Schützen wollen Unesco-Schutz

Von: André Schaefer
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Die Schützen wollen nach den Karnevalisten, dass das von ihnen gepflegte Brauchtum als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt und unter Schutz gestellt wird. Nicht jeder nimmt diese Anträge ernst. Foto: dpa

Aachen. Die Schützen wollen den Karnevalisten am liebsten in nichts nachstehen, schon gar nicht, wenn es um die Wertschätzung des von ihnen gepflegten Brauchtums geht. Es ist deswegen nur folgerichtig, dass nach den Karnevalisten nun auch die Schützen von der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt werden wollen.

Seit vergangenem Jahr ist es in Deutschland erstmals möglich, auch immaterielle Güter in den Kreis der Weltkulturerben aufzunehmen. Nach dem bereits die Anhänger des Karnevals ihr närrisches Fest als potenzielles Kulturerbe ansahen und eine Aufnahme beantragten, machen es ihnen die Schützen aus dem Rheinland und Westfalen nun nach. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, sei der Antrag am Wochenende offiziell eingereicht worden.

Vorangetrieben wurde dieses Vorhaben von der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS). Peter-Olaf Hoffmann, EGS-Generalsekretär, zeigt sich im Zeitungsinterview „hoffnungsvoll“, dass der Antrag bei der Unesco Erfolg haben werde. Schließlich habe man das Schützenbrauchtum in Belgien und den Niederlanden schon längst als Weltkulturerbe unter Schutz genommen, sagt er.

Die Botschaft über die Antragsstellung nimmt man bei den Schützenbruderschaften in der Region jedenfalls mit Freude zur Kenntnis. „Ich begrüße diesen Antrag sehr“, sagt Franz Josef Hallstein, Bezirksbundesmeister des Schützenverbands Düren-Ost, der ohnehin gute Gründe für die Aufnahme sieht. „Bei allem Respekt gegenüber den Karnevalisten: Aber wenn es darum geht, mit Kultur und Tradition zu werben, ist das Schützen-Brauchtum sicherlich noch vielfältiger als der Karneval“, sagt Hallstein.

Das sieht auch Hermann-Josef Kremer so. Der Bezirksbundesmeister des Erkelenzer Verbandes sieht in der möglichen Aufnahme in den Kreis der Weltkulturerben eine Erhellung des Brauchtums. Für ihn ist das Schützenwesen mehr als nur Halligalli. „Wir Schützen sind weltweit tätig und engagieren uns besonders im karitativen Bereich. Gefeiert wird bei uns natürlich auch, aber das machen die Karnevalisten ebenfalls“, sagt Kremer.

Im kommenden Jahr soll auf der Kultusministerkonferenz in Berlin über die einzelnen bundesweiten Anträge entschieden werden. Geht es nach Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter der Grünen (Düren), so dürften weder die Jecken noch die Schützen etwas zu feiern haben. Grundsätzlich sei es seit vergangenem Jahr jedem erlaubt, einen Antrag zu stellen, sagte Krischer am Dienstag, „ich kann den Schützen daher nur schwer einen Vorwurf machen“.

Er hoffe jedoch, dass man sich im Rahmen der Konferenz „genau überlegt, welches Brauchtum unser Land derart auszeichnet, dass es den Anspruch erheben darf“, als Weltkulturerbe geschützt zu werden. „Für mich persönlich ist sowohl der Antrag der Karnevalisten als auch der Antrag der Schützen schleierhaft“, erklärte Krischer am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Immerhin zählt man allein in NRW rund 570.000 Schützen in fast 3000 Bruderschaften, Vereinen und Gilden. Eben diese Fakten überzeugen auch Wilfried Oellers, Bundestagsabgeordneter der CDU für den Kreis Heinsberg: „Das Schützenwesen ist ein elementarer Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens - besonders in unserer Region, in der es kaum eine Gemeinde ohne Bruderschaft gibt. Diese enorme Bedeutung wird durch die regelmäßig stattfindenden generationsübergreifenden Kontakte unterstrichen“, sagte Oellers.

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