Schwerhörig: Prozess gegen Ex-SS-Soldaten vertagt

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Mutmaßlicher SS-Mörder Heinrich Boere
Der Angeklagte B. (links, vorne) sitzt in Aachen im Saal des Landgerichts. Einer der wohl letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse begann am Mittwoch gegen den 88-Jährigen. Als Mitglied eines SS-Kommandos hat er 1944 drei Niederländer erschossen. Foto: dpa

Aachen. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Heinrich Boere, 88, ist vor dem Aachener Landgericht am Dienstagmorgen erneut nicht vorangekommen.

Am 6. und am 9. November hatten die beiden Verteidiger des ehemaligen SS-Soldaten aus Eschweiler Anträge eingereicht, denenzufolge Boere ein Hörgerät erhalten soll, um dem Prozessverlauf uneingeschränkt folgen zu können. Ein Hals-, Nasen-, Ohrenarzt hatte dem des dreifachen Mordes angeklagten Boere vergangene Woche sehr eingeschränktes Hörvermögen besonders der hohen Stimm- und Tonlagen attestiert. Das Gericht stimmte den Anträgen zu und vertagte sich auf nächste Woche Dienstag.

Noch während der Verhandlung empörte sich der Vertreter der Nebenklage, der Kölner Rechtsanwalt Detlef Hartmann, über das Vorgehen der Verteidigung und warf ihr „Verzögerungstaktiken” vor. Es sei Boere zwar nicht vorzuwerfen, dass er schlecht höre, allerdings sei die Hörschwäche ja kaum überraschend aufgetreten. Hartmann warf Boere und seinen Verteidigern vor, nicht schon vorher ein Hörgerät bestellt zu haben, um so einen zügigen Prozessverlauf zu gewährleisten.

Verteidiger Gordon Christiansen hielt dem entgegen, dass die attestierte Hörschwäche selbst für das Pflegepersonal des Eschweiler Altenheimes, in dem Boere lebt, „eine Überraschung gewesen” sei. Das beeinträchtigte Hörvermögen sei offenbar deswegen nie aufgefallen, weil alle Menschen, die mit Boere sprechen, in dessen unmittelbarer Nähe stünden. Dies sei vor Gericht aber anders.

Die Vertreter der Anklage wurden durch das Attest des HNO-Arztes nach eigener Aussage überrascht. Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß sagte nach der Verhandlung, er sei davon ausgegangen, dass die bereits erstellten und vorliegenden Gutachten alle Gebrechen Boeres aufgelistet hätten.

Der vierte Verhandlungstag soll nächsten Dienstag um 10 Uhr in Saal A0.020 des Landgerichtes Aachen stattfinden. Anklage und Verteidigung rechnen damit, dass der Vorsitzende Richter Gerd Nohl dann erneut die Anklage verlesen lässt.

Boere hat bereits mehrfach gestanden, im Sommer 1944 im Rahmen von Vergeltungsaktionen drei Menschen in den Niederlanden erschossen zu haben. Bereits 1949 wurde er in Amsterdam zum Tod verurteilt.
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