Schramma vor dem politischen Aus

Von: Johannes Nitschmann
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Köln / OB Fritz Schramma
Fritz Schramma machts nicht mehr, jetzt geht das Rennen um seine Nachfolge los. Foto: ddp

Köln. Drei Wochen nach der Einsturz-Katastrophe, bei der das Stadtarchiv und benachbarte Wohngebäude in die 29 Meter tiefe U-Bahn-Baugrube am Kölner Waidmarkt stürzten und zwei Menschen tot unter den Trümmern begruben, steht der Kölner CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma am politischen Abgrund.

Gegen ihn sei „eine Hetzjagd” eröffnet worden, beklagt er sich. Mit Ausnahme seiner eigenen CDU-Fraktion sind alle übrigen Ratsfraktionen empört über das mangelhafte Krisenmanagement ihres jovialen Rathauschefs, dessen Lässigkeit sich bisweilen zur Fahrlässigkeit auswächst.

Dieser OB sei „eine Blamage” und „eine Schande” für die viertgrößte deutsche Stadt, echauffierten sich die Redner in der jüngsten Ratssitzung. Selbst in seiner Stadtverwaltung, die knapp 17.000 Mitarbeiter zählt, hat sich der einstmals populäre Schramma, 61, zusehends isoliert und schnell an Autorität verloren. Und am Donnerstag hat die Kölner Staatsanwaltschaft ein Strafermittlungsverfahren gegen Schramma eingeleitet, weil er bei Sitzungen des Krisenstabes illegale Tonbandmitschnitte gefertigt haben soll.

Die Inszenierung der Opferrolle

Im Rathaus herrschen Intrigen und Klüngel. Die wichtigsten und lukrativsten Posten haben CDU und SPD seit Jahrzehnten untereinander aufgeteilt. Doch ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl ist die Große Koalition im Stadtrat längst auseinandergebrochen. Zuletzt musste Schramma, der seine Hausmacht bei den Karnevalsvereinen und Fußballclubs hat und dort gefeiert wird, mit wechselnden Mehrheiten regieren. Nach der Kölner Katastrophe kann er sich von den 90 Stadträten nur noch auf die 29-köpfige CDU-Fraktion stützen - und die ist heillos zerstritten.

SPD, Grüne, FDP und die Splitterparteien im Kölner Rat werfen Schramma vor, er habe sich nach dem folgenschweren Unglück aus der Verantwortung gestohlen. Schramma trage zwar „keine Schuld” an dem Unglück, aber er müsse „politische Verantwortung übernehmen”, verlangte SPD-Fraktionschef Martin Börschel. In der Ära Schramma habe die „organisierte Nichtverantwortlichkeit” Einzug gehalten Rathaus. Während seiner neunjährigen Amtszeit habe sich der OB immer dann von der Verwaltung distanziert, „wenn es schlecht läuft”.

Durch kopfloses Krisenmanagement - mal sollte die U-Bahn nach dem Archiveinsturz weitergebaut werden, dann wieder nicht - und einer desaströsen Informationspolitik über die möglichen Unglücksursachen, habe sich Köln „im ganzen Land zum Gespött gemacht”, klagte FDP-Fraktionschef Ralph Sterck.

Derweil inszenierte sich der angeschlagene OB in der Opferrolle eines „unfairen und schäbigen Wahlkampfes”. Doch ob die CDU mit Schramma in den Kommunalwahlkampf gehen wird, erscheint zunehmend ungewiss. Hinter den Kulissen werden bei der CDU längst Nachfolgediskussionen geführt. Als potentielle Kandidaten werden der Kölner CDU-Chef Jürgen Hollstein und die CDU-Bundestagsabgeordnete Ulla Heinen genannt.

Weil aber beide Kandidaten als blass gelten, ist in CDU-Reihen von einem „Plan B” die Rede. Angeblich wird derzeit der Kölner Bauunternehmer Paul Bauwens-Adenauer heftig umworben, in seiner Heimatstadt als Oberbürgermeister anzutreten, falls ein Rücktritt Schrammas in den nächsten Wochen unausweichlich werden sollte. Der 55-jährige Enkel von Konrad Adenauer gilt als enger Rüttgers-Vertrauter.

„Der Schramma wird nicht zu halten sein”, prognostiziert ein maßgeblicher Stratege der Düsseldorfer CDU-Landtagsfraktion. „Diesmal haben wir es nicht mit dem üblichen Kölner Zoo zu tun, sondern mit Vorgängen, die das ganze Land beschäftigen.” Deshalb werde sich die CDU-Landespartei einschalten müssen, um ihren unter Dauerbeschuss stehenden OB Schramm mangels Wahlchancen vom Rücktritt zu überzeugen.
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