Aachen - Schon als „Lehrling” ging Luca mit zum Tivoli

Schon als „Lehrling” ging Luca mit zum Tivoli

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
Angriff mit voller Wucht: Gina
Angriff mit voller Wucht: Gina verfolgt und stellt einen Flüchtigen. Die Hündin trägt im Training sicherheitshalber einen Maulkorb. Foto: R. Roeger

Aachen. Die beiden Einbrecher, die sich nachts unbefugt Zutritt zum alten Tivoli verschafften, hatten es auf Kabel abgesehen. Polizisten entdeckten die Metalldiebe jedoch in der Sprecherkabine. Und das Duo ergab sich schnell und widerstandslos, als die Beamten drohten, Polizeihund Luca von der Leine zu lassen.

Luca ist einer von zwölf Diensthunden der Aachener Polizei. Der sechsjährige Rüde ist ein Malinois, ein belgischer Schäferhund - wie derzeit alle Diensthunde der Kreispolizeibehörde. „Die letzten Deutschen Schäferhunde sind Ende 2010 in Rente gegangen”, sagt Hauptkommissar Stefan Wever, Leiter der Diensthundführerstaffel.

„Die wollen arbeiten”

Die „Malis” sind längst sehr geschätzte Gebrauchshunde. Sie sind kompakt, agil und leistungsfähig. Und sie bringen Eigenschaften mit, die ein Schutzhund oder Spürhund bei der Polizei haben muss. „Die Malis sind hoch motiviert, die wollen arbeiten”, sagt Marco Weitz. Der Polizeikommissar ist Lucas Diensthundführer. Als zwölf Wochen alten Welpen hat er Luca bekommen, hat ihn aufgezogen und ausgebildet. Wie alle zwölf Aachener Diensthunde lebt Luca bei seinem „Chef”, er ist Teil der Familie. „Das gehört bei uns zur Philosophie”, erklärt Weitz. „Mensch und Hund müssen ein Team sein, das muss funktionieren.”

Wie so ein Team zusammenarbeitet, führt Weitz mit seinem vierbeinigen Kollegen auf dem Hundetrainingsplatz der Polizei vor. Als Schutzhund hat Luca zum Beispiel gelernt, eine Person aufzuspüren, zu stellen und zu verbellen. Er kann im Ernstfall auch zubeißen, festhalten - und auf Kommando wieder loslassen. Das ist besonders schwierig für die Tiere, weil es ihrem natürlichen Jagdtrieb widerspricht. Luca führt das mustergültig vor. Völlig ruhig liegt er da - aber konzentriert bis in die Fellspitzen. Und sollte ein Angreifer sein Herrchen attackieren, würde er pfeilschnell springen und zupacken.

„Luca ist eines der ruhigsten Tiere, die wir haben”, sagt Stefan Wever. „Gina” dagegen ist ein anderes Kaliber. Die siebenjährige Hündin arbeitet im Duo mit Polizeihauptkommissar Manfred Contrael. Der Diensthundführer ist auch verantwortlicher Hundetrainer bei der Aachener Polizei. „Gina ist Miss hunderttausend Volt”, beschreibt Contrael das Energiebündel, das er führt. „Nach drei Deutschen Schäferhunden, die ich vorher hatte, eine echte Umstellung.”

Contrael führt vor, wie Gina einen Flüchtigen verfolgt und stellt. Und obwohl das Tier einen Maulkorb trägt, hat Marco Weitz, der den Verdächtigen mimt, Mühe, auf den Beinen zu bleiben. Da sieht auch der Laie: In der Konfrontation mit diesem Hund ist man gut beraten, keinen Mucks zu tun.

Jeder Polizeihund in Aachen ist ein ausgebildeter Schutzhund. Die Malinois arbeiten aber auch gut mit der Nase und sind deshalb prima Spürhunde. Drei der Aachener Diensthunde sind zusätzlich als Rauschgiftspürhunde ausgebildet, einer ist auf Sprengstoff spezialisiert. Auch Luca gehört zu den Drogenexperten. Das Tütchen Kokain, das Marco Weitz auf dem Trainingsplatz unter der Motorhaube eines Autos versteckt hat, findet er in Sekundenschnelle.

Gina und Luca müssen teamfähig sein. Denn jeder Hundeführer arbeitet mit weiteren Beamten zusammen. Und da darf der Hund sich nicht ablenken lassen oder womöglich die Kollegen verfolgen. Ein Polizeihund muss auch große Menschenmengen und Lärm vertragen. „Wenn es knallt, darf er nicht weglaufen, aber auch nicht aggressiv werden”, erklärt Contrael.

Um seinen vierbeinigen Partner an möglichst viele Geräuschkulissen und Situationen zu gewöhnen, hat Marco Weitz schon den jungen Hund dorthin mitgenommen, wo es laut und voll ist: auf die Kirmes, zum Karnevalsumzug - und zum Hauptbahnhof.

Und schon als „Lehrling” geht jeder Aachener Polizeihund natürlich zum Tivoli. Schließlich sind die Diensthunde der Polizei auch bei Fußballspielen im Einsatz. Von den Beamten der Diensthundstaffel gibt es übrigens gute Noten für den neuen Tivoli: „Die Fan-Trennung im Stadion funktioniert bilderbuchmäßig.”

Wenn sie acht oder neun Jahre alt sind, gehen die Diensthunde der Polizei in der Regel in Rente. Luca dürfte also noch zwei bis drei Jahre im Dienst vor sich haben - durchaus anstrengende Jahre. „Unsere Hunde sind Leistungssportler”, sagt Stefan Wever, „und die Hundestaffel ist die Feuerwehr der Polizei”.

Vor einigen Wochen waren die Tiere zum Beispiel im Einsatz, als es eine Bombendrohung gegen das Uniklinikum gab.

Schon heute steht für Marco Weitz fest: Auch als Ruheständler wird Luca bei ihm bleiben. „Der Hund gehört zur Familie.” Bis dahin aber wird der Malinois wohl noch den einen oder anderen Metalldieb stellen und so manches Kilogramm versteckte Rauschgift aufspüren.
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