurden, wäre dies doch ein Verstoß gegen die Bestimmungen des Amateursports gewesen. Goldene Zeiten – wie naiv war man damals eigentlich?

Besonders bemerkenswert – unter den vielen eindrucksvollen Informationen – ist die Abteilung zu den Sommerspielen 1972 in München. Wie dort die entscheidenden Sekunden vieler Sportarten gegeneinander geschnitten wurden, das lässt einen erneut mitfiebern. Und wie dann der Terroranschlag auf die Olympiamannschaft Israels ohne falsches Pathos eingefügt ist bis hin zu der denkwürdigen Aussage des IOC-Präsidenten Avary Brundage „The games must go on – Die Spiele müssen weitergehen“ – das ist schon allein den Besuch wert.

Eine besondere Torwand gibt es in dem Raum, der dem Fußball gewidmet ist: Auf 24 kleinen Bildschirmen ist ein Tor nach dem anderen zu sehen – Torschuss, (vergebliche) Torwartparade, Jubel. Tore, seit es bewegte Bilder gibt. An viele mag man sich erinnern als engagierter Fernsehzuschauer, andere, auch kuriose, sieht man zum ersten Mal. Und in den Vitrinen reihum die Entwicklung der Fußballschuhe, signierte Trikots, Pokale. Und aus den Lautsprechern in Endlosschleife die Reportage von Heribert Zimmermann vom Endspiel 1954 in Bern: „Rahn müsste schießen, Rahn schießt, Toooor!“

Eher ruhig dagegen die Präsentation der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Die schnarrende Stimme von Adolf Hitler, als er die Spiele eröffnet, Ausschnitte aus Leni Riefenstahls Filmen. Dazu gibt es in den Vitrinen Erinnerungsstücke, Medaillen, Orden, Souvenirs, bedrucktes Papier. Aber auch das Staffelholz, das die deutsche Schlussläuferin fallen ließ, klar in Front liegend und die Goldmedaille vor Augen. Pech, das Sportgeschichte schrieb.

An anderer Stelle der zertrümmerte Tennisschläger von Boris Becker, als der seinen Frust über sein mangelhaftes Spiel bei den Australian Open 1987 an seinem Sportgerät ausließ. Daneben aber auch die Schläger von Steffi Graf und Gottfried von Cramm – Generationen, die nicht nur zwischen den Spielern selber liegen, sondern auch in der Entwicklung des Schlägers. Anschaulich auch dies ohne viele Worte.

Kopierte Fälschung

Offenbar gibt es nichts, was nicht auch gefälscht wurde. Und so fiel dem Kölner Hauptzollamt die Nachbildung der Trophäe der Uefa Champions League auf, die aus China importiert werden sollte. Normal wäre sie den Weg dieser Warenkategorie gegangen und eingeschmolzen worden. Doch ein Anruf des Museums verhinderte dieses Vorgehen. Und so steht diese Kopie nun – als Fälschung gekennzeichnet – in der Vitrine.

Eine hübsche Idee bietet sich dem Besucher gegen Ende der Timeline: Spinde. Etwa das des deutschen Olympiapfarrers. Utensilien für den Gottesdienst hat Thomas Nonte gestiftet. Beim langjährigen Masseur der deutschen Fußballnationalmannschaft Erik Deusser finden sich Salben und Öle, bei den zwei Spinden der Familie Ecker-Rosendahl Trikots und Sportschuhe. Da lässt sich einiges entdecken quer durch die Sportarten.

Doch es geht in diesem Museum nicht nur um das Schauen, etwa der Skulptur der Kunstspringerin, die von der Decke hängt. In kleinem Rahmen kann der Besucher sich auch selbst sportlich betätigen: Etwa die Reaktionszeit beim Sprintstart messen, versuchen, an den Weltrekord im Standweitsprung (3,47 Meter) heranzuhüpfen, oder im Boxring den Sandsack schlagen. Wem das keine Herausforderung ist, der kann die Sportplätze auf dem Hallendach nutzen, trockenes Wetter vorausgesetzt.

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