Schockdiagnose Hautkrebs: „Ich wusste, dass alles gut wird“

Von: Katrin Fuhrmann
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Yvonne Bertels (24) kann heute wieder lachen. Die Angst bleibt dennoch. Foto: Fuhrmann

Aachen. Yvonne Bertels hatte den dunklen Fleck oberhalb ihrer rechten Brust schon länger bemerkt. Er war plötzlich da und machte ihr Sorgen, weil er anders aussah als die üblichen Muttermale, die sie kannte. Als sie am 30. April 2012 zum Hautarzt ging, wurde aus der Vermutung Gewissheit.

Die Hautärztin schnitt den Fleck und sechs weitere Muttermale noch bei der Vorsorgeuntersuchung heraus. Da war sie erst einmal beruhigt, sagt sie. Zwei Wochen später sollten der jungen Frau die Fäden gezogen werden. Sie wartete an jenem Tag länger als sonst.

Als sie ins Sprechzimmer der Ärztin gerufen wurde, bemerkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte: Mit nur 20 Jahren, ein paar Wochen vor ihrem Abiball, bekam Yvonne damals die Schockdiagnose schwarzer Hautkrebs – ein malignes Melanom. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich gefühlt habe“, erzählt sie. „Ich habe geweint und nicht mehr aufhören können.“

Der Krebs hatte leicht gestreut

Der damals 20-Jährigen wurde nach der Diagnose zunächst der Wächterlymphknoten (ein zentraler Lymphknoten) entfernt. In ihm war eine geringe Anzahl von Mikrometastasen. Der Krebs hatte also schon leicht gestreut. In der Folge wurden Yvonne zehn weitere Lymphknoten entfernt. Das Ergebnis: Sie waren alle tumorfrei. Aufatmen konnte Yvonne aber nicht. Der Krebs hätte immer noch streuen können.

Sie informierte sich über Therapiemöglichkeiten und entschied sich für eine Immuntherapie mit Interferon. Das ist ein körpereigener Stoff, den der Körper ausschüttet, wenn er krank ist. Als Therapie soll der Stoff dabei helfen, womöglich übriggebliebene Tumorzellen zu erkennen. Wenn Tumore schon weiter fortgeschritten sind oder sich Lymphknotenmetastasen gebildet haben, vernichtet die Therapie die Metastasen.

Yvonne wurde darüber aufgeklärt, dass die Nebenwirkungen heftig sein können. Doch weil sie noch so jung ist, riet man ihr, diese Therapie zu machen. Zur Sicherheit. Drei Mal in der Woche musste sie sich spritzen. „Die Anfangszeit war echt hart. Ich hatte Fieber, Schüttelfrost, heftige Glieder- und Kopfschmerzen“, sagt die heute 24-Jährige. In Folge der Therapie verlor Yvonne viele Haare. Sie bekam Probleme mit den Zähnen und Herzrhythmusstörungen. Sie fühlte sich schlapp und war manchmal aggressiv – alles Nebenwirkungen der Therapie.

Doch Yvonne war und ist eine Kämpferin. Noch im Jahr ihrer Erkrankung beginnt sie ihre Ausbildung zur Versicherungskauffrau. Sie brauchte die Normalität. „Manchmal hatte ich schon Angst, dass ich in einem Jahr nicht mehr da sein werde“, sagt sie. Trotz der dunklen Gedanken blieb sie optimistisch. „Ich wusste immer, dass alles gut wird.“ Natürlich habe es auch Tiefpunkte gegeben. Momente, in denen sie dachte, in ein Loch zu fallen, aus dem sie nicht mehr rauskommt.

Doch sie versuchte sich immer wieder vor Augen zu führen, was sie im Leben noch alles vorhat und dass es sich lohnt, der Krankheit den Kampf anzusagen. Ihre Mutter und ihre Freundinnen Ina und Cara helfen ihr dabei. „Ich habe versucht, viel zu unternehmen, mich nicht hängen zu lassen und die Krankheit so gut es geht zu verdrängen“, erzählt sie.

Die regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen, Blutabnahmen, CTs und MRTs des Bauchraums und der Lunge, um festzustellen, ob der Krebs gestreut hat, machten sie nervös – auch heute noch. „Die Erfahrung war schlimm. Aber ich habe auch davon profitiert. Die Krankheit hat mich geprägt und stärker gemacht. Ich gehe mit Problemen anders um und weiß das Leben auch viel mehr zu schätzen.“ Bis heute wurden Yvonne 50 Muttermale entfernt. Ihr geht es wieder gut. Aber die Angst, dass der Krebs wiederkommt, bleibt.

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