Düsseldorf/Aachen - Schweinepest: Die Landesregierung bläst zur Jagd

Schweinepest: Die Landesregierung bläst zur Jagd

Von: Joachim Zinsen
Letzte Aktualisierung:
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Jäger und Gejagte: Auch in Nordrhein-Westfalen rücken Wildschweine zunehmend ins Visier. Foto: dpa

Düsseldorf/Aachen. Weil in Polen und Tschechien die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen ist, will die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die Wildschweinbestände drastisch reduzieren. Um die Tiere landesweit deutlich intensiver bejagen zu können, hat das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf mit sofortiger Wirkung die Schonzeit für die Schwarzkittel aufgehoben.

Ausgenommen von der Regelung sind lediglich Muttertiere und Frischlinge unter 25 Kilo. Der Bund für Naturschutz und Umwelt (BUND) kritisiert diese Maßnahme.

„Wir wollen verhindern, dass die Krankheit auch in NRW ausbricht“, betonte am Donnerstag Peter Schütz, Sprecher des Ministeriums, gegenüber unserer Zeitung. Das artspezifische Virus sei zwar keine Gefahr für den Menschen. Aber er bedrohe die stark auf den Fleischexport orientierte Schweinemastindustrie im Norden Nordrhein-Westfalens und im Süden Niedersachsens. Wenn die Krankheit dort auftrete, könne das zu Milliardenverlusten führen. Vor allem die wichtigen Märkte in Ostasien würden schnell mit einem Importverbot auf den Ausbruch der Schweinepest reagieren.

Dabei räumt Schütz ein, Wildschweine seien nicht der primäre Überträger der Krankheit. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf direktem Weg das Virus einschleppen, ist eher gering“, so der Sprecher des Ministeriums von Christina Schulze Föcking (CDU), deren Ehemann im Münsterland einen Schweinemastbetrieb verwaltet. Deutlich höher sei die Gefahr durch Menschen. Beispielsweise indem diese Nahrungsmittel wegwerfen, die mit dem Virus kontaminierte Fleischreste enthalten.

Oder indem Jagdtouristen an Kleidung oder Ausrüstungsgegenständen Krankheitserreger nach Deutschland bringen. Trotzdem sei die verstärkte Jagd auf das Schwarzwild angezeigt. Denn wenn das Virus einmal freigesetzt sei, würden Wildschweine ihn regional sehr schnell verbreiten und möglicherweise auch auf Hausschweine übertragen. „Mit jedem geschossenen Wildschwein sinkt die Ansteckungsgefahr“, so Schütz.

39.000 erlegte Tiere

Schätzungen über die Höhe der Wildschweinpopulation in NRW wollte der Ministeriumssprecher nicht machen. Er betonte jedoch, dass in der Jagdsaison 2016/17 rund 39.000 Tiere erlegt worden seien, sich ihre Zahl aber trotzdem deutlich erhöht habe. Gleichzeitig verwies es auf Empfehlungen des Bundes, den derzeitigen Bestand um 70 Prozent zu reduzieren.

Deutlicher Widerspruch kam am Donnerstag von Seiten des BUND. Deren NRW-Vorsitzender Holger Sticht bezeichnete die Maßnahmen als „völlig unwirksamen und kontraproduktiven Aktionismus“. Schon heute sei die Jagd auf Wildschweine sehr intensiv. Dabei habe man die Beobachtung gemacht, dass die Tierbestände auf eine stärkere Bejagung mit einer höheren Vermehrungsrate reagieren würden.

„Wenn beispielsweise eine Leitbache aus einer Rotte abgeschossen wird, ist es häufig so, dass im kommenden Jahr deutlich mehr Bachen aus dem Familienverband Nachwuchs bekommen“, betonte Sticht gegenüber unserer Zeitung. Dass der Wildschweinbestand in NRW generell zu hoch sei, verneinte der Umweltschützer. „Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Tiere in unserem Land nahezu ausgerottet. In den vergangenen Jahrzehnten sind sie lediglich in ihre alten Lebensräume zurückgekehrt.“

Statt auf die drohende Schweinepest mit einer höheren Abschussrate zu reagieren, sollte die Landesregierung stärker die Bevölkerung aufklären. „Ihr muss deutlicher gemacht werden, welche Gefahren vom Jagdtourismus und vom Wegwerfen von Lebensmitteln ausgehen“, betonte Sticht.

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