Aachen/Den Haag - Schnellscheidung im Hotel: Einchecken, scheiden lassen, auschecken

Schnellscheidung im Hotel: Einchecken, scheiden lassen, auschecken

Von: Thomas Burmeister und Christina Diels
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Einchecken zum Auschecken: In den Niederlanden gibt es Hotels, in denen sich Paare schnell scheiden lassen können. Foto: imago/fishman
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Glaubt an die Zukunft der Eilscheidungen: Der Erfinder der Scheidungshotels in den Niederlanden Jim Halfens. Foto: dpa

Aachen/Den Haag. Am Freitagabend als verheiratetes Ehepaar ins Scheidungshotel einchecken und am Montagmorgen frisch geschieden auschecken. So funktioniert das in den sechs Hotels, mit denen Unternehmer Jim Halfens (34) Verträge abgeschlossen hat. „Eine Heirat geht ja furchtbar schnell“, seufzte schon die Filmdiva Brigitte Bardot, „aber die Scheidung ist immer so zeitraubend.“

Das muss nicht sein, sagte sich der Niederländer Halfens. Im Frühjahr 2011 ging der Manager mit seiner Erfindung an den Start: Das „Echtscheidingshotel“ (Ehescheidungshotel) bietet Trennungswilligen ein Rundum-Paket für die Auflösung ihrer Ehe an einem Wochenende. Inzwischen haben fast 45 Paare den Dienst in Anspruch genommen, das Interesse wachse, sagt er.

Eine einzige feste Adresse hat das „Echtscheidingshotel“ nicht. Schon deshalb nicht, weil Halfens und Partner Demonstrationen von Ehefanatikern der verschiedenen Konfessionen ebenso vermeiden wollen wie Belagerungen durch Paparazzi, die nach Scheidungsfotos von Promis gieren. „Wir klären im Vorgespräch, ob eine Hotelscheidung machbar und ratsam ist, und bieten dann gute Häuser in verschiedenen Städten an, mit denen wir Verträge haben.“

Interesse im Ausland

Längst sei auch im Ausland das Interesse erwacht, berichtet Halfens. „Wir haben Anfragen aus den USA, Brasilien und vielen Ländern Europas. Leider können Ausländer bei uns nicht rechtsgültig geschieden werden, aber wir suchen inzwischen nach Partnern, zum Beispiel in Deutschland, um das Geschäftsmodell zu exportieren.“

In Deutschland jedoch braucht jedes Paar für eine Scheidung zwingend einen Richter. „Bei uns in Deutschland ist eine Scheidung nur durch das örtlich zuständige Familiengericht möglich“, sagt Ruth Handelmann, Fachanwältin für Familienrecht in Aachen. „Hinzu kommt, dass einer der Ehegatten auf jeden Fall einen Anwalt beauftragen muss, der den Scheidungsantrag einreicht. Vor Einreichen des Scheidungsantrages müssen die Ehegatten ein Jahr lang getrennt leben.“

Den hochgewachsenen sportlichen Trennungsunternehmer Halfens schreckt das deutsche Recht nicht ab. „Mein Team forscht hier intensiv. Und wir sind sehr kreativ, wenn es darum geht, Lösungen zu finden.“ Ende 2013 hofft er, sein Konzept in Deutschland umzusetzen. Bislang stehen sechs Hotels in den Niederlanden unter Vertrag, eines davon im Süden nahe der deutschen Grenze. Das Carlton Ambassador in Den Haag ist das einzige Hotel, das Halfens namentlich nennt. Die Namen der anderen Hotels verrät er nicht.

„Wir haben eine Möglichkeit geschaffen, Scheidungen nicht nur juristisch korrekt, sondern auch rasch, ohne Ausfall von Arbeitszeit und in würdiger Atmosphäre über die Bühne zu bringen“, sagt Halfens. „Mancher wird sich gar gern daran zurückerinnern.“ Für den Fall, dass ein Abschiedsdrink gewünscht wird, liegt Champagner auf Eis.

Wichtiger ist freilich das Personal, das die Fixscheidung ermöglicht: Im Hotel stehen ein Notar, für jeden Partner ein Anwalt sowie Psychologen bereit. Jederzeit kann auch ein Makler hinzugezogen werden, der sich um die Auflösung des Hausstands und neue Wohnungen kümmert. Notfalls wird für das Trennungswochenende Kinderbetreuung durch Fachpersonal organisiert. Das Ganze für 2500 Euro – einschließlich Übernachtungen und Gebühren für die amtliche Bestätigung der Scheidung, die wenig später zugestellt wird.

„Natürlich ist das nichts bei komplizierten Streits um Erziehungsrechte oder Vermögen“, räumt Halfens ein. Aber es ist auch längst nicht nur für Scheidungskünstler nach dem Vorbild der Hollywood-Legende Zsa Zsa Gabor gedacht, die achtmal heiratete und mit dem Spruch Furore machte, sie habe „niemals einen Mann so sehr gehasst, dass ich ihm seine Brillanten zurückgegeben hätte“.

Juristische Schnellstraße

Geeignet sei das Scheidungshotel „für vernünftige Entschlossene, denen wir Laufereien abnehmen und damit Zeit sparen“, sagt der studierte Kommunikationswirt, der sein Geld einst als PR-Mann in der Event-Branche verdiente. „Es geht meist um Menschen, die im Beruf stark gefordert sind, Ärzte oder Unternehmer zum Beispiel. Denen bieten wir eine seriöse Schnellscheidung, nicht etwa eine Kulisse für Rosenkriege samt Zerschlagung des Hotelporzellans.“

Halfens ist Geschäftsführer des Unternehmens Juridische Snelweg (Juristische Schnellstraße), ein Zusammenschluss von Anwälten, die schnelle Erledigung von Rechtssachen zu fairen Preisen versprechen. „Im Bekanntenkreis haben wir alle erlebt, wie sogar Scheidungen, die einfach erscheinen, sich über Jahre hinziehen können“, sagt er. „In Holland geht jede dritte Ehe in die Brüche – oft quälend, weil die nötigen Dienstleistungen zu kompliziert sind. Da haben wir eine einfache Alternative entwickelt.“

Mit einem Wellness-Trip hat die Hotelscheidung nichts gemein, eher mit einer straff organisierten Konferenz: Gleich nach dem 8-Uhr-Frühstück am Samstag beginnt die Abarbeitung des Programms, die sich mit bis zum späten Sonntagabend hinziehen kann. Zunächst werden organisatorische und finanzielle Aspekte gründlich geklärt, am Ende bieten Psychologen eine mentale Einstimmung auf den neuen Lebensabschnitt. Verheiratet ist Halfens selbst übrigens nicht. Wer keine Ehe eingeht, weiß er, muss niemals nachdenken, wie er geschieden werden möchte.

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