Schramma-Nachfolge: Der Sprint der Marathonläufer

Von: dpa
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Köln / OB Fritz Schramma
Fritz Schramma machts nicht mehr, jetzt geht das Rennen um seine Nachfolge los. Foto: ddp

Köln. Beide sind Frühaufsteher und drehen in diesen Tagen oft bereits im Morgengrauen eine erste Laufrunde in Kölner Parks. Der 60-jährige Jürgen Roters (SPD) und der 49-jährige Peter Kurth (CDU) sind die aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters in der viertgrößten Stadt Deutschlands.

In den nächsten Wochen aber müssen sie einen politischen Sprint hinlegen. Am 30. August wird gewählt, und beide Kandidaten agieren in der Öffentlichkeit noch mit großer Zurückhaltung. Jürgen Roters, weil das eher seine Art ist, und Peter Kurth, weil er gerade erst aus dem fernen Berlin importiert wurde.

Beide Kandidaten wurden von ihren Parteien lange gesucht. Die Kölner SPD hatte vor Jahren einen Müll- und Spendenskandal, und einen Oberbürgermeister-Kandidaten hatte man nicht von langer Hand aufbauen können. Überhaupt schien es zunächst wenig chancenreich, gegen den langjährigen Amtsinhaber Fritz Schramma (CDU) einen eigenen Bewerber aufzustellen, ohne einen jüngeren Parteigenossen zu „verheizen”.

Obwohl Schramma nach weit verbreiteter Meinung ein klares Manko in der Führung der Stadtverwaltung hat, ist der Kölsche Schnauzträger beliebt in der Bevölkerung. Dann aber zog er Ende März seine erneute Kandidatur wegen Kritik an seinem Krisenmanagement nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs plötzlich zurück. Roters witterte als rot- grüner OB-Kandidat Morgenluft, und die CDU stand ohne Spitzenmann da.

Der ist nun in Köln angekommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Peter Kurth ist aus Berlin, und er outet sich als liberaler Kopf. Schwarz-Grün ist für ihn kein unrealistisches Farbenspiel: „Das gilt für viele Großstädte. Die Zeit der absoluten Mehrheiten ist da vorbei. Für die CDU ist es immer ein schwerer Fehler, sich auf die alleinige Variante einer politischen Partnerschaft mit der FDP zu verlassen.” In der Finanz- und Haushaltspolitik, aber auch in den Bereichen Wirtschaft und Soziales funktioniere die Zusammenarbeit mit den Grünen oft sehr gut. „Wir werden in Köln in die Wählerschaft der Grünen ein bisschen Unruhe bringen”, deutet Kurth an.

Dass die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) den CDU-Mann öffentlich lobt, gefällt dem rot-grünen OB- Kandidaten Jürgen Roters naturgemäß wenig. „Er vertritt die CDU”, mahnt Roters: „Und die hat in Köln nach wie vor eine sehr konservative Programmatik, da kann er sich nicht ganz von frei machen. Er ist ja kein Freischwimmer.” Immerhin sei es gut, dass die CDU in Köln endlich einen Kandidaten gefunden hat: „Der Wahlkampf lebt vom Wettbewerb der Personen. Jetzt ist der Herausforderer da. Er muss sich beweisen, ob es ihm gelingt, die Kölner für sich zu gewinnen und kölsch zu denken.”

Gerade darum bemüht sich Kurth nach Kräften. Seinen Job bei einem Berliner Entsorgungsunternehmen hat er fristlos gekündigt. In Köln ist er auf Wohnungssuche und am ersten Tag bereits mit OB Schramma zum Fußballspiel ins Stadion gegangen. Hertha BSC gewann da gegen den 1. FC Köln: „Ich habe den Kölnern die Daumen gedrückt”, beteuert Kurth. Schramma unterstützt seinen Parteifreund als neuen Kandidaten - obwohl klar ist: Ein zweiter Schramma wird Kurth nicht, er ist ein ganz anderer Typ.

Und er dürfte noch für manche kontroverse Diskussion gut sein. „Die Kritik an Moscheebauten sollte man ernst nehmen”, sagt er zum Beispiel: „Aber wenn eine Moschee einmal baurechtlich genehmigt ist, muss sie auch gebaut werden.” Über Probleme des Islam, wie die Stellung der Frauen, müsse man offen sprechen: „Aber natürlich mit einer klaren Grenzziehung nach rechts.” Und mit seiner Forderung, keine Politiker mehr in Aufsichtsräte kommunaler Firmen zu schicken, dürfte er sich auch an der eigenen Parteibasis nicht nur Freunde machen. Sein Sprint hat aber gerade erst begonnen.

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