Köln - Schule lebt auch von Eltern und Ehrenamtlern

Schule lebt auch von Eltern und Ehrenamtlern

Von: Anne-Kathrin Keller, dpa
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Eltern und Landschaftsgärtner verschönern ehrenamtlich in den Sommerferien den Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule Rösrath. Foto: dpa

Köln. Bagger graben, Bäume werden gefällt und Hügel aufgeschüttet. Wo sonst Grundschüler ihr Pausenbrot mümmeln, ist in den Sommerferien eine Großbaustelle entstanden.

Der Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule Rösrath (GGS) nahe Köln soll schöner werden. Daran arbeiten 100 Landschaftsgärtner der Bundesarbeitsgemeinschaft selbstverwalteter Gartenbaubetriebe (BaseG) und viele Eltern ­ ehrenamtlich und mit Idealismus. Das Projekt zeigt, was mit Eltern- Engagement möglich ist, wenn öffentliche Gelder nicht fließen.

Wo bisher graue Asphaltböden wenig zum Spielen und Toben einluden, entstehen derzeit Kletterpfade, Sandkästen, Aussichtspunkte und ein Schulgarten. Knapp 800.000 Euro würde der Schulhofumbau in Rösrath regulär kosten. Geld, das eine städtische Grundschule nicht hat. Auch die Rösrather Elternschaft hat dieses Geld nicht, allerdings eine gute Ausgangslage.

Der Verein Rösrather Kinderhaus, der als Kooperationspartner der Stadt für die Ganztagsbetreuung an der GGS zuständig ist, hatte über Jahre Geld für ein Horthaus gesammelt. Der Plan wurde aber nicht verwirklicht, die gesammelten 50.000 Euro nicht ausgegeben. „Wir wollten mit dem Geld etwas an der Grundschule machen, was nicht Pflichtaufgabe der Stadt ist”, sagt Sandra Freischem, Vorsitzende des Elternvereins.

Pflichtaufgabe der Kommunen ist die Instandhaltung der städtischen Schulgebäude. Die Gestaltung von Schulhöfen gehört aber nicht dazu. Einmal angelegt, bleiben die Schulhöfe oft Pflasterstein-Wüsten. Für die Verschönerung von Schulen ist in den Etats kaum Geld vorgesehen. Die Stadt Köln etwa stellt im Jahr 2009 für Schulverschönerungen nur 200 000 Euro zur Verfügung.

Bei 285 städtischen Schulen in Köln sind das 700 Euro pro Einrichtung. Das Geld ist in erster Linie für Anstriche in Klassenzimmern und Fluren gedacht. Den Pinsel müssen Lehrer, Eltern und Schüler dabei selber in die Hand nehmen.

Geld für Schulhöfe stellen die Städte in der Regel gar nicht zur Verfügung. Klettergerüste, Reckstangen oder Fußballtore - all dies ist auf Schulhöfen nur möglich, wenn der Förderverein der Schule Geld eintreiben kann. Dann steht das Schulverwaltungsamt den Eltern zur Seite und berät sie.

„Wir knüpfen Kontakte, überprüfen die Sicherheit und Baubedingungen und vermitteln wenn möglich Fördermöglichkeiten„, sagt ein Sprecher des Schulverwaltungsamts Köln. Die Initiative müsse aber immer von Eltern- oder Schülerschaft kommen. Die Stadt übernimmt die Kosten für den Schulhofumbau nur, wenn Neubauten entstehen oder durch andere Arbeiten der Pausenplatz aufgerissen werden muss.

„In Bundesländern, wo das Geld knapp ist, laufen Schulhöfe Gefahr zu verrotten”, klagt Rainer Lutter von der BaseG. Er ist einer der rund 100 BaseG-Landschaftsgärtner, die jedes Jahr eine Woche ihres Urlaubs für ein ehrenamtliches Projekt zur Verfügung stellen. Dieses Jahr in Rösrath. „Der Schulhof hat es einfach bitter nötig”, sagt Lutter. „Wir wollen einerseits zeigen, dass ganz viel möglich ist, wenn man anpackt, aber auch darauf verweisen, dass sich die Politik nicht aus der Verantwortung stehlen darf.” Bildung sei Aufgabe des Schulträgers. Lutter hofft, dass das Projekt Ausstrahlungskraft hat und die Schulhöfe mehr in den Blickpunkt der Politik geraten.

Elterninitiativen sind auf Unterstützer wie die BaseG angewiesen. Denn selbst, wenn sich genug engagierte Eltern finden, fehlt Geld, Zeit und das nötige Know-how. Auch in Rösrath war viel Überzeugungsarbeit nötig. „Viele im Lehrerkollegium, bei den Eltern und bei der Stadt waren skeptisch, ob das finanziell wirklich möglich ist”, erinnert sich Freischem.

Geld sammelten Eltern und Schüler bei Sponsoren, in harten Verhandlungen mit Material-Lieferanten und durch Aktionen wie Schulbasare. Die BaseG verringerte durch ihren ehrenamtlichen Einsatz die Kosten noch einmal. Letztlich zahlt die Elterninitiative ein Zehntel der regulären Kosten des Projekts.

Aber die Kosten hören nach dem Umbau nicht auf, denn auch für die Instandhaltung des Schulhofes muss die Elternschaft aufkommen. Wer sich einmal engagiert, bleibt der Sache verpflichtet. Für die Kinder in Rösrath zahlt sich der Einsatz aus, da ist sich Freischem ganz sicher.
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