Schnelle und beste Hilfe für alle Schlaganfall-Patienten

Von: Sabine Rother
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Schlaganfall
Schlaganfälle sind nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Foto: dpa

Aachen. „Time is brain“ – „Zeit ist Gehirn“ – ein treffendes Motto, das man sich in Aachen, in der Städteregion und darüber hinaus nicht nur zu Herzen genommen hat: Die systematische Bestandsaufnahme, wer in welchem Krankenhaus welches Verfahren zur Rettung von Schlaganfall-Patienten anbieten kann, hat sich zum Neurovaskulären Netzwerk der Region Aachen (NVNAC) verdichtet.

Zeitverlust bedeutet beim Schlaganfall, dass sich die Chancen für den Patienten, diese Attacke ohne größere Behinderung zu überleben, drastisch vermindern.

Im Netzwerk soll die für den Betroffenen notwendige Hilfe im Vordergrund stehen. Das bedeutet: Nicht das vom Wohnort aus nächstgelegene Krankenhaus ist Zielort des Rettungswagens, sondern eine Klinik, die dem Patienten umgehend die für ihn rettende Maßnahme anbieten kann. Ist die Krise überstanden, kann sogar eine Rückverlegung in das heimatliche Krankenhaus erfolgen.

„Eine zeitkritische Erkrankung. 270.000 Betroffene gibt es pro Jahr in Deutschland, davon stirbt ein Drittel“, wie es Professor Jörg B. Schulz, Direktor der Neurologischen Klinik im Uniklinikum Aachen, formuliert. „Bei Hilfe innerhalb einer Stunde durch eine ‚Stroke Unit‘, also eine Spezialabteilung, können nahezu 80 Prozent der Betroffenen den Schlaganfall ohne Schädigung des Gehirns überleben. Wartet man sechs Stunden, sind es nur zehn Prozent.“

Federführend bei der Gründung des neuen Netzwerkes war das Zentrum für Neurovaskuläre Erkrankungen der Uniklinik Aachen. Jetzt ist der regionale Schulterschluss trotz realer Konkurrenz untereinander gelungen. Im Akutfall wird der Rettungsdienst vor Ort beim Patienten die charakteristischen Schlaganfall-Merkmale ermitteln.

Im Netzwerk wurde eine Checkliste erarbeitet, mit deren Hilfe die entscheidenden Fragen gestellt werden können. Zusätzlich finden sich Namen und Telefonnummern von Netzwerk-Mitgliedern, die jeweils ansprechbar sind.

Verschlüsse an den großen Gefäßen des Gehirns, am Gehirnhauptstamm, lassen sich inzwischen zuverlässig durch Therapiemaßnahmen wie die „Mechanische Rekanalisation“ beseitigen. Dabei wird ein Katheter von der Leiste des Patienten aus über die Arterie bis zum Gehirn geschoben.

An der verstopften Stelle entfaltet sich ein Stent, eine Gefäßstütze. Der Blutfluss ist wieder möglich, Stent und Gerinnsel können entfernt werden. „Jeder Patient muss im Notfall die Möglichkeit dieser Therapie haben, auch in ländlichen Regionen. Durch das Netzwerk können wir dafür sorgen“, betont Professor Martin Wiesmann, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie am Uniklinikum.

Mit einer deutschlandweit einzigartigen Variante hat Wiesmann das Verfahren weiterentwickelt. Kann der Katheter von der Leiste aus nicht bewegt werden, weil etwa ein Knick in der Arterie vorliegt, wählt man den Weg über die Halsschlagader. Rekanalisation wird auch am St. Augustinus Krankenhaus Düren und im Medizinischen Zentrum der Städteregion/Würselen praktiziert.

Übergeordnetes Ziel des Neurovaskulären Netzwerkes: Jeder Schlaganfallpatient soll zu jeder Zeit an 365 Tagen im Jahr die beste Versorgung erhalten. Gleichzeitig wird die Aufklärung der Menschen großgeschrieben, die häufig nicht nur Risikofaktoren wie das Rauchen und den erhöhten Cholesterinspiegel ignorieren, sondern viele noch nicht einmal die Rufnummer 112 des Rettungsdienstes kennen.

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