Düsseldorf - Schock und Angst in NRW nach Putschversuch in der Türkei

Schock und Angst in NRW nach Putschversuch in der Türkei

Von: Özlem Yilmazer und Lena Klimkeit, dpa
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Putsch Türkei Düsseldorf
Halil, Dogan, Rukiye und Tufan (von links nach rechts) sitzen kurz nach Mitternacht in einem türkischen Restaurant in Düsseldorf. Kurz zuvor ist bekannt geworden, dass Teile der Streitkräfte in der Türkei putschen. Foto: Lena Klimkeit/dpa

Düsseldorf. Es mag kaum einen Menschen mit Wurzeln in der Türkei geben, der nicht die Geschichte der Militärputsche des Landes aus Erzählungen oder eigener Erfahrung kennt. Über Nacht ist mit einem Putschversuch in der Türkei aus der Geschichte wieder blutige Gegenwart geworden, wie am Samstag bei Gesprächen mit Menschen in der Kölner Keupstraße deutlich wird.

 „Ich habe kaum geschlafen letzte Nacht, ich bin bestürzt und fassungslos”, erzählt etwa Aysel Meral. In der geschäftigen Straße mit vielen türkischen Läden und Restaurants ist die Stimmung bei den Menschen spürbar gedrückt. Meral ist sehr besorgt, sie hat mit ihrem Neffen in Istanbul telefoniert. „Seine Kinder haben geschrien und geweint, sie hatten alle Angst. Ich bin sehr traurig, dass alles nimmt mich sehr mit.”

Auch ihr Mann Sönmez Meral hat stundenlang vor dem Fernseher gesessen: „Ich kann das nicht fassen. Erst der Anschlag in Frankreich, dann das. Alles kommt auf einmal. Das geht alles in keine gute Richtung”. Wegen der Sicherheitsbedenken will Aysel Meral ihre Türkeireise absagen. Resignieren will die Familie aber nicht. „Ich hoffe, dass es besser wird und alle in der Türkei friedlich miteinander leben können”, sagt die Mutter von vier Kindern.

Am späten Freitagabend hatten türkische Militärs einen Putschversuch begonnen. Berichte über Luftangriffe, Explosionen und Gefechte mit der Polizei gingen um die Welt. Die Bilanz am Tag danach: Laut Regierung ist der Putsch gescheitert, über 260 Tote und sehr viele Verletzte.

Schon in der Nacht gibt es in den türkischen Restaurants an der Düsseldorfer Worringer Straße kein anderes Thema: Rukiye, Tufan, Halil und Dogan trinken Tee, schauen auf den Fernseher und starren auf ihre Handys: Es sind Militärs in der Dunkelheit zu sehen - eine Szene am Atatürk-Flughafen in Istanbul. Rukiye ist in Deutschland aufgewachsen, aber ihre Wurzeln sind in der Türkei. Es ist der 38-Jährigen nicht egal, was in der Heimat ihrer Familie passiert. Der 27-jährige Halil äußert seine Verwunderung über den Putsch. „Dass ein Putsch passiert, in dieser Zeit? 2016? Das hätten wir nicht erwartet.”

Ein paar Häuser weiter in einer türkischen Bäckerei sitzt Hasan Duzcu. Auch er schaut auf sein Handy, dauernd piept es, eine WhatsApp-Nachricht nach der anderen. Er zeigt Bilder von Freunden, die sich nach dem Putschversuch in der Türkei auf der Straße versammeln - aus Solidarität und zwar in Deutschland. Landesweit gehen in Nordrhein-Westfalen nach Mitternacht über 10 000 Menschen auf die Straßen. Alle Demonstrationen bleiben friedlich. Hasan will in zwei Wochen nach Izmir. Am Tag nach dem Putschversuch sind in NRW ein Teil der Türkei-Flüge gestrichen.

Bei vielen in der Kölner Keupstraße sitzt der Schock am Samstag tief, sie sorgen sich um Verwandte, Freunde und würden sich selbst dort nicht mehr richtig sicher fühlen: Wie etwa die Änderungsschneiderin Ayse Köroglu in Köln. Sie wird nicht zum Urlaub in die Türkei nach Bodrum fliegen. „Ich habe mich jetzt endgültig dagegen entschieden”, sagt die 53-Jährige. „Wir stehen immer noch unter Schock, damit hat keiner gerechnet”. Sie hat Angst, dass noch mehr passiert: „Allah möge allen Kraft und Geduld geben.”

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