Schuldzuweisungen im Prozess um Mord an ehemaligem Journalisten

Von: dpa
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Düsseldorf. Im Prozess um den Mord an einem ehemaligen SPD-Mitarbeiter und Journalisten hat einer der beiden Angeklagten die Hauptschuld auf seinen mitangeklagten Freund geschoben.

Er habe den 21-Jährigen mehrfach aufgefordert, von dem Opfer abzulassen, sagte der 19-Jährige am Donnerstag beim Prozessauftakt am Düsseldorfer Landgericht aus. Zugleich räumte er ein, an dem Verbrechen im Düsseldorfer Florapark beteiligt gewesen zu sein und das Opfer auch selbst geschlagen zu haben.

Die zwei als Intensivtäter bekannte Angeklagte müssen sich seit Donnerstag wegen Mordes an dem 54-Jährigen verantworten. Die Verteidiger streben eine Verurteilung ihrer Mandanten nach Jugendstrafrecht an. Damit würde nicht mehr lebenslang, sondern nur zehn Jahre Haft als Höchststrafe drohen.

Der 19-Jährige gestand, dass sein Freund angekündigt habe, den arbeitslosen Akademiker umzubringen. Er habe die Ankündigung aber nicht ernst genommen. Auslöser der Tat sollen Schuldvorwürfe des 54- Jährigen gewesen sein. Dieser habe den 21-Jährigen für den Tod einer alten Dame ein Jahr zuvor an gleicher Stelle verantwortlich gemacht. Die Frau war in dem Teich ertrunken, in dem der 21-Jährige später versucht haben soll, den arbeitslosen „Professor”, so der Spitzname, zu ertränken.

Das Opfer sei ruhig und friedlich gewesen, dennoch habe sich sein Freund plötzlich auf ihn gestürzt und mit Fäusten auf ihn eingeprügelt, sagte der 19-Jährige. Die 19 und 21 Jahre alten Männer sollen ihr Opfer in einem Park in der Innenstadt dreimal äußerst brutal angegriffen haben.

Die mit 26 Messerstichen übersäte Leiche des 54-Jährigen war im August im Düsseldorfer Florapark entdeckt worden. Das Opfer war früher auch Lehrer, Journalist, Gewerkschaftssekretär und Mitarbeiter des ehemaligen SPD-Fraktionschefs und NRW- Arbeitsministers Friedhelm Farthmann gewesen. Dann war er arbeitslos geworden und hatte sich regelmäßig mit Bekannten in dem Park getroffen, von denen er „Hans, der Professor” genannt wurde.

Laut Anklage rissen die Männer eine Parkbank aus der Verankerung und warfen sie auf ihr stark betrunkenes Opfer, das sich kaum gewehrt haben soll und 3,4 Promille Alkohol im Blut hatte. Die Männer sollen den betrunkenen 54-Jährigen erneut angegriffen und versucht haben, ihn im Teich des Parks zu ertränken. Dazu sollen sie ihn so lange unter Wasser gedrückt haben, bis der Mann kein Lebenszeichen mehr von sich gab.

Das Duo soll dann nach Hause gefahren und mit einem Messer und Handschuhen zum Tatort zurückgekehrt sein. Als sie den 54-Jährigen, wieder bei Bewusstsein, am Ufer des Teichs sitzen sahen, sollen sie wie im Blutrausch 26 Mal zugestochen haben. Beide Männer waren bereits in der Düsseldorfer Intensivtäter-Datei registriert. Ein 17- jähriges Mädchen hatte ihnen zunächst ein falsches Alibi gegeben. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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