Schulze will Studienabbrecher nicht widerstandslos verlieren

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Auf anderem Kurs als die Bundesbildungsministerin: Svenja Schulze. Foto: imago/Rüdiger Wölk

Aachen/Düsseldorf. In einigen Ingenieurwissenschaften in Nordrhein-Westfalen bricht jeder zweite Student sein Studium ab. Mit ihrem Hochschulzukunftsgesetz, das am Mittwoch im Landtag zur Anhörung auf der Tagesordnung steht, will NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (auch) diese Zahl der Studienabbrecher senken, während Bundesbildungsministerin Johanna Wanka mit der Idee vorgeprescht ist, diese Abbrecher fürs Handwerk abzuwerben.

Was Schulze von dieser Idee hält, hat sie unserem Redakteur Thorsten Karbach erläutert.

Das Handwerk sucht Nachwuchs, da kommen Studienabbrecher gerade recht, und in NRW gibt es davon genug. Was halten Sie davon?

Schulze: Sicherlich ist es sinnvoll, Brücken zwischen Ausbildung und Studium zu schaffen. Aber die erste Priorität muss sein, allen Studierenden einen vernünftigen Weg zum Studienabschluss aufzuzeigen. Nicht jedes Mathematikgenie ist im sprachlichen Ausdruck super. Aber daran kann es arbeiten. Wir können uns nicht leisten, dass ein solcher Student sein Studium abbrechen muss. Gerade in den technischen Fächern fehlen uns die Absolventen. Da müssen wir ein machbares Studium ermöglichen.

Der Ansatz von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, dem angesprochenen Mathematikgenie eine Zukunft im Handwerk zu schaffen, ist also falsch?

Schulze: Er ist zumindest zu kurz gedacht. Wir müssen zunächst an der Qualität der Lehre an den Hochschulen arbeiten. Früher war die Studierendenschaft homogener; heute sitzt neben der 17-jährigen Abiturientin einer, der schon eine Ausbildung gemacht und ein paar Jahre gearbeitet hat. Das ist eine Herausforderung für die Lehre, und dieses Problem müssen wir an Ort und Stelle – also in den Hochschulen – anpacken.

Aber wie?

Schulze: Wir müssen verstärkt Einstiegshilfen und Brückenkurse aufbauen und die Beratung verbessern. Wir haben die Initiative „Erfolgreich studieren“ gestartet, in der 14 Maßnahmen formuliert haben. Vor allem gilt es, die erste Phase des Studiums besser zu machen. Wir müssen mit unterschiedlichen Lehrangeboten auf die heterogene Studierendenschaft eingehen.

Geschieht das denn nicht schon?

Schulze: Es gibt vielversprechende Ansätze, aber wir können noch mehr machen. Und gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die Qualität des Studiums nicht leidet. Wir wollen nicht das Niveau von Forschung und Lehre herabsetzen.

Dieser Spagat scheint kaum möglich.

Schulze: Doch! Der Ausbildungssektor hat es uns vorgemacht. Auch hier ist die Gruppe der Auszubildenden immer heterogener geworden, und die Qualität der Ausbildung ist gleichbleibend hoch.

Das Problem Studienabbrecher ist dabei nicht neu. Warum wurde es nicht früher angegangen?

Schulze: Erstmal stand der doppelte Abiturjahrgang im Mittelpunkt, wir mussten dafür die nötigen Kapazitäten an den Hochschulen schaffen. Nun wollen wir die Qualität in der Lehre verbessern. Es gibt leider immer noch Professoren, die eine hohe Durchfallquote als Zeichen von Qualität ihrer Lehre werten. Aber das ist elitärer Dünkel; diese Professoren befinden sich auf dem Holzweg.

Ist in solchen Fällen nicht Hopfen und Malz verloren?

Schulze: Nein, das hoffe ich doch nicht

Erwarten Sie Widerrede beim Thema Studienabbrecher im neuen Hochschulzukunftsgesetz?

Schulze: Wir brauchen am Ende des Tages in Deutschland Master und Meister. Leider ist an dieser Stelle ein künstlicher Gegensatz geschaffen worden, ein konkurrierendes Werben um junge Leute. Es gibt die Forderung, dass von vornherein weniger Menschen studieren. Aber welche Eltern wollen schon, dass bei ihren Kindern angefangen wird? Wir dürfen hier keinen Konkurrenzkampf zulassen. Wir müssen stattdessen die Durchlässigkeit zwischen Ausbildung und Studium erhöhen. Entscheidend muss sein, was jemand im Kopf hat, und nicht, was die Eltern im Geldbeutel haben. Wir brauchen ein Studium, das alle schaffen können, ohne das Niveau abzusenken.

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