„Schüsse in die Türe”: Haftstrafen für Aachener Bandidos

Von: Wolfgang Schumacher
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Höchste Sicherheitsstufe und
Höchste Sicherheitsstufe und Hochbetrieb auf der Anklagebank: Das Aachener Landgericht verurteilte gestern sieben Mitglieder des Motorradclubs Bandidos, die höchste Strafe erhielt der Hauptangeklagte Martin T. mit vier Jahren Haft. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Geilenkirchen. Nach mehr als 30 Verhandlungstagen sprach am Mittwoch die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann ein Urteil im sogenannten Aachener Bandidos-Prozess.

Wegen versuchter räuberischer Erpressung bekamen die sieben Mitglieder des Motorradclubs Bandidos Haftstrafen von vier Jahren bis zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Die Rocker haben nach Überzeugung des Gerichts am 5. August 2011 nachts gegen 22 Uhr angedroht, die Sicherheitskontrollen an der Tür einer Diskothek in Geilenkirchen künftig übernehmen zu wollen. Die Tür sei zum Missfallen der Bandidos von Mitgliedern der konkurrierenden Hells Angels „betreut” worden, deshalb fuhren sie in einem Pulk von etwa 20 Rockern vor der Disco vor, Videoaufnahmen aus den Kameras der Lokalität belegten das.

Die zwei Rädelsführer, darunter der kurz zuvor von den Hells Angels zu den Bandidos übergelaufene Martin T. aus Düren, bekamen die höchsten Strafen von vier beziehungsweise dreieinhalb Jahren, beide bleiben in Haft. Anders die weiteren fünf Verurteilten, die wegen der langen Untersuchungshaft und der teilweise nur noch begrenzten Reststrafen jetzt auf Kaution frei kommen können. Der Angeklagte, der die Bewährungsstrafe erhielt, müsse zusätzlich 150 Sozialstunden in einem Altenheim ableisten, vermerkte Richter Bormann ausdrücklich in der Urteilsverkündung. Das gesamte Verfahren war von Verteidiger- wie auf Anklägerseite mit Oberstaatsanwältin Jutta Breuer hart umkämpft, am Ende standen noch 21 Beweisanträge im Raum, die die Kammer jedoch abschlägig beschied. Das Gericht sah es letztlich als erwiesen an, dass die Rocker die Leitung der Diskothek sowie den dort tätigen Security-Dienst erpressen wollten, um ihrem Motorradclub Bandidos Einnahmen durch die Übernahme des Türsteher-Geschäftes zu sichern.

Das Gebiet gelte als Einflussbereich der Bandidos, hieß es immer wieder in dem Prozess. Auch habe man Befürchtungen gehabt, dass die Hells Angels einen sogenannten Supporterclub in der Aachener Region in­stallieren wollten.

Heftige Anwaltsschelte

Die Beweisführung gestaltete sich schwieriger als angenommen. Denn der Hauptzeuge, der vom Gericht und der Anklage den Kölner Hells Angels zugeordnet wird, kam laut Einschätzung des Gerichts durch den Ehrenkodex beider Clubs unter Druck. Der besagt, dass man nicht mit Gerichten oder der Polizei zusammenarbeite. So bestätigte der Zeuge in einem frühen Stadium des Verfahrens nur unter Androhung von Beugehaft seine ersten polizeilichen Angaben, die er noch unter dem Eindruck des Geschehens gemacht hatte. Später berief er sich auf ein Zeugnisverweigerungsrecht wegen eines Ermittlungsverfahrens, das gegen ihn lief. Er habe „aus Angst geschwiegen”, so der Richter. Teilweise deuteten die Angeklagten und ihre Verteidiger die Videobilder, auf denen eine Verabschiedungen per Handschlag zu sehen war, „als rein freundschaftliche” Gesten und behaupteten, die Rocker hätten den Kollegen in Geilenkirchen nur „Guten Abend” sagen wollen.

Die Kammer kam zum Ergebnis, dass die Rocker „Gebietsansprüche durchsetzen” wollten. Dabei hätten sie mit Gewalt gedroht und, falls nötig, „in die Tür schießen” wollen. Dazu habe eine Drohung, „Wir kommen wieder!”, im Raum gestanden. Daraufhin wurde die Diskothek wochenlang von der Polizei bewacht.

Der Richter hatte die Urteilsbegründung mit einer heftigen Anwaltsschelte begonnen. Die Verteidiger hätten das Verfahren unnötig und „zum Schaden ihrer Mandanten” in die Länge gezogen. Dagegen verwahrte sich unter anderem der Eschweiler Strafverteidiger Peter Nickel und warf dem Gericht vor, es habe in einer „sehr schwachen Urteilsbegründung” nur ungenügende Beweise für eine Strafbarkeit der Angeklagten vorbringen können. Er lege für seinen Mandanten Revision ein.
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