Schüler und Studenten protestieren in Aachen

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
bildungsstreik
Schüler und Studenten sind in Aachen für bessere Bildungspolitik auf die Straße gegangen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zumindest der Theaterbetrieb bleibt vom Streik weitgehend unberührt. Auf dem Vorplatz des Hauses ertönen schon schrill einzelne Trillerpfeifen, da schreitet ein anderer noch pflichtbewusst zur Tat. Der Mann vom Theatercafé jedenfalls rollt den Schlauch aus und beginnt die Blumen zu gießen.

Gründlich macht er das, von allen Seiten. So zieht er von einem Blumenkübel zum nächsten. Gründe, die Gießaktion zu verschieben, gibt es noch keine.

Denn auf dem Theatervorplatz sieht es zunächst nicht nach einer großen Protestaktion aus. Angekündigt ist ein Bildungsstreik. Studenten, Azubis und Schüler wollen sich dort treffen, weil sie unzufrieden sind mit dem, was ihnen in Hoch-, Berufs- und weiterführenden Schulen geboten wird. Zur vereinbarten Zeit stehen kaum mehr Streikende als Polizisten auf dem Vorplatz. Das wird sich ändern. Später. Die akademische Viertelstunde zählt wohl zu den wenigen Errungenschaften des Universitätsbetriebs, an denen es nichts zu kritisieren gibt.

Ansonsten läuft an den Hochschulen, im Bildungssystem ganz generell, einiges verkehrt. Das ist die feste Überzeugung von Jens Wegener. Als Mitglied des Bildungsstreikbündnisses hat er die Aktion maßgeblich mitorganisiert. „Im Moment”, sagt er und blickt über den Theaterplatz, „bin ich mit der Resonanz nicht zufrieden.” Es sei diesmal schwieriger, die Leute zu mobilisieren, weil der Protest nur landesweit laufe. Der Bildungsstreik 2009 war eine bundesweite Aktion. Damals waren allein in Aachen rund 3000 junge Menschen auf der Straße.

Letztlich wird Jens Wegener auch diesmal ein zufriedenes Fazit ziehen. Weil die Polizei rund 800 Demonstranten zählt. Zumindest auf dem ersten Streckenabschnitt, bei der finalen Kundgebung am Elisenbrunnen sind es deutlich weniger. Die Organisatoren haben eine ziemlich lange Route angemeldet. Sie führt quer durch die Innenstadt.

Auf dem Alexianergraben lassen die Streikenden dann nichts unversucht. Von „hinhocken für Bildung” über „hüpfen für Bildung” bis „rennen für Bildung.” Das Spektakel lockt den Nachwuchs an. Mädchen und Jungen aus der Annaschule stürmen zum Straßenrand, bestaunen mit großen Augen das Treiben auf dem Graben.

Wozu es dient, verdeutlichen die inflationär verteilten Flyer vielleicht am besten. Gefordert wird, dass mehr Azubis übernommen und dass Betriebe, die nicht ausbilden, dafür zur Kasse gebeten werden. Gegen Kopfnoten und für die Einheitsschule sprechen sich die Demonstranten aus. Das Bachelor-/Mastersystem an den Hochschule gehöre reformiert. Und dann sind da noch die Studiengebühren. An ihnen entzündet sich die meiste Kritik.

Eine Solidaritätserklärung

Vor dem Hauptgebäude der RWTH werden die Streikenden vom Rektor empfangen. Ernst Schmachtenberg sucht das Gespräch, und seine Worte gleichen einer Solidaritätserklärung. Er sagt, dass Geld besser in Bildung statt in Banken investiert werden müsse. Und ja, eine Reform von Bachelor und Master sei dringend erforderlich.

Nach dem Zwischenstopp gehen die Demonstranten weiter. An ungezählten Wahlplakaten ziehen sie vorüber. Auf einem steht: „Freude auf ein NRW ohne Studiengebühren” - die Demonstranten werden dem uneingeschränkt zustimmen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert