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Sechs Wochen lang keine Züge zwischen Düren und Stolberg

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Gesperrt: So verweist wie dieser Bahnhof bei Frankfurt werden nächsten Sommer auch viele Bahnhöfe zwischen Aachen und Düren sein. Tausende Berufspendler werden betroffen sein. Foto: stock/Ralph Peters

Aachen. Die Deutsche Bahn hat das grundsätzliche Problem, ständig schlechte Botschaften überbringen zu müssen, von denen meist Tausende Menschen betroffen sind. In der jüngsten Zeit hat die Bahn sich daher angewöhnt, absehbare schlechte Botschaften nicht zu weit im Voraus bekannt zu geben, wahrscheinlich, damit der öffentliche Ärger weniger Zeit hat, sich Luft zu verschaffen.

Und ganz gewiss wollte die Bahn nicht schon am 10. Oktober bekanntgeben, was sie den Menschen in der Region nach Informationen unserer Zeitung in den Sommerferien 2015 zumuten wird: Die Bahnstrecken zwischen Stolberg und Düren und zwischen Aachen-Hauptbahnhof und Aachen-Rothe Erde werden vom 26. Juni bis zum 10. August in beide Richtungen komplett gesperrt.

Böse Vermutungen

Was das bedeutet, weiß jeder, der auf die Bahn angewiesen ist: Berufspendler werden sich entweder ein Auto kaufen, oder jeden Tag den sogenannten Schienenersatzverkehr in Anspruch nehmen müssen. Pendler zwischen Aachen und Köln etwa würden von Aachen-Rothe Erde aus nach Stolberg mit dem Zug fahren. Von dort aus stiegen sie in einen von der Bahn bereitgestellten Bus um, der sie zum Bahnhof in Düren bringt. Dort setzen sie die Reise mit dem Zug fort. Auf der Rückfahrt wäre dieselbe Prozedur in umgekehrter Reihenfolge erforderlich, und das sechs Wochen lang. Um wie viel Zeit sich die jeweilige Reise verlängern würde, kann man im Moment nur schätzen.

Dass die Deutsche Bahn zwei Streckenabschnitte auf der wichtigen Bahnverbindung Aachen-Köln derart lange sperrt, lässt die Dringlichkeit der Bauarbeiten erahnen. Die Verluste, die der Bahn AG aufgrund der Streckensperrungen entstehen werden, dürften in die Millionen gehen. Die Vermutung liegt daher nahe, dass die Gleise zwischen Aachen und Düren tatsächlich in bedenklichem Zustand sein müssen, wenn die Bahn solche Verluste in Kauf nimmt. Doch die Bahn gab sich am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung eher einsilbig. Ein Sprecher erklärte, Details zu den anfallenden Arbeiten erst im nächsten Jahr bekanntgeben zu wollen.

Oliver Krischer aus Düren, stellvertretender Vorsitzender der Grünen im Bundestag, befürchtet „ein Chaos sondergleichen“. Zudem werde diese Sperrung nicht die letzte zwischen Aachen und Köln sein, denn aufgrund dringend notwendiger Brückensanierungen dürften sich Bahnreisende auf weitere Sperrungen einstellen.

Die Ursache für Sperrungen wie die im Sommer 2015 liegt laut Krischer in einem Sanierungsstau gewaltigen Ausmaßes. Allein die Zahl der Brücken, die in der gesamten Republik saniert oder neu gebaut werden müssen, ist unüberschaubar groß. „Hätte die Bahn sich weniger mit ihrem Börsengang beschäftigt und nicht Hunderte Millionen für irrsinnige Auslandsabenteuer wie die Übernahme des maltesischen Busverkehrs oder der mongolischen Staatsbahn verpulvert, wären wir vielleicht schon etwas weiter“, sagte Oliver Krischer am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Im November ist er zum sogenannten allgemeinen Austausch beim Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, eingeladen. Krischer will sich bei dieser Gelegenheit dafür einsetzen, dass der Streckenausbau zwischen Aachen und Düren vorangetrieben wird.

Eine unendliche Geschichte

Ein drittes Gleis für diese Strecke wird von Politikern aller Parteien schon seit Jahren, fast seit Jahrzehnten gefordert. Aber getan hat sich noch immer nichts: eine unendliche Geschichte. Der Alsdorfer Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt (CDU) erklärte am Freitag, das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium werde Ende 2014 oder Anfang 2015 entscheiden, ob das von der nordrhein-westfälischen Landesregierung beantragte dritte Gleis zwischen Düren und Aachen in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen wird.

Das wäre notwendig, damit das Projekt überhaupt eine Chance hätte, jemals realisiert zu werden. Aber selbst wenn das dritte Gleis aufgenommen würde, wäre keinesfalls garantiert, dass es auch gebaut wird. Oliver Krischer jedenfalls geht im Moment davon aus, „dass wir noch sehr, sehr lange auf das dritte Gleis warten werden“.

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