Eschweiler - Schnellere Leistung: RWE investiert 60 Millionen in Kraftwerk Weisweiler

Schnellere Leistung: RWE investiert 60 Millionen in Kraftwerk Weisweiler

Von: Patrick Nowicki
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Schweißarbeiten auf engstem R
Schweißarbeiten auf engstem Raum: Der Block Gustav wird von 800 Kilometer Stahlrohr ummantelt. 30 Kilometer davon werden bei der laufenden Revision ausgetauscht. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Gustav stößt im Moment keinen Rauch aus. Hier und da schlagen Funken, schallen Rufe durch die gigantische dunkle Halle, aber Gustav schweigt. Auf dem 120 Meter hohen Stahlgiganten wimmelt es von Arbeitern. Sie schweißen und schrauben tagein, tagaus.

Der 9000 Tonnen schwere Koloss soll Anfang September seine Arbeit wieder aufnehmen - und bis dahin ist viel zu tun.

Es herrscht Revision am Kraftwerk Weisweiler. Dann tummeln sich noch mehr Menschen auf dem Betriebgelände der RWE Power AG als sonst. 1500 Mitarbeiter von 55 Fremdfirmen sind es diesmal, die den 600-Megawatt-Block auf Herz und Nieren prüfen. Das schließt auch alle Leitungen und Geräte mit ein, die an den Kessel G, genannt Gustav, angeschlossen sind.

In einem Zug werden die Turbinen auseinandergebaut und fehlerhafte Teile ausgetauscht. Der Kühlturm erhält einen neuen Anstrich, der Reingaskanal mit einem Durchmesser von neun Metern wird mit Kunststoff ausgekleidet. Diese Arbeiten finden allesamt parallel statt, was mit einem großen logistischen Aufwand verbunden ist und von langer Hand vorbereitet wurde.

Revisionen sind inzwischen Routine im Essener Stromkonzern. Die Abläufe sind bekannt und optimiert. Diesmal greift RWE Power aber besonders tief in die Schatulle: 60 Millionen Euro investiert die Aktiengesellschaft in Weisweiler, deutlich mehr als bei einer turnusgemäßen Renovierung. Block Gustav erhält nämlich eine neue Leittechnik. Nach 38 Jahren dürfte dies durchaus mal angebracht sein. Aber die hohe Investition ist auch der Entwicklung auf dem Strommarkt geschuldet. „Durch die regenerativen Energien müssen wir nicht nur mit größeren Schwankungen im Stromnetz rechnen, sondern auch schneller darauf reagieren können”, sagt Kraftwerksleiter Gerhard Hofmann.

Prognosen des Strombedarfs

Die Stromkonzerne wie RWE beschäftigen inzwischen zahlreiche Menschen, die nur damit beschäftigt sind, den Strombedarf vorauszusehen. Bläst kein Wind, dann fällt die Einspeisung von Windenergie gering aus. 30 Gigawatt könnten theoretisch in Deutschland von Windrädern ins Netz gegeben werden - oder eben nicht. Gleiches gilt für Sonnenenergie. Diese riesigen Schwankungen sind neu und mit der Energiewende verbunden. „Wir müssen Lösungen finden, das Stromnetz aufrecht zu erhalten”, formuliert RWE-Sprecher André Bauguitte das Ziel.

Eine Möglichkeit, wenn auch im geringeren Maße, bietet sich in Weisweiler. Der Block G kann nach der Revision viel schneller seine Maximalleistung erreichen. Pro Minute ist ein Mehr von 12 Megawatt möglich, bisher galten 1,5 Megawatt pro Minute als Maximalsteigerung. Zudem lässt sich die Anlage bis auf eine Mindestlast von 290 Megawatt herunterfahren. All dies führt dazu, Schwankungen im Netz besser auffangen zu können.

Die üblichen Erneuerungen stehen natürlich auch auf dem Plan.Jedes Kraftwerk, jeder Block hat seine Eigenarten. Gustav in Weisweiler neigte zu „Rohrbläsern”, also zu platzenden Rohren in einer Höhe von etwa 60 Metern. Als Ursache machten die Experten einen Fehler in der Aufhängung aus, die selbst gigantische 19.000 Tonnen wiegt. Beim Erhitzungsprozess weitet sich der Stahl nämlich, beim Kessel von Block G sind es insgesamt 70 Zentimeter. „Kann er sich nicht ausreichend gleichmäßig ausdehnen, kann es zu solchen Störungen kommen”, berichtet Gerhard Hofmann. Jetzt wird die Halterung überarbeitet und 30 Kilometer Rohrleitungen in der Membranwand ausgetauscht.

Seit Ende Juni laufen die Revisionsarbeiten. In diesen Tagen wird die neue Leittechnik in Betrieb genommen. Wo früher viele Schalter und Lampen dominierten, prägen nun große Monitore das Szenario. Kameras liefern aktuelle Bilder aus dem Kessel, auf einem großen Display leuchten in Rot die momentanen Leistungszahlen. Alles lässt sich mit einem Blick erfassen: die Temperatur im Kessel und in den Leitungen, der Druck vor der Turbine, die Umdrehungsgeschwindigkeit - das alles lässt sich am Pult regulieren. Pro Block sind drei Mann rund um die Uhr damit beschäftigt, alles im Auge zu behalten. Ein weiterer begibt sich regelmäßig auf Rundgang in die Anlage.

Im Moment läuft noch der Probebetrieb, werden die Abläufe am Computer simuliert und überprüft. Am 2. September soll es um die Ruhe von Gustav geschehen sein: dann soll er wieder Strom produzieren.
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